Bundesregierung will neuen Telekom-Chef noch vor Wochenende präsentieren

Sommer kritisiert Personaldebatte

Telekom-Vorstandschef Ron Sommer hat sich erstmals in die Debatte um seine Ablösung an der Konzernspitze eingeschaltet und sich gegen Kritik an seiner Geschäftspolitik zur Wehr gesetzt. Die öffentliche Diskussion sei unerfreulich und schade dem Unternehmen, sagte Sommer der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe). Unterdessen gingen vor der für Dienstag anberaumten Aufsichtsratssitzung die Personalspekulationen unvermindert weiter. Presseberichten zufolge drängt die Bundesregierung als größter Telekom-Aktionär darauf, noch vor dem Wochenende einen Nachfolger für Sommer zu präsentieren. Als Favorit sei der DaimlerChrysler-Manager Klaus Mangold im Gespräch. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering äußerte sich betont zurückhaltend.

Sommer, der sich bislang nur über Vertraute in der Debatte um seine Person zu Wort gemeldet hatte, forderte die Bundesregierung indirekt zu Zurückhaltung auf. Grundsätzlich sei er der Meinung, der Staat sollte sich darauf beschränken, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, sagte der Telekom-Chef. Die Politik solle sich bei Telekom nicht einmischen. An die Adresse der rund drei Millionen Telekom-Aktionäre gerichtet, sagte Sommer, das Unternehmen sei "hervorragend aufgestellt".

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" ist die Ablösung Sommers beschlossene Sache. Die Bundesregierung und die Dresdner Bank als eine der Hausbanken betrieben den Sturz des Vorstandschefs. Als "heißester" Kandidat für die Nachfolge gelte Mangold. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wolle den DaimlerChrysler-Vorstand bis Freitag präsentieren. Ein weiterer Anwärter auf die Spitzenposition beim größten europäischen Telekommunikationsunternehmen sei ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Am Dienstag will der Telekom-Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um über die Situation des Unternehmens zu beraten. Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Dietrich Winkhaus, der sich für eine Ablösung Sommers stark gemacht haben soll, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", er beteilige sich nicht an Personal-Spekulationen. "Herr Sommer ist eine starke Führungspersönlichkeit. Eine weitere Einschätzung von meiner Seite soll an dieser Stelle nicht erfolgen", sagte Winkhaus.

Müntefering bemühte sich unterdessen, dem Eindruck entgegenzuwirken, die Bundesregierung übe Druck auf die Telekom aus. Anders als in den vergangenen Tagen, als er indirekt Kritik an der Unternehmenspolitik und am Kursverfall der T-Aktie geübt hatte, betonte Müntefering, die Entscheidung über die Zukunft Sommers liege einzig beim Aufsichtsrat. Die Bundesregierung werde durch ihre zwei Vertreter im Aufsichtsrat "ihre Interessen zu wahren haben", sagte Müntefering in Berlin.

Sommer steht wegen der Kursverluste der T-Aktie und der hohen Verschuldung der Telekom seit Monaten in der Kritik. Die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen und die teure Übernahme der defizitären US-Mobilfunkgesellschaft VoiceStream hatten den Schuldenberg auf rund 68 Milliarden Euro anwachsen lassen. Der Bund ist mit einem Anteil von 43 Prozent mit Abstand größter Telekom-Aktionär.

Die T-Aktie setzte am Donnerstagnachmittag ihre Kurserholung fort und notierte gegen 15.30 Uhr bei 11,50 Euro mit 3,1 Prozent im Tagesplus.