Journalisten sollen wegen Protesten gegen den G8-Gipfel verhaftet worden sein

"Passable Haftbedingungen"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen protestiert gegen "das gewaltsame Vorgehen der russischen Polizei gegen 'Focus'-Korrespondent Boris Reitschuster am Dienstag in Moskau sowie die Verhaftung von zwei weiteren deutschen Journalisten in St. Petersburg Anfang der Woche". Reitschuster sei am 11. Juli von der Polizei attackiert worden, als er Anti-G8-Aktivisten, die - laut Reporter ohne Grenzen - von der Polizei zusammengeschlagen wurden, helfen und den Vorfall fotografieren wollte. Die Bielefelder Studenten Eike Korfhage und Henning Wallerius, die für das Universitäts-Radio Hertz 97,8 von Anti-G8-Veranstaltungen in St. Petersburg berichtet hätten, sollen bereits Sonntagnacht in ihrer Unterkunft festgenommen worden sein.

Am Dienstag erhielten sie eine Haftstrafe von zehn Tagen wegen "Urinieren in der Öffentlichkeit". Die beiden bestritten, dieses Vergehen, das normalerweise mit rund 15 Euro Geldstrafe geahndet werde, begangen zu haben. Vertreter des deutschen Konsulates durften die beiden offenbar besuchen. Demnach seien die Haftbedingungen "passabel". Reporter ohne Grenzen fordert ihre sofortige Freilassung.

"Die Gewalt gegenüber Journalisten im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel ist absolut inakzeptabel", meint die Organisation. "Auch die Haftstrafe für die deutschen Radiojournalisten ist völlig unangemessen. Die russischen Behörden müssen die beiden sofort freilassen."

"Die Pressefreiheit in Russland wird immer stärker eingeschränkt", so Reporter ohne Grenzen weiter. Zahlreiche Zeitungen, Fernseh- und Radiosender würden vom Kreml kontrolliert, seit Wladimir Putin Präsident ist. Freie Medien existierten kaum noch, Selbstzensur sei weit verbreitet und auch das Internet werde zunehmend überwacht.

Russland sei zudem "nicht in der Lage", die Sicherheit von Journalisten zu gewährleisten. Seit 2000 seien dort 13 Medienleute getötet worden, ohne dass die Täter gefasst wurden. So seien etwa die Mörder von Paul Klebnikov, Herausgeber der russischen Ausgabe des US-Magazins "Forbes", straflos geblieben. Der Journalist sei am 9. Juli 2004 in Moskau erschossen worden. Ebenfalls ungeklärt sei das Verschwinden von AFP-Korrespondent Ali Astamirov, der am 4. Juli 2003 in Inguschetien entführt worden sei, sowie von Maxim Maximov, der seit zwei Jahren in St. Petersburg vermisst werde. Russlands Regierung zeige kein Interesse an der Lösung dieser Fälle.

"Anstatt sich effektiv für die Sicherheit von Journalisten einzusetzen und die Unabhängigkeit der Presse zu stärken", prüfe das russische Parlament derzeit "einen bedenklichen Gesetzesentwurf". Die Beleidigung von Regierungsvertretern solle demnach als "extremistisch" gelten.