Industrie will Kostenrisiko für Transrapid nicht übernehmen

"Fördertöpfe der EU"

Der Münchner Transrapid kommt nicht auf die Stelzen. Die Industrie lehnte es am 18. September ab, das Risiko für eine mögliche Kostensteigerungen beim bisher auf 1,85 Milliarden Euro veranschlagten Bau zu übernehmen. Man werde "nicht pauschal Mehrkosten deckeln", sagte ein Sprecher des Konsortialführers Hochtief AG in Essen. Daher wurde ein Festpreis ins Spiel gebracht. Die vom bayerischen Verkehrsministerium genannten Gesamtkosten für das Projekt würden nicht als Kalkulationsgrundlage akzeptiert, so Hochtief.

Zunächst solle das Ende des Planfeststellungsverfahrens und die Ausschreibung des Bauvorhabens durch die Deutsche Bahn abgewartet werden. Hochtief-Sprecher Bernd Pütter fügte hinzu: "Erst danach können wir sagen, ob es zu dem Preis geht oder ob es teurer wird".

Bayerns Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) teilte nach einem Treffen mit Vertretern der Baufirmen Hochtief, Bilfinger Berger und Max Bögl sowie der Fahrtechnikhersteller ThyssenKrupp und Siemens am 18. September mit, dass die Firmen bereit seien, Festpreise zu vereinbaren. Huber sagte: "Die Bereitschaft der Industrie, einen Festpreis anzubieten, ist ein Riesenfortschritt. Jetzt gehen Industrie und Bahn das gesamte Lastenheft für den Transrapid im Einzelnen durch und werden dabei auch Kosten sparende Alternativen prüfen. Auf dieser Basis wird die Industrie einen Festpreis noch vor Baubeginn benennen können." Auch der ThyssenKrupp-Konzernbetriebsratschef Thomas Schlenz sagte zum Gesprächsergebnis: "Das ist ein ganz wichtiges und notwendiges Signal."

Industrie relativiert das "Festpreis-Angebot": "politische Zahl"

Pütter bestätigte die "grundsätzliche" Bereitschaft der Industrie zu einem Festpreis, allerdings müsse darin das Risiko einer Festlegung "eingepreist werden". Die genaue Summe des Festpreises könne man erst "am Ende der Verhandlungen" bestimmen. Für die Kalkulation komme es auf die genauen Bauanforderungen an. Auch die Länge der Bauzeit für die 37 Kilometer lange Transrapidtrasse vom Münchner Flughafen zum Hauptbahnhof werde sich auf den Preis auswirken.

Die veranschlagten 1,85 Milliarden Euro bezeichnete Pütter als "politische Zahl", die auf einem Gutachten aus dem Jahr 2004 basiere. Es sei möglich, dass die tatsächlichen Kosten höher liegen.

"Fördertöpfe der EU"

Bei der Finanzierung der 1,85 Milliarden Euro deutet sich nach Informationen des "Münchner Merkur" angeblich eine Lösung an. Die bislang noch staatseigene Deutsche Bahn AG sei bereit, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag auf die zugesagten 185 Millionen Euro draufzulegen, wenn dafür der Fahrtpreis für den Transrapid von 15 auf 16 oder 17 Euro erhöht werde. Der Rest solle dann aus Fördertöpfen der EU finanziert werden.

Der Bund will für den Transrapid 925 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Der Freistaat bot an, sich mit 475 Millionen Euro zu beteiligen. Weitere 100 Millionen Euro sollen vom Flughafen München kommen.

Laut Ministerium versicherten die Unternehmen bei dem Gespräch mit Huber, sie würden alles daran setzen, das Projekt gemeinsam mit dem Bund, dem Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn zu einer Erfolgsgeschichte für den Standort Deutschland zu machen.

Ein Sprecher der Siemens-Sparte Transportation Systems sprach von enormen Beschäftigungschancen durch den Transrapid: "Wir rechnen damit, dass der Bau der Strecke in München über fünf Jahre insgesamt 5500 Arbeitsplätze sichert." Nach Fertigstellung rechnet das Transrapid-Konsortium für Wartung und Betrieb der Trasse aber nur noch mit 850 Dauerarbeitsplätzen.