Frankreich verarbeitet Plutonium für US-AKWs

Waffenfähig

Umweltschützer haben am heutigen Dienstag gegen Plutoniumtransporte aus den USA nach Frankreich protestiert. Aktivisten der Umweltorganisarion Greenpeace blockierten die Straße von Cherbourg nach La Hague. Auf dem Transport sollen 140 Kilogramm waffenfähigem Plutonium aus den USA nach Frankreich transportiert werden, das dort zu Brennstoff für Atomkraftwerke verarbeitet werden soll. "Plutonium ist einer der gefährlichsten Stoffe, die der Mensch jemals entwickelt hat.", so Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Die Menge, die hier Tausende Kilometer übers Meer geschippert werde, reiche aus, um mehr als 25 Atombomben zu bauen. Das Plutonium stammt aus einer Militäranlage in New Mexico und ist ein Überbleibsel aus den Zeiten des Kalten Krieges. In Frankreich soll das ehemalige Bombenmaterial von der Firma Areva zu Plutonium-Uran-Mischoxidbrennstoff (MOX-Brennstoff) verarbeitet werden. Anschließend geht das Plutonium zurück in die USA als Brennstab.

Dieses französisch-amerikanische Plutoniumgeschäft sei Teil eines aktuellen Plans der US-Regierung, insgesamt rund 30 Tonnen überschüssiges Plutonium aus der militärischen Nutzung zur Stromerzeugung in Atomkraftwerken zu verwenden, so die Umweltschützer. Das würde den Einstieg der USA in die kommerzielle Plutoniumnutzung bedeuten.

"Diesen Einstieg in die Plutoniumwirtschaft als ,Entsorgung' zu verkaufen ist absurd.", kritisiert Breuer. MOX-Brennelemente würden keine Sicherheit bringen, sondern zusätzliche Risiken. Mit jeder Bewegung von Plutonium erhöhe sich die Gefahr, dass das Material in falsche Hände gerate. Nach Ansicht der Umweltschützer sollte das gefährliche Material für den Bombenbau besser mit hochradioaktivem Atommüll zusammen "immobilisiert" werden. Das bedeutet, das Plutonium mit hochradioaktiven Müll zu vermischen und somit militärischen Missbrauch massiv zu erschweren.

Besonders schwierig war der Widerstand auf Grund der militärischen Verwicklungen der Lieferung. Wegen der Angst vor Terroranschlägen würden in Folge des 11.9.2001 Transporte von atomarem Material unter das dortige Militärgeheimnis fallen. Ausserdem würden die zwei Schiffe der British Nuclear Fuels von einer Militäreskorte begleitet. Auch der Zielhafen in Cherbourg ist Militärgelände und sobald die Schiffe einlaufen, sei davon auszugehen, dass automatisch ein größeres Gebiet Militärsperrgebiet werde. Der weitere Transport wird laut Greenpeace, dann von der französischen Armee durchgeführt.

Nach Informationen von Greenpeace wurde die Anlage in Caderache im Juli 2003 wegen Erdbebengefahr geschlossen. Doch es gebe eine Frist für Aufräumarbeiten bis Juni 2005, und in eben dieser Frist werde nun das Plutonium aufarbeitet. Sogar das US-amerikanische Energieministerium habe sich geäußert, dass Plutonium solle in Glaskukillen gegossen, oder in Kanistern verschlossen werden, um es somit möglichst schwer nutzbar zu machen.

In den nächsten Monaten stehen weitere Plutoniumtransporte nach Frankreich an. Die Bundesregierung und RWE wollen 1,6 Tonnen Plutonium aus Hanau zu MOX- Brennstoff verarbeiten lassen - trotz des verkündeten Stopps der Wiederaufarbeitung.