Geschädigte Frauen schlecht versorgt

Contergan Skandal

Fast jede zweite Contergan-geschädigte Frau in Deutschland hat Schwierigkeiten, für ihre Behinderung kompetente Ärzte zu finden. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Arbeitsstelle für Frauengesundheitsforschung an der Universität Münster. 94 Prozent der betroffenen Frauen seien im täglichen Leben regelmäßig auf Unterstützung angewiesen, teilte die Universität am Mittwoch mit.

41 Prozent der Frauen berichteten der Studie zufolge, ihr Gesundheitszustand wegen ihrer Behinderung sei vergangenen zwölf Monaten schlechter geworden. In die Zukunft blicken die Contergan-Opfer mit Sorge: Fast zwei Drittel befürchten, dass sich ihr körperlicher Zustand in den kommenden zwei Jahren verschlechtert und sie deshalb stärker auf die Hilfe Dritter angewiesen sein werden. Contergan-geschädigte Frauen sind auch deutlich weniger verheiratet als nicht-behinderte Frauen (42 zu 79,8 Prozent) und leben häufiger allein (41,3 zu 7,7 Prozent). Auch das Nettoeinkommen sei weitaus geringer als bei nicht-verheirateten Frauen, heißt es in der Studie.

Insgesamt wurden in der Bundesrepublik als Folge der Einnahme des Schlaf- und Beruhigungsmittels Contergan zwischen 1956 und 1962 rund 7.000 Kinder mit schwersten körperlichen Behinderungen geboren. Etwa 4.000 Kinder überlebten ihre schweren Schäden nicht. Weltweit wird die Zahl der Contergan-geschädigten Menschen auf etwa 8.000 bis 10.000 geschätzt. In Deutschland leben, wie es in der Studie hieß, rund 2.500 Betroffene, davon etwa 1.280 Frauen. Die Behinderungen betreffen Arme, Beine, Augen und Ohren, aber auch innere Organe.