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Die Welt hat ein Rohstoffproblem, nicht nur bei seltenen Erden

Hans-Josef Fell zur aktuellen Lage

Die Metalle der Seltenen Erden sind in der 3. Nebengruppe des PeriodensystemsJeder Staat und jeder Technologie-Konzern auf der Welt ist auf der Suche nach mineralischen Rohstoffen. Seltene-Erde-Metalle wie Platin, Coltan, Indium sind die Schlüsselrohstoffe, aus denen unsere Handys, Tablets und Computer gefertigt werden. Obwohl nur geringste Mengen für Hochtechnologiegeräte gebraucht werden, sind sie oftmals Ursache für Krisen und Auseinandersetzungen in ärmeren Ländern. Auch das rohstoffarme Deutschland ist auf diese seltenen Rohstoffe angewiesen und kämpft im internationalen Wettbewerb um Anteile. Die reine Beschaffungspolitik der letzten Bundesregierung führt letztendlich tiefer in die Probleme und wird am Ende zum Scheitern verurteilt sein.

Eine nachhaltige Strategie in der Rohstoffpolitik hingegen würde vier Kernpunkten folgen:

  1. Rohstoffeffizienz: Je weniger Material für ein Produkt gebraucht wird, desto mehr wird die Abhängigkeit von Rohstoffen gesenkt, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und die Umwelt geschont.
  2. Wiederverwendung: Wir müssen aus unseren alten Produkten so viel wie möglich zurückgewinnen und sie anschließend wiederverwenden. Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch der richtige Weg
  3. Substitution: Besonders Teures, Seltenes und Giftiges, sollten wir durch andere, billigere, vielfach verfügbare und ungiftige Rohstoffe ersetzen, wenn es im gewünschten Produkt die gleichen oder ähnliche Produkteigenschaften ermöglicht.
  4. Wenn wir den Import von Seltenen Erden nicht vermeiden können, müssen wir Good Governance einfordern, damit Diktatoren sich nicht aufgrund unserer Nachfrage bereichern können, sowie ökologisches und soziales Dumping schaffen können.

Im Sektor der Energierohstoffe ist das ähnlich wie bei den stofflich verwendeten Rohstoffen, nur mit einem gravierenden Unterschied: Die Importrechnung Europas für seltene Erden, metallische Rohstoffe, Phosphat u.a. liegt unter einem Zehntel der Rechnung wie sie für die Importe von Erdöl, Erdgas und Kohle ausgegeben werden. Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung liegen die wirtschaftlichen Probleme also wesentlich stärker bei den Energierohstoffen.

Erdölkrise und Wirtschaftskrise hängen zusammen

Der Durst der Industrie- und Schwellenländern nach Energie ist kaum zu stillen. Das letzte Jahrhundert war durch erbitterte Kämpfe um Erdgas, Erdöl, Uran und Kohle geprägt. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist Jahr für Jahr stärker geworden und wächst täglich weiter und auf der anderen Seite nimmt die Verfügbarkeit immer mehr ab. Die Welt hat ein Rohstoffproblem. Und dieses Problem verschärft sich, weil die fossilen und atomaren Energierohstoffe endlich sind. Seit mehreren Jahrzehnten betragen die neuen Funde nur einen Bruchteil des jährlichen Erdölverbrauchs.

Der Erdölschock der 70er Jahre wiederholt sich durch die Ressourcenverknappung nun in veränderter Form als langfristige Krise. Bezeichnend für die beginnende Erdölkrise ist ein bemerkenswerter Zusammenhang zwischen der weltweiten Finanzkrise 2008 und den hohen Erdölpreisen im August 2008. Damals erreichte der Erdölpreis ein Rekordhoch von fast 150 Dollar pro Barrel. Als 2008 die Benzin- und Heizkosten in den USA wegen der Ölpreissteigerung explodierten, konnten viele Hausbesitzer Zins und Tilgung ihrer Kredite nicht mehr bezahlen. So ist es kein Zufall, dass die Finanzkrise von 2008, die die Weltwirtschaft extrem beutelte, exakt zum Zeitpunkt des Höchststandes des Ölpreises ausbrach.

