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Freie Theater fordern mehr Mittel

Theater

"Denk ich an die Freie Theater-Szene in der Nacht, so werde ich um den Schlaf gebracht." So mag Franka Schwuchow, Leiterin des 8. osteuropäisch-deutschen Festivals für Off-Theater "Unidram 2001", in Abwandlung eines Heinrich-Heine-Zitates in letzter Zeit geklagt haben. Schließlich stand die Finanzierung des am Sonntag in Potsdam beginnenden Theaterspektakels lange auf der Kippe. Doch nachdem das Goethe-Institut 10.000 Mark zu den Projektkosten beisteuerte, herrscht Erleichterung. "Wir müssen uns nicht verschulden", frohlockt Schwuchow. Sie ist auch Mitglied der Potsdamer Off-Theatergruppe "DeGater 87", die das Festivalorganisiert.

"Unidram 2001" wartet mit über 100 Künstlern aus zwölf Ländern auf. Insgesamt werden 14 Ensembles bis zum 23. Juni 15 Inszenierungen auf die Bühne bringen. Damit ist das Off-Theater-Festival nach Angaben von Schwuchow eines der größten Theaterfeste inOstdeutschland.

Nach Darstellung von Frank Reich, Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Theater Brandenburg, wirft die lange offene Kassenlage bei "Unidram 2001" ein bezeichnendes Licht auf die Situation der Off-Theater im Land. Die Finanzprobleme von Land und Kommunen träfen die unabhängige Theaterszene härter als die Stadttheater. "Wir sitzen am Katzentisch", befindet Reich bildhaft und nennt Gründe dafür. In Brandenburg werde noch immer verkannt, dass es "kontinuierlich arbeitende" Off-Theater gebe.

In den Gruppen trügen die Schauspieler in "offenen Arbeitsprozessen" Mitverantwortung für die Stückentwicklung und die Wirtschaftlichkeit, betont Schwuchow. Im Jahr 2000 hätten die im Verband organisierten 14 Ensembles in mehr als 1.500 Vorstellungen knapp 125.000 Zuschauer angelockt, zieht Reich Bilanz. So viel, wie das Staatstheater Cottbus bei einer 35-Millionen-Mark-Förderung, wie er betont. Das Stadttheater in Brandenburg/Havel habe mit seiner 200.000 Mark teuren Produktion "Mein Freund Hitler" nicht einmal 400 Zuschauer angezogen. Dagegen habe das Freie Theater "Havarie" aus Potsdam in 100 Vorstellungen 12.000 Besucher bei "Genau wie immer - Alles anders" begeistert.

Reich fördert eine Statistik zutage. Danach hatten Brandenburgs Off-Theater im vergangenen Jahr insgesamt etwa 6,3 Millionen Mark zur Verfügung. Mit über 2,5 Millionen Mark hätten die Kommunen das meiste Geld überwiesen, das Kulturministerium 1,7 Millionen Mark. Über 930.000 Mark nahmen die Gruppen, die 30 feste Mitarbeiter und fast 60 Honorarkräfte beschäftigen, selbst ein.

Der ehemalige Puppenspieler fasst kühn zusammen: "Mit dem recht kleinen Budget erzielen die Freien Theater die gleichen Resultate" wie die besser subventionierten staatlichen Häuser. Weil "wir sparsamer und effektiver wirtschaften". Trotzdem reichten die Mittel nicht. An sein Resümee knüpft Reich Forderungen. Die kommunale Unterstützung für die "Frischblutspender" der Stadttheater solle in der bisherigen Höhe erhalten bleiben. Die Landesmittel sollten aber auf zwei Millionen Mark erhöht werden.

Diesem Wunsch wird Landeskulturministerin Johanna Wanka (CDU) nicht Folge leisten. Die Zuweisungen blieben 2001 in etwa gleich hoch, sagt die Ministerin. Über die künftige Förderung werde noch in diesem Jahr entschieden. Im Übrigen kann Wanka die Kritik, das Freie Theater werde in Brandenburg verkannt, nicht verstehen. Denn: Dieser Kultursektor sei in Brandenburg verglichen mit den anderen ostdeutschen Bundesländern "gut entwickelt". Wanka lobt, Off-Theater erfüllten eine Reihe "wichtiger Aufgaben". Sie böten "qualitativ anspruchsvolle" Angebote von Kinder- und Jugendtheater über klassisches und experimentelles Schauspiel bis hin zu Tanz undBallett.

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