Jüdisches Museum Berlin ist ein Erfolg

550 000 Besucher seit Ausstellungseröffnung

Das Jüdische Museum Berlin ist nach Darstellung seines Direktors Michael Blumenthal "ein Erfolg". Seit der Eröffnung vor neun Monaten zählte die Ausstellung über 2000 Jahre deutsch-jüdische Geschichte rund 550 000 Besucher. Auch junge Leute zeigen viel Interesse für die Einrichtung, deren Sammlung jetzt durch eine wertvolle Schenkung bereichert wird.

Blumenthal äußerte sich am Mittwoch sehr erfreut über die große Resonanz bei Schülern und Jugendlichen. Die Zusammenarbeit mit jungen Leuten sei ein wichtiges Anliegen des Hauses. Nach einer Umfrage sind rund 37 Prozent der Besucher jünger als 30 Jahre. Das Urteil der Gäste falle überwiegend positiv aus, sagte der Direktor. Die Zufriedenheit sei "überraschend hoch". Aber auch Kritik habe das Museum aufgenommen. Die räumliche Orientierung der Besucher sei durch eine bessere Kennzeichnung erleichtert worden. Mit der Entfernung von rund 300 Exponaten habe die Schau an Übersichtlichkeit gewonnen.

Inhaltlich solle künftig "deutsch-jüdischen und innerjüdischen Spannungen" im 18. und 19. Jahrhundert ein größeres Gewicht zugemessen werden, kündigte der scheidende Vize-Direktor Kenneth Gorbey an. Der Neuseeländer, der das Museum innerhalb von 18 Monaten aufgebaut hatte, sieht seine Aufgabe als beendet an, bleibt der Einrichtung aber weiter als Berater verbunden. Als Nachfolgerin hat der Stiftungsrat Cilly Kugelmann bestimmt, die bisher für Bildung, Wissenschaft und Forschung verantwortlich war. Sie tritt ihr Amt im September an. Außerdem wurde Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) zum stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt.

Erweitert wird die Ausstellung durch eine Schenkung von fünf wertvollen Bildern, die das Museum Kunstsammlern aus den USA verdankt. Dabei handelt es sich um drei Grafiken von Ludwig Meidner, ein Gemälde von Felix Nussbaum und eine Zeichnung von Lea Grundig. Außerdem wird die Shoah-Foundation Steven Spielbergs dem Museum Videoaufzeichnungen von deutschen Holocaust-Überlebenden überlassen, kündigte Blumenthal an.

Mit Arbeiten aus dem "Freud-Zyklus" des amerikanischen Künstlers Robert Longo wird am Donnerstag die neue Ausstellungsreihe "Zeitgenössische Kunst im Jüdischen Museum Berlin" eröffnet. Sie will zweimal jährlich Künstler zu Themen der deutsch-jüdischen Geschichte, Kultur, Tradition und Identität vorstellen. Longos großformatige Schwarz-Weiß-Zeichnungen zeigen Ausschnitte aus Sigmund Freuds Wiener Wohnung kurz vor dessen Emigration 1938. Als Vorlage dienten ihm historische Fotos.

Weitere Projekte sind Ausstellungen zur Emigration deutscher Juden und ihren Schicksalen im Exil, zur Wirtschaftsgeschichte und der Rolle von Souvenirs aus Israel. Als erste große Wechselausstellung kündigte das Haus für den Herbst 2003 eine assoziative Schau an, die sich mit der Bedeutung von Zahlen in der jüdischen und deutschen Geschichte beschäftigt.