Petra-Kelly-Preis 2004 an kenianische Vizeumweltministerin Wangari Maathai

Zivilcourage

Der Petra-Kelly-Preis 2004 geht an die Kenianerin Wangari Maathai. Diese Entscheidung gab heute der Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin bekannt. Maathai ist Vizeministerin für Umwelt, Natürliche Ressourcen und Wildtiere in Kenia. In der Begründung heißt es: "Wangari Maathai ist die erste grüne Politikerin Afrikas, die den Sprung in eine Regierung geschafft hat; sie wurde stellvertretende Ministerin für Umweltschutz in ihrem Heimatland Kenia. In den frühen 70er Jahren gründete sie das "Green Belt Movement" und kämpfte damit für die Erhaltung des Waldes in Kenia und Ostafrika."

Das Beispiel des Green Belt Movement, das seinen Ausgang von einfachen Baum-Pflanzungs-Projekten nimmt und langfristig auf das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung zielt, hat seither in zahlreichen afrikanischen Ländern Schule gemacht.

Wangari Maathai sei eine herausragende Repräsentantin der grünen Bewegung Afrikas. Für ihr Engagement hat sie in der Vergangenheit Haft und Repressalien bis hin zu Misshandlungen ertragen müssen. Nichts davon konnte sie von ihrem Weg und ihren Idealen abbringen. Über die Ökologie-Bewegung hinaus streite sie für die demokratischen und sozialen Rechte der Bevölkerung; sie sei zugleich eine der bekanntesten internationalen Botschafterinnen der afrikanischen Frauen.

Die Heinrich Böll Stiftung verleiht den internationalen Petra-Kelly-Preis 2004 an Wangari Maathai, um ihre einzigartige Rolle in der afrikanischen Politik, ihr Engagement und ihr Lebenswerk zu würdigen. Wie bei der Preisverleihung an Ingrid Betancourt (Preisträgerin 2002) wolle die Stiftung damit zugleich ein Licht auf die Vielfalt der internationalen grünen Bewegung werfen.

Im Jahr 2002 wurde der Petra-Kelly-Preis an Ingrid Betancourt verliehen, die Vorsitzende der grünen Partei Kolumbiens "Oxigeno Verde". Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin wurde mitten im kolumbianischen Wahlkampf von der FARC-Guerilla entführt und befindet sich seit Februar 2002 in deren Gewalt.

Ihr Ehemann, Juan Carlos Lecomte, bezeichnete bei der Entgegennahme des Preises diesen als "Ingrids Lebensversicherung". Vor zwei Wochen ist ein neues Lebenszeichen der Entführten an die Öffentlichkeit gelangt. Die Heinrich-Böll-Stiftung setzt sich weiter für Betancourts Freilassung ein.

Der Petra-Kelly-Preis wird an Personen oder Gruppen vergeben, die sich in herausragender Weise für die Achtung der universellen Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösungen sowie den Schutz der natürlichen Umwelt einsetzen. Der Preis wurde 1998 erstmals an die internationale Menschenrechtsorganisation UNPO (Unrepresented Nations and Peoples Organisation) verliehen. Im Jahr 2000 ging er an die chilenischen Umweltaktivistinnen Berta und Nicolasa Quintreman Kalpan.

Der Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung ist dem Gedenken an Petra Kelly (1947-1992) gewidmet. Sie war eine treibende Kraft bei der Gründung der grünen Partei Ende der 70er Jahre und ihre prominenteste Sprecherin in den Anfangsjahren. Gleichzeitig ging ihr Wirkungskreis weit über die alte Bundesrepublik hinaus. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.