Umweltbundesamt für Fortsetzung der Atompolitik

"Beachtlicher Kohlendioxid-Ausstoß"

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, warnt die Union vor einem Kurswechsel in der Atompolitik. Die Entsorgung des Atommülls sei völlig ungeklärt, auch die Risiken beim Kraftwerksbetrieb dürfe man nicht vergessen, sagte Troge der "Berliner Zeitung". "Außerdem würden längere Laufzeiten die dringend nötige Modernisierung von Kraftwerken verzögern", warnte er. Die rot-grüne Bundesregierung hatte sich im Jahr 2000 nach harten Auseinandersetzungen mit den Atomkraftwerksbetreibern geeinigt, dass die deutschen Atomkraftwerke durchschnittlich 32 Jahre lang - oder gar länger, wie Atomkraftgegner befürchten - in Betrieb bleiben dürften. Zugleich verzichtete die Bundesregierung auf Druck der Atomindustrie auf eine Erhöhung des Sicherheitsniveaus der Atomanlagen und genehmigte neue atomare Zwischenlager, in denen der hochradioaktive Atommüll jahrzehntelang zwischengeparkt werden soll. Mit Wirtschaftsminister Werner Müller saß damals auch ein Manager des Atomkraftwerksbetreibers E.ON in der von Schröder geführten Bundesregierung. Die Auseinandersetzung vor der jetzigen Bundestagswahl beruht auf der Ankündigung der Union, die Laufzeiten der Atomkraftwerke im Falle eines Wahlsieges noch ein wenig verlängern zu wollen, sofern es die Betreiber wünschen.

Der Chef des Umweltbundesamtes wies das Argument zurück, Kernkraft sei besser für den Klimaschutz. "Sieht man sich die gesamte Prozesskette bei der Kernkraft an, also Herstellung, Aufbereitung, Verwahrung, Betrieb und Transporte, dann hat auch die Atomenergie einen beachtlichen Kohlendioxid-Ausstoß", sagte er.

CDU-Mitglied Troge, der von der damaligen Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) zum Chef des Umweltbundesamtes ernannt wurde, sagte, die Hoffnung seiner Partei auf niedrigere Strompreise durch die Kernkraft sei unbegründet. "Als Ökonom halte ich Preissenkungen bei Strom bei längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke für unrealistisch", sagte Troge. Da die Atomkraftwerke bereits heute am Netz seien, sei nicht einleuchtend, warum der so erzeugte Strom auf einmal billiger werden solle. Realistisch sei allenfalls, künftige Strompreiserhöhungen zu dämpfen.

Die Union behauptet, sie wolle die Stromwirtschaft im Falle von längeren Laufzeiten zu niedrigeren Strompreisen verpflichten. Troge sagte, er bezweifle, dass sich die Energieversorger auf eine solche Vereinbarung einlassen würden. Er wundere sich, dass marktwirtschaftliche Parteien wie CDU und CSU über ein derartiges Abkommen nachdenken.