Solarbranche will Erneuerbare Energien stärker ausbauen als Gabriel

"Schlafender Riese Solarwärme"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat in seiner Regierungserklärung am 26. April eine Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 auf über 27 Prozent angekündigt. Im Wärmesektor sollen die erneuerbaren Energien auf 14 Prozent. Biokraftstoffe im Verkehr sollen einen Anteil von 17 Prozent erreichen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BBE) ist mit diesen Zielen nicht so ganz zufrieden. "Erneuerbare Energien können mehr", meint der Verband. Die von Gabriel genannten Ziele seien "noch sehr konservativ errechnet worden". Nach eigenen Berechnungen könnten die erneuerbaren Energien bis 2020 35 Prozent des Stroms und 20 Prozent der Wärme liefern.

Insgesamt könnten Strom, Wärme und Kraftstoffe aus Erneuerbaren Energien bis 2020 etwa 150 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich vermeiden. Das entspreche mehr als der Hälfte der für das 40-Prozent-Minderungsziel erforderlichen 270 Millionen Tonnen, so der Bundesverband Erneuerbare Energie.

Schon heute lieferten Erneuerbare Energien den größten Beitrag zur jährlichen Minderung von CO2-Emissionen in Deutschland. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz seien die mit Abstand kostengünstigsten Wege, die Klimaerwärmung zu begrenzen, meint Verbands-Geschäftsführer Milan Nitzschke.

Gleichzeitig stelle der Ausbau Erneuerbarer Energien ein gewaltiges wirtschaftliches Potenzial dar. In diesem Jahr investiere die Branche 12 Milliarden Euro in Deutschland. Das Exportvolumen betrage bereits 8,5 Milliarden Euro. Inzwischen hätten die Erneuerbaren Energien etwa eine Viertelmillion Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

Unzufrieden ist der Branchenverband mit den Aussagen Gabriels zum Wärmegesetz für Erneuerbare Energien. Bundesverband Erneuerbare Energie: "Wir brauchen dringend ein effizientes Instrument, um Erneuerbare Energien im Wärmebereich und damit den massiven Ersatz von Öl und Gas zu fördern", fordert Nitzschke. Bedingung dafür seien "stabile rechtliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in kleinere Hausanlagen ebenso ermöglichen wie in Großanlagen und Nahwärmenetze".

Erfasst werden müsse vor allem der Gebäudebestand, ebenso im Mietwohnbereich wie im Eigentum, ebenso im ländlichen Raum, wie in urbanen Strukturen. Maßnahmen, die vor allem auf Neubauten abzielten seien zwar zu begrüßen, griffen aber deutlich zu kurz, um das gewaltige Potenzial der Regenerativ-Wärme zu erschließen.

"Angekündigtes Wärmegesetz wird den schlafenden Riesen Solarwärme wecken"

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) differenziert hier weniger und begrüßte das angekündigte regenerative Wärmegesetz. Dieses sehe vor, dass bei Neubauten und bei der grundlegenden Sanierung von Altbauten ein bestimmter Anteil des Wärmebedarfs aus Erneuerbaren Energie erzeugt werden müsse. Der vorgestellte Weg sei daher "ein wichtiger Schritt, die enormen Potenziale regenerativer Energiequellen am Wärmemarkt weiter zu erschließen", meint Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft.

Dabei werde die Solarwärme eine Schlüsselrolle spielen. Langfristig könne Solarwärme rund ein Drittel des deutschen Wärmebedarfs decken. Das Wärmegesetz werde "maßgeblich dazu beitragen, den schlafenden Riesen Solarwärme zu wecken", hofft Körnig.

Bereits heute verfügten rund 1 Million deutsche Haushalte über Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung und "Heizungsunterstützung". Laut Körnig ist weitaus mehr drin: "Im Neubaubereich haben zu 100-Prozent regenerativ beheizte Häuser die Marktreife erlangt."

Nach Angaben des Verbandes wuchs der Markt und Branchenumsatz für Solarwärmeanlagen im letzten Jahr um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2 Milliarden Euro. Die rund 4000 deutschen Solarwärmeunternehmen beschäftigten den Angaben zufolge 2006 rund 19.000 Mitarbeiter. Das seien 6500 Arbeitsplätze mehr als im Vorjahr. Für die kommenden Jahre rechnet der Verband mit einer weiteren Expansion.

Durch den raschen Ausbau der Solarwärme könne Deutschland seine Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und mittel- bis langfristig rund 30 Prozent aller Ölimporte aus Nahost einsparen, so Körnig.