Zwangsarbeiter in Bonn
"Hunger und Heimweh waren am schlimmsten"
Die 75 Jahre alte Teodozja Gmiter, die mit 14 anderen Frauen und Männern auf Einladung der Stadt Bonn nach all den Jahren an ihre damalige "Zwangsarbeitsstätte" in der NS-Zeit an den Rhein gekommen war, meinte versöhnlich: "Die Zeit hat die Wunden geheilt, wie schwer es auch war". Die Schüler, die sich vorher im Unterricht mit der Zeit unter den Nazis auseinandergesetzt hatten, betonten, sie hätten sich die Diskussionsrunde "viel bedrückender" vorgestellt. Sie zeigten sich über die "versöhnlichen Worte" ihrer Gäste "sehr angetan".
Der 79-jährige Kazimierz Bilawski schilderte, wie ihn deutsche Gendarmen seinerzeit als Jungen beim Fußballspiel in seinem Heimatdorf "einfach ergriffen" und zur Deportation nach Deutschland gebracht haben. Nicht einmal seine Eltern wurden benachrichtigt. Er musste in der Jutespinnerei im rechtsrheinischen Beuel, die es heute nicht mehr gibt, arbeiten: 12 Stunden täglich, und das fünf Jahre lang.
Gmiter berichtete, dass es ihr einmal gelungen war, unerkannt aus dem Arbeitslager herauszukommen. Sie hatte ihr Zeichen mit dem violetten "P", das jeder Pole tragen musste, von der Jacke abgenommen und versteckt. Sie wollte ins Kino gehen. Als sie kurz vor ihrem Ziel war, fiel ihr aus Versehen das Schild herunter. Ein Polizist sah es und verprügelte sie daraufhin. Wurden sie dabei erwischt, in die Kirche zu gehen, mussten die Polen fünf Mark Strafe zahlen.
Besonders hat die damals 14-jährige Teodozja unter der Lageraufseherin leiden müssen. Sie sei "richtig gemein gewesen", erzählte sie. Ob sie nicht auch an Flucht gedacht hätten, wollten die Schüler von ihren Gästen wissen. Ihre Antwort hat die jungen Deutschen erschreckt: Auf Flucht stand die Todesstrafe. Als sehr belastend haben es die Polinnen und Polen empfunden, dass sie in den entscheidenden Jahren keine Schulausbildung haben konnten. Sie mussten dies nach dem Kriegsende und der Rückkehr in die Heimat "alles nachholen", unterstrichen sie.
Bonn hatte die 15 ehemaligen Zwangsarbeiter zu einer ersten Begegnungswoche an den Rhein eingeladen. In Bonn waren etwa 10.000 Zwangsarbeiter auch aus der Sowjetunion, Holland, Belgien, Frankreich und der Tschechoslowakei eingesetzt. Die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann hatte in ihrem Einladungsschreiben die Polen um Vergebung und Versöhnung sowie Verzeihung für das "seinerzeit widerfahrene Unrecht" gebeten.
Den Gästen wurde auch ein touristisches Programm geboten. Sie konnten alle Orte besuchen, wo sie seinerzeit in Bonn waren. Sie zeigten sich "beeindruckt" von der Gastfreundschaft und von allem, was sie erleben konnten. Zum Abschluss des Besuchs hat die Oberbürgermeisterin am Dienstag alle Bonner Bürger zur öffentlichen Begegnung mit den Gästen ins Alte Rathaus eingeladen.
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Am 21. Mai. 2001 unter:
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