Hunger in Afrika: 6,2 Millionen Tote in 2005

Afrika

Zum Welternährungstag haben die Deutsche Welthungerhilfe (DWHH) und das Washingtoner Forschungsinstitut für Internationale Ernährungspolitik (IFPRI) vor einer dramatischen Zunahme von Hunger und Armut vor allem in Afrika gewarnt. Das so genannte Millenniumsziel 1, die Halbierung von Hunger und Armut, sei nur mit enormen politischen Anstrengungen und der Bereitschaft zu größeren Investitionen erreichbar. Nach einer Projektion für das Jahr 2015 könnte die Zahl hungernder und mangelernährter Kinder offenbar allein in den Ländern südlich der Sahara auf bis zu 50 Millionen steigen. Nach IFPRI-Berechnungen werden im Jahr 2015 noch immer 610 Millionen Menschen hungern. Vom Jahresbeginn bis zum Welternährungstag am Sonntag werden nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (UN World Food Programme, WFP) mehr als 6,2 Millionen Menschen an Hunger gestorben sein. James Morris, Executive Director des WFP, forderte Regierungen, Hilfsorganisationen und den Privatsektor auf, besonders für hungernde Kinder mehr zu tun. Vor den Bildern aus den Erdbebengebieten in Pakistan dürfe man die Hungernden nicht vergessen, die es nicht ins Fernsehen schafften.

"Nur wenige Leute wissen, dass Hunger und seine Folgekrankheiten mehr Leben fordern als AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen", sagte Morris. "Und noch schlimmer ist, dass die Zahl der chronisch Hungernden nach Jahrzehnten des Fortschritts wieder ansteigt." Morris will den Schwerpunkt darauf legen, Kindern zu helfen. Dadurch sei es möglich, den Teufelskreis von Hunger und Armut zwischen den Generationen zu durchbrechen.

Der WFP-Chef sagte, von allen hungernden Kinder bekämen etwa 100 Millionen überhaupt keine Hilfe. Es würde ungefähr 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten, sie und die etwa 15 Millionen unterernährten Schwangeren und stillenden Mütter, die auch keine Hilfe erhielten, zu unterstützen. Etwa zwei Milliarden US-Dollar könnten die Entwicklungsländer bereitstellen, drei Milliarden müssten von den Industrieländern kommen. Diese Summe höre sich nach viel Geld an. Doch man müsse bedenken, dass die Industrieländer jede Woche weit mehr Geld alleine für Agrarsubventionen ausgäben.

Der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, erinnerte die Bundesregierung an ihre Verpflichtung, die Entwicklungsausgaben bis zum Jahr 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen.

Wie dringend mehr Hilfe nach Auffassung des Welternährungsprogramms erforderlich ist, beschrieb Morris anhand der Situation in Niger: "Mit etwas Glück wird das nächste Jahr ein gutes Jahr für Niger. Vielleicht wird es keine Heuschreckenplage geben, werden die Regenfälle pünktlich kommen und keine anderen Katastrophen passieren. Wenn all das passiert - und das ist reine Spekulation - können wir hoffen, dass während der ernteknappen Jahreszeit im Niger nur 450 Kinder täglich an Hunger und seinen Folgekrankheiten sterben."