Konjunktur

Wirtschaftsverband senkt Wachstumserwartungen

Als erster Wirtschaftsverband hat der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK) seine Wachstumserwartungen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Statt des bisher veranschlagten Wachstum von einem Prozent sei mit Stagnation, "das heißt null" zu rechnen, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag in Berlin. Die Revision der bisherigen Erwartungen erfolge auf der Basis der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage, in die mehr als 25 000 Unternehmen einbezogen waren. Im laufenden Jahr erwartet der DIHK im Durchschnitt 4,4 Millionen Arbeitslose. Schon im Februar oder März könne die Fünf-Millionen-Marke erreicht werden.

Unternehmen und Konsumenten mangele es insgesamt an einer klaren Reformperspektive, sagte Wansleben. Notwendig sei jetzt ein "Bündnis für Deutschland". Als zentrale Ursache für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat der DIHK neben der lahmenden Konjunktur die "so nicht haltbaren hohen

Tarifabschlüsse vom letzten Sommer" ausgemacht.

Deutschland stecke "tief in einer Konjunkturflaute", aus der bei einem längeren Irak-Konflikt sogar eine Rezession werden könnte, führte Wansleben aus. Die Geschäftserwartungen seien gegenüber der Herbst-Umfrage deutlich eingebrochen, und die Stimmung habe ein neues Tief erreicht. Nur im Rezessionsjahr 1993 sei ein schlechteres Bild gezeichnet worden. Vor allem der Wegfall von Beschäftigung und die Sorge um den Arbeitsplatz bremsten der DIHK-Umfrage zufolge den Konsum. Nahezu vier von zehn Unternehmen planten, ihre Beschäftigung im laufenden Jahr zu reduzieren, nur acht Prozent dächten an Einstellungen.

Einziger Lichtblick im ansonsten trüben Konjunkturumfeld seien trotz aller Risiken noch die Ausfuhren, sagte Wansleben. Aber auch hier könne es bei einem längeren Irak-Konflikt eine Wende zum Schlechten geben. Im Falle eine Irak-Krieges erwartet der DIHK eine schnelle Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank. Die Mehrheit der Unternehmen gehe von dem Szenario aus, dass der Irak-Konflikt und die Euro-Stärke sich nur zeitweilig, nicht aber durchschlagend im Gesamtergebnis für das laufende Jahr negativ auswirken könnten. Eine Rezession der Weltwirtschaft werde nicht befürchtet.

Besorgnis bereitet laut DIHK, dass die Investitionsplanungen auf einem Rekordtief sind. Insgesamt haben laut Umfrage 45 Prozent der Unternehmen vor, ihr Investitionsbudget zu verringern, lediglich 15 Prozent wollen es aufstocken. Die Investitionen "bleiben damit die entscheidende Bremse für Beschäftigung und Wachstum im Inland". Zur mangelnden Investitionsbereitschaft kämen häufig noch Finanzierungsengpässe hinzu.

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