Protest gegen Desinformationsveranstaltung über das AKW in Cattenom

Kernenergie

Anläßlich einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Cattenom zum neuen Betriebsgenehmigungsverfahren des Atomkraftwerks, wird die Initiative für Atomausstieg Trier erneut protestieren. Am Freitag, den 10. Oktober ab 19 Uhr werden Vertreter der französischen Atomindustrie Ihre Sicht der Dinge darlegen - ähnlich wie am 2.10.03 in Trier. Die Initiative für Atomausstieg kritisiert diese einseitige Veranstaltung als "Desinformation" und weist auf zahlreiche Studien hin, die die Worte der EDF Lügen strafen.

Die Kritik der Initiative für Atomausstieg Trier gegen das laufende Verfahren richtet sich unter anderem gegen die geplanten Grenzwerterhöhungen für Tritium. "Grenzwertfestlegungen sind politische Vereinbarungen und in dem Antrag der Betreiber von Cattenom EDF sollen fast alle Grenzwerte – bis auf die für Tritium – gesenkt werden. Diese Grenzwertsenkungen gehen aber nicht mit einer tatsächlichen Verringerung der Einleitungen und Abgaben einher, da die Werte ohnehin weit unter den derzeitigen Grenzwerten liegen. Daß diese Grenzwerte gesenkt werden, ist keine wirkliche Verbesserung, sondern ein politischer Akt der Verschleierung." So eine Vertreterin der Initiative.

Mit der geplanten Erhöhung der Grenzwerte für Tritium, soll der Einsatz höher angereicherter Brennelemente möglich gemacht werden, die länger ausgenutzt werden können als die bisher verwendeten. Im Probebetrieb kam es dabei zu Rissbildungen in den Brennstäben. In den Jahren 2001 und 2002 waren die radioaktiven Abgaben von Cattenom aufgrund von Rissbildungen in den Brennstäben und weiteren Störfallserien besonders hoch.

"Auch die bereits bestehenden Einleitungen verseuchen die Mosel radioaktiv. Viele Moselgemeinden beziehen ihr Trinkwasser auch aus Uferfiltrat, der Verdünnungsfaktor mindert zwar die radioaktiven Werte, aber bei einer Erhöhung der Einleitungen, wie sie geplant sind, wird auch das Trinkwasser höher belastet sein - ganz zu schweigen von Langzeitanreicherungen", so die Anti-Atom-Initiative.

"Aus medizinischer Sicht müssten Grenzwerte und Einleitungen bei Null liegen, um die Gesundheitsgefahr nicht zu erhöhen. Die Generationen nach uns werden noch mit den Folgen der heutigen Atompolitik und -industrie konfrontiert sein. Es gibt kein sicheres Endlager und auch die militärische Nutzung von Atombomben bis zu Uranmunition sind ein Teil der gleichen Maschinerie", heißt es weiter.

"Atomkraft ist eine Risikotechnologie, in der Langzeiterfahrungen fehlen. Die Gefahren und Folgen sind nur zum Teil ab zu schätzen. Die Atomkraft ist nicht sicher und beherrschbar, wie viele kleinere und größere Störfälle gerade in Cattenom zeigen, das strahlendes Erbe, dass die heutige Generation damit den nachfolgenden hinterläßt ist unverantwortlich!"

Was kann jeder tun? Am 15. Oktober läuft die Frist für die Einreichungen von Stellungnahmen und Einwendungen gegen die neue Betriebsgenehmigung ab. Bis nächsten Mittwoch müssen schriftliche Einsprüche im Rathaus von Cattenom eingegangen sein. Wer nicht selbst eine Einwendung verfassen will, kann auf die von der Initiative verfassten Einwendungen zurück greifen, die im Friedens- und Umweltzentrum, so wie in einigen Geschäften und Kneipen noch bis spätestens Montag ausliegen.

Es gilt weiter öffentlichen Druck auszuüben und zu protestieren. Jeder kann seinen eigenen persönlichen Atomausstieg machen, indem er zu zertifizierten atomstromfreien Energieanbietern wechselt. Konkret bieten sich auch die Atommüllverschiebungen von der französischen Plutoniumfabrik La Hague ins wendländische Gorleben, die im November rollen für Widerstand an.