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Plakatkünstler Klaus Staeck zeigt Alltagsansichten aus Deutschland

Spießig, ironisch, skurril

"Vorsicht Kampfkatze!" steht drohend auf einem Warnschild in einem akkurat gepflegten Vorgarten in Werder an der Havel. Es ist eines der vielen absurden Fotomotive von Klaus Staeck, der sich als politischer Plakatkünstler seit Jahrzehnten einen Namen gemacht hat. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin präsentiert Staeck ab Freitag unter dem Motto "Frohe Zukunft" eine Sammlung von Impressionen aus dem deutschen Alltag.

"Es sind Momentaufnahmen, die beides zugleich zeigen: Tristesse und Heiterkeit, spießiges Idyll und seine häufig ungewollt ironisch-skurrilen Seiten", sagt Staeck im ddp-Gespräch. Manche Aufnahmen gewinnen ihre Pointe durch den Kontrast zum Ort, wo sie geschossen wurden, wie der mit Lack-Stringtanga und zerfetzter Nylonstrumpfhose nur notdürftig bekleidete Frauen-Po - auf der Frankfurter Buchmesse.

Fotografie-Experten werden vielleicht darüber streiten, ob die Aufnahmen hohen künstlerischen Ansprüchen genügen. Doch darum geht es Staeck nicht: "Es sind Alltagsszenen, die jeder sehen kann, die aber oft nicht wahrgenommen werden, weil man die Augen, aber nicht den Blick geöffnet hat."

Viel typisch Deutsches hat Staeck dabei ins Visier genommen. Hinweisschilder - Kernbestand des Ordnungs- und Anordnungswesens hierzulande - gehören dazu: "Aufstell- und Parkordnung" befiehlt ein fünfarmiger weißer Pfeil in Bitterfeld, der früheren Heimatstadt Staecks. Der Haken: Es gibt keinen Parkplatz, das Geld hat dafür nicht gereicht. Das Schild steht somit einsam auf einem Brachgelände.

Staeck hat sich diesmal für die Fotografien entschieden, "weil hier im Gegensatz zu den Plakaten nichts montiert, nichts gestellt ist". Die Motive sprechen genug für sich. Auch die komplett leere Litfasssäule am Steintorplatz in Hamburg, auf deren Spitze eigens "Kultur in Hamburg" versprochen wird.

Einen wichtigen Aspekt der Ausstellung hätte der Künstler deutlicher herausarbeiten können: das allmähliche Verschwinden lieb gewonnener Häuserfassaden und individuell gestalteter Schaufenster zugunsten eines Einheitslooks: "Ob Ost oder West - überall verschwinden traditionelle Geschäfte und werden durch ewig gleich aussehende Filialisten verdrängt", klagt Staeck. Leider beschränkt er sich darauf, fast die gesamte verfallene Innenstadt von Bitterfeld kurz nach der Wende zu porträtieren, statt Beispiele aus ganz Deutschland und vor allem die Gegenwelt der "Mc-Donaldisierung" zu zeigen. So belässt er es bei einem persönlichen Abschied von seiner alten Heimat. Zukunftsskepsis ist in der Fotosammlung des nachdenklichen Grafikprofessors allgegenwärtig.

Der politische Querdenker und SPD-Freund Staeck widmet sich auch auf etwas heimelige Weise den Sozialdemokraten, wenn er beispielsweise Eindrücke vom Ortstreffen in Heidelberg vor die Linse nimmt. Das Papierfähnchen in einer Bierflasche neben selbstgebackenem Kuchen könnte sogar dem Kanzler gefallen, auch wenn Staeck von sich sagt, "nicht unbedingt ein Busenfreund von Gerhard Schröder" zu sein. Die "viel belächelte Basis" hat es dem auch schon als "Sozialpfarrer" titulierten Staeck mehr angetan als der Glanz der Bundesparteitage mit ihren festlich geschmückten Tischen und überbordenden Büffets.

Die Ausstellung im Willy-Brandt-Haus ist (mit Pause vom 24.12. bis 2.1.) bis 30. Januar zu sehen. Dazu ist ein Bildband erschienen.

 
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