"Erdbebengefährdete Südküste"

Ärzte kritisieren geplanten Bau von Atomkraftwerken in der Türkei

Am 24. September 2008 endet in der Türkei die Ausschreibung für den wiederholten Versuch, Atomkraftwerke in dem Land zu errichten. Im März hatten die türkischen Behörden den Bau ihres ersten Atomkraftwerks ausgeschrieben, nachdem entsprechende Versuche vor Jahren stets gescheitert sind. Nach Informationen der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW soll ein 4000 Megawatt-Atomkraftwerk in der Nähe von Akkuyu "an der stark erdbebengefährdeten Südküste" errichtet werden. Ein zweites sei bei Sinop an der Schwarzmeerküste geplant. Im vergangenen Monat hat die türkische Polizei offenbar friedliche Demonstranten festgenommen. Für das kommende Wochenende sind laut IPPNW wiederum breite Anti-Atomproteste geplant. Zudem machen jetzt türkische und deutsche Ärzte gemeinsam gegen den Einstieg der Türkei in die Atomenergie mobil. Die türkische Ärztekammer wandte sich mit Unterstützung aus Deutschland am Mittwoch (17. September) in Istanbul mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit, um über die gesundheitlichen Folgen der Atomenergie informieren.

Unterstützt wurde sie dabei von der IPPNW und dem deutschen Physiker Alfred Körblein, der in Istanbul die Ergebnisse der Studie über Kinderkrebs um deutsche Atomkraftwerke (KIKK-Studie) vorgestellt hat. Körblein hat in den letzten Jahren Untersuchungen zur Niedrigstrahlung in Deutschland, zu Folgen der Tschernobyl-Katastrophe und zu erhöhten Kinderkrebsraten im Umkreis bayrischer Atomkraftwerke durchgeführt.

Die IPPNW-Vorsitzende verweist auf die Studie zum Thema Kinderkrebs um Atomkraftwerke. Diese so genannte KiKK-Studie habe "bewiesen, je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist für das Kind die Gefahr an Krebs oder Leukämie zu erkranken". Dieses wissenschaftlich anerkannte Ergebnis sei ein klares Signal für die türkische Bevölkerung, die dem Bau von Atomkraftwerken sehr kritisch gegenüber stehe.

Seit dem Super-Gau von Tschernobyl, dessen Strahlung insbesondere die Regionen an der türkischen Schwarzmeerküste getroffen habe, sei die Angst vor neuen Krebsfällen in der Bevölkerung hoch, so Claußen. Die türkische Regierung habe damals sehr ignorant reagiert: "Sie lehnte es ab, das Ausmaß der Strahlenbelastung durch die Tschernobyl-Katastrophe überhaupt wissenschaftlich untersuchen zu lassen."

Als Lösung für den steigenden Energiebedarf der Türkei verweist Claußen auf das hohe Sonnenenergiepotential des Landes, "das es zügig auszubauen und zu fördern gilt. Die Modernisierung der maroden Stromversorgungsleitungen wäre zudem ein schneller erster Schritt zur Lösung der Energieprobleme."

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!