Einzelhandel erleidet 2002 erstmals seit fünf Jahren Umsatzeinbruch

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Der deutsche Einzelhandel hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1997 auf Jahressicht ein Umsatzminus verzeichnet. Inflationsbereinigt seien die Erlöse gegenüber 2001 um 2,3 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Der deutsche Einzelhandel habe damit zum ersten Mal seit fünf Jahren im Jahresvergleich ein Umsatzminus verbucht. Volkswirte begründeten die Kaufzurückhaltung der Verbraucher mit der schlechten Lage am Arbeitsmarkt und den Erwartungen umfangreicher Abgabenerhöhungen in diesem Jahr.

Das Statistische Bundesamt hatte zuvor auch für Dezember, den normalerweise umsatzstärksten Monat im Einzelhandel, einen Rückgang der Erlöse auf Monatssicht um real 0,7 Prozent gemeldet. Bankenvolkswirte hatten dagegen einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Auf Jahressicht lagen die Umsätze den Angaben zufolge um 3,2 Prozent niedriger. Während bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren der Umsatz real um 0,6 Prozent zugelegt habe, seien die Erlöse bei Verbrauchsgütern um 5,7 Prozent gesunken. Deutliche Zuwächse von knapp neun Prozent verzeichneten die Statistiker lediglich im Versandhandel.

Phyllis Papadavid von Lehman Brothers rechnet mit Blick auf die Einzelhandelsumsätze mit einer Stabilisierung der Entwicklung. Die niedrige Inflation in Deutschland sollte dabei den Konsum unterstützen. Ein weiterer Impuls könne von einer Abschaffung der Schlussverkaufsregelungen kommen. Allerdings wollte auch Papadavid nicht ausschließen, dass Ängste um einen Arbeitsplatzverlust sowie die Steuer- und Abgabenpolitik der Bundesregierung auf dem privaten Verbrauch lasten könnten.

Mit Blick auf die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal dürften die neuen Daten zu den Einzelhandelsumsätzen nach Einschätzung der Experten allerdings keine wesentlichen Änderungen gebracht haben. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen rechnet weiterhin mit einer stagnierenden oder leicht positiven Entwicklung. Dies hänge aber davon ab, ob es im Dezember zu einem Einbruch bei der Industrieproduktion gekommen sei, betonte er.