UNO will weiterhin Deutsches Bildungssystem kontrollieren

"An ökonomischen Kriterien ausgerichtet"

Nach den "schlechten Noten" für das deutsche Bildungssystem Anfang des Jahres will UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz die Bundesrepublik weiter kritisch im Blick behalten. Das kündigte der Experte am 23. Juli auf dem 5. Weltkongress der Lehrer in Berlin an. Gleichzeitig kritisierte er, dass die meisten Bildungssysteme weltweit nur an ökonomischen Kriterien ausgerichtet seien. Munoz hatte Deutschland in seinem Bericht im März dieses Jahres scharf kritisiert: Insbesondere sozial schwache Schüler, Kinder von Einwanderern und solche mit Behinderungen seien wie in keinem anderen Industrieland beim Lernen benachteiligt.

Der aus Costa Rica stammende Rechtsprofessor hatte 2006 während einer zehntägigen Reise mit Wissenschaftlern, Politikern sowie Eltern und Lehrern in Deutschland gesprochen und der UNO dann den Bericht vorgelegt, der hierzulande eine heftige Kontroverse auslöste.

Munoz sagte am 23. Juli, wenn sich die Bundesregierung mit einer Stellungnahme zu dem Bericht zu viel Zeit lasse, werde er um eine Reaktion bitten. Die Vizechefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte, Deutschland müsse den Bildungs-Anforderungen eines hoch entwickelten Industrielandes gerecht werden. "Damit niemand argumentieren kann, in anderen Ländern ist es viel schlechter als bei uns", sagte sie.

Munoz kritisierte in scharfer Form Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen in Bildungssystemen weltweit. "Der neoliberale Ansatz unterhöhlt die Bildung", sagte er. Mehr als 100 Millionen Jungen und Mädchen hätten keine Chance auf Unterricht, rügte Munoz. Weitere 100 Millionen könnten zwar Unterricht besuchen, würden aber aus ökonomischen, ethnischen oder religiösen Gründen diskriminiert. Mädchen hätten es dabei besonders schwer. Sie seien in vielen Ländern die "unsichtbaren Arbeiterinnen" im Haushalt und oft ende ihre Schulzeit, wenn sie in jungen Jahren verheiratet würden.