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Harmlosigkeit des Generatorschadens im AKW Gundremmingen bezweifelt

Atomenergie

Seit wenigen Tagen teilen die Betreiber des AKW Gundremmingen mit, dass der Block C des AKW Gundremmingen seit dem 05.08.04 stillstehe. Ein Schaden am Generator erfordere einen Austausch des Bauteils. Eine Gefahr für Personal und für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, so die Pressesprecherin des AKW, Frau Simone Rusch. Die Ulmer Ärzteinitiative bezweifelt diese Darstellung. Ein defekter Generator könne nach ihrer Meinung die Turbine zerstören und damit zum Austreten riesiger Mengen radioaktiven Dampfes führen.

Das AKW Gundremmingen ist ein Siedewasserreaktor, der im Gegensatz zu den weiterentwickelten Bauarten (Druckwasserreaktoren) mit nur einem Kühlkreislauf betrieben wird. Das heißt, der heiße und hochradioaktive Dampf, der im Reaktorkern durch eine atomare Kettenreaktion entsteht, wird durch riesige Rohre aus dem abgeschirmten Reaktorgebäude heraus und in eine wenig abgeschirmte und relativ offene Maschinenhalle geleitet und treibt dort eine Turbine an, die aus tonnenschweren Bauteilen besteht und die durch den radioaktiven Dampf ebenfalls radioaktiv geworden sind.

Das jetzt defekte Bauteil im Block C des AKW Gundremmingen - der Generator - ist ebenfalls ein tonnenschweres Bauteil (10,0 m x 4,40 m x 5,30 m). Defekter Generator und radiaoktive Turbine stehen in der Maschinenhalle unmittelbar hintereinander und sind eng gekoppelt und starr miteinander verbunden. Die Drehung der Turbine wird durch eine Turbinenstange starr und unmittelbar auf die Drehung des Generators übertragen und erzeugt so den Strom (Block C mit 30 Millionen Kilowattstunden pro Tag).

Eine Havarie des schweren Generators kann laut Ulmer Ärzteinitiative durch die enge Nachbarschaft und starre Kopplung fatale Auswirkungen auf die ebenfalls schwere Turbine haben. Ein Stillstand des Generators erzwingt ebenfalls unmittelbar einen Stillstand der Turbine. Bei konventionellen (nicht atomaren) Kraftwerken wird dieses Problem dadurch gelöst, dass beim plötzlichen Stillstand der aktuelle Dampf einfach in das Freie abgelassen wird. Dies geht bei dem hochradioaktiven Dampf in der Gundremminger Anlage mit nur einem Kreislauf nicht. Die Dampfflüssigkeit muss mühsam und technisch kompliziert in die Kondensatorkammern umgeleitet werden, bevor sie wieder in den Reaktor geleitet wird.

Ein schnell bewegter und dann plötzlich blockierter Generator kann mit seiner grossen Masse die gleichzeitig schnell laufende und ebenso schwere Turbine zerstören. Der unmittelbare Austritt von hochradiaoktiven und superheissen Dampf im nicht abgeschirmten Maschinenhaus könnte so die Folge sein. Dazu als anschauliches Beispiel: Ein Radfahrer, dessen Vorderrad in schneller Fahrt plötzlich blockiert wird, wird sofort über die Lenkstange katapultiert.

Daher fragt die Ulmer Ärzteinitiative: 1. Aus "gut informierten Kreisen" wird langsam bekannt, dass sich schon weit vor dem 05.08.04 das AKW-Bedienungspersonal und die AKW-Betriebsleitung keineswegs einig waren, ob unter einem drohenden Defekt des Generators der Atomreaktor nach dem erfolgten routinemässigen Brennelementewechsel wieder anfahren soll. Warum wurde der Reaktor nach dem Brennelementewechsel und eindeutig vor dem 05.08.04 auf Veranlassung der Betriebsleitung zweimal angefahren und musste kurz danach wieder abgeschaltet werden?

  1. Wenn sich nach Aussage der Pressesprecherin des AKW der Schaden in der AKW-Maschinenhalle "nur" im konventionellen und nichtradiaoktiven Bereich abspielte, warum stehen und kreisen seit der Havarie für alle Anwohner unüberhörbar tagelang Hubschrauber um und über dem Kraftwerksgelände? Hubschrauberflüge mit solchen Flugbewegungen machen nur Sinn, wenn in Kraftwerksnähe radioaktive Sondermessungen gemacht werden müssen.
  2. Wenn durch die Havarie des Generators nicht auch eine Havarie der radiaoktiven Turbine drohte und zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Personal und Bevölkerung bestanden habe, warum wurde am 05.08.04 "Räumungsalarm" gegeben und mussten alle Werksmitarbeiter die Anlage verlassen?

Die Ärzteinitiative bittet alle Menschen, die zu diesem "harmlosen Generatorschaden" noch mehr Beobachtungen gemacht haben, diese mitzuteilen. Sie fordert Betreiber und Pressesprecher des AKW Gundremmingen, aber auch die Aufsichtsbehörden auf, alle Fakten und Details der Gundremminger Havarie auch schon vor dem 05.08.04 offenzulegen. Jetzt sei Gelegenheit, der früher gemachten Behauptung nachzukommen, in Gundremmingen werde bei der Information der Bevölkerung "ein gläsernes AKW" betrieben, sagte Reinhold Thiel der Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative.