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Verbraucherschützer verklagen Kellogg wegen "Schulsport"-Werbung

Grenzen für Kommerz im Klassenzimmer

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verklagt die Firma Kellogg wegen ihrer Werbeaktion "Kellogg's Frosties für Schulsport". Der Aufforderung des vzbv, die umstrittene Aktion zu unterlassen, habe Kellogg nicht entsprochen, teilten die Verbraucherschützer am Freitag mit. Mit dem Musterverfahren will der vzbv gerichtlich klären, wie weit Unternehmen bei auf Schulen ausgerichteter Werbung gehen dürfen. "Wir wollen in Sachen Werbung an Schulen keine amerikanischen Verhältnisse", begründete vzbv-Vorstand Edda Müller die Klage. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Unterfinanzierung der Schulen durch Werbung ausgeglichen werden müsse.

"Schulen sind zum Lernen da - deshalb brauchen wir klare Grenzen für den Kommerz im Klassenzimmer. Es ist die Pflicht und Schuldigkeit des Staates für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen", so vzbv-Chefin Müller.

Kellogg's hat auf Verpackungen und im Internet mit der Aussage "Kellogg's Frosties für Schulsport" geworben. Dabei sollen Schülerinnen und Schüler "Tony Taler" sammeln und diese dann gegen Sportmaterialien für ihre Schule eintauschen. So erhält man beispielsweise für 50 Taler ein Badminton-Set, für 300 eine Beach-Volleyball-Anlage. Die Taler erhält man unter anderem durch den Kauf von Kellogg's Frosties oder Kellogg's Chocos-Packungen. Um ein Badminton-Set zu kaufen, sei somit der Kauf von 50 Packungen zum Preis von je 2,79 Euro erforderlich, was einem finanziellen Aufwand von 139,50 Euro entspreche, so der vzbv. Neuwertige Badminton-Sets seien jedoch bereits ab 14,99 Euro erhältlich. Um die gesammelten Taler eintauschen zu können, ist es zudem notwendig, einen Stempel der Schule in dem Sammelheft vorzuweisen.

Die Kellogg-Aktion wird von der Deutschen Schulsportstiftung unterstützt, in deren Kuratorium sämtliche Kultusminister der Länder vertreten sind. Bereits im Oktober hatte der vzbv die Kultusminister um eine Stellungnahme gebeten. Die schleswig-holsteinische Kultusministerin Erdsiek-Rave teilte daraufhin mit, dass die Aktion gegen das Landesschulgesetz verstoße und sich Schleswig-Holstein deswegen nicht daran beteiligt habe. Die Kultusminister von Brandenburg und Rheinland-Pfalz erklärten, die Angelegenheit werde noch geprüft. Eine Antwort von den übrigen Kultusministern steht nach Angaben des Verbandes noch aus.

Die Deutsche Schulsportstiftung erklärte inzwischen ihre Bereitschaft, mit dem vzbv über Richtlinien für Sponsoring und Werbung an Schulen zu sprechen. Aus Sicht des vzbv droht mit der Aktion kommerzielle Produktwerbung sozusagen mit dem Stempel der Schule Einzug in die Klassenräume zu halten. Dem hält der vzbv den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag entgegen, der auch beinhalte, Schülerinnen und Schüler wenigstens in der Schule vor einem Übermaß an Werbeeinflüssen zu schützen.

Das Verfahren gegen Kellogg sieht der vzbv als Teil seiner "Kinderkampagne, mit der der Verband systematisch gegen rechtlich unzulässige und inhaltlich problematische Werbung für Kinder und Jugendliche vorgehen will.

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