Der Ursprung der Eurokrise

Auch die Eurokrise, die sich seit 2006 anbahnte und seit 2010 dramatische zuspitzte, hat im tieferen Kern ihre Ursache in den Ölpreissteigerungen seit dem Erreichen des Peak für leicht gewinnbares Erdöl im Jahr 2006. Noch um 2005 warnten viele Ökonomen, dass die Weltwirtschaft einen dauerhaft über 100 Dollar pro Barrel liegenden Ölpreis nicht ohne Schaden verkraften kann. Nun liegt seit Anfang 2011 der Ölpreis über 100 Dollar und die Weltwirtschaft stockt noch immer.

Auch der Zusammenhang zur Außenhandelsbilanz der EU ist frappierend. Je stärker die Rohstoffimportrechnungen mit den Rohstoffpreisen von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran sowie die der metallischen Rohstoffimporte steigen, umso höher wird das Außenhandelsdefizit der EU28. Gerade in den südlichen Euroländern ist das Staatsdefizit besonders hoch und damit die Staatsverschuldung. Natürlich spielen auch finanz- und fiskalpolitische Fehlleistungen von Regierungen und Banken eine große Rolle, doch die versteckte Ursache der steigenden Rohstoffpreise, vor allem für fossile Brennstoffe, wird kaum diskutiert.

Den Umstieg organisieren

Mit dem weiteren Festhalten an der Nutzung der fossilen und atomaren Energierohstoffe, werden wir eine Überwindung der europäischen und weltweiten Wirtschaftskrisen nicht schaffen, sowie das Klimaschnell weiter aufheizen. Und nicht nur das: Sicherheitsexperten rechnen global auch mit einer Verschärfung kämpferischer Auseinandersetzungen, je stärker die Verknappung wird. Wir müssen deshalb parallel zur Strategie der Nachhaltigkeit bei Seltenen Erden umsteuern auf eine Energieversorgung basierend auf 100 Prozent Erneuerbare Energien. Die Kernpunkte sind hier gleichermaßen anwendbar:

  1. Energieeffizienz: Wenn wir Energie effizienter nutzen, ist eine kostengünstige Umstellung auf 100 Erneuerbare Energien schneller zu schaffen. Energieeffizienz alleine wird aber zur Rettung des Klimas und zur Vermeidung von Wirtschaftskrisen nicht reichen.
  2. Substitution: Die Kosten der Förderung fossiler und atomarer Energierohstoffe steigen kontinuierlich an und die zunehmende Abhängigkeit von undemokratischen Ländern kann nicht Ziel Europas sein. Die Lösung nicht nur der Klimakrise, sondern auch der Wirtschaftskrise ist daher die Umstellung von fossilen und atomaren Energieträgern auf Erneuerbare Energien. Energieverknappungen werden umgangen, indem fossile und atomare Rohstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden.
  3. Und zwingend erforderlich ist auch in Beschaffungspolitik von Energierohstoffen, das Einfordern von Good Governance, nicht nur bei fossilen und atomare Rohstoffen, sondern auch bei Erneuerbaren, wie beispielsweise Biokraftstoffen.

Die Bundesregierung suggeriert, dass der Ausbau der kostengünstigen Wind- und Sonnenenergie gedrosselt werden muss und damit die Beibehaltung dreckiger Kohlekraftwerke unvermeidbar sei. Diese Strategie ist genau falsch: Sie trägt zum Klimawandel massiv bei, behält die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aufrecht und verteuert über Rohstoffverknappung nur die Energieversorgung. Die Hoffnung auf neues billiges Frackinggas und Tightöl aus den USA ist trügerisch, weil sich jetzt schon abzeichnet, dass dieser Boom in den USA sich bereits abschwächt und nirgends anders in der Welt eine ähnliche Entwicklung zu beobachten ist.

Hans-Josef Fell

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