Atomopfer Michael Weber gestorben

Leiharbeit in der Uranfabrik RBG-Siemens in Hanau

Michael Weber, der sich selbst als "Atomopfer" bezeichnet und einen gleichnamigen Verein gegründet hatte, ist am 17. September nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er initiierte den Verein Atomopfer e.V. als Zusammenschluss von Strahlenopfern. "Sein Leben war ein langer Kampf gegen die Folgen eines Arbeitsunfalls bei der Firma Siemens", schreibt das Vorstandsmitglied des Vereins Michael Löffler in einer Pressemitteilung. Einen Prozess gegen Siemens konnte Weber aus finanziellen Gründen nicht zu Ende führen. "Siemens hat meine finanzielle Notlage gut genutzt um diesen Prozess, der die Skrupellosigkeit der Atomindustrie an meinem Fall exemplarisch beweisen sollte, schnell zu beenden, ohne mich auch nur mit einer Mark zu entschädigen", schrieb Micheal Weber auf seiner Website.

Die Gründung des Vereins war der Höhepunkt des langjährigen Bemühens von Michael Weber, den Opfern einer verfehlten Sicherheits- und Energiepolitik eine Plattform der Selbsthilfe zu verschaffen, heisst es in der Pressemitteilung weiter.

Nach der Schilderung von Michael Weber auf seiner Website ereignete sich der für ihn fatale Atomunfall so: "Mein Unfall mit dem Uranfaß, durch den heute 85 Prozent meiner Lunge kaputt ist, so dass ich ohne Sauerstoffschlauch in der Nase kaum mehr atmen kann, passierte 1971 als 19-jähriger bei einem Ferienjob als Leiharbeiter in der Uranfabrik RBG-Siemens in Hanau. Die Dichtung eines mit feinstem angereichertem Uranmehl gefüllten Fasses platzte beim Einfüllen und ich wurde von Kopf bis Fuß mit dem schwarzen Gift eingestaubt. Ich musste es dabei zwangsläufig einatmen, denn es gab nicht einmal eine primitive Staubschutzmaske. Ich bekam nur einen weißen Overall und eine Strahlenmessplakette. Um mich einzuschüchtern, suggerierte man mir, einen Fehler gemacht zu haben, und kündigte mir fristlos. Ich wurde samt dem Uran an meinen Schuhen (Arbeitsschuhe gab es nicht) ohne ärztliche Untersuchung und Versorgung einfach nach Hause geschickt."

11 Jahre nach dem Unfall erkrankte Michael Weber plötzlich sehr schwer. Schwerste Atemnot mit Entzündungen und Schwäche machten ihn arbeitsunfähig. "Erst 22 Jahre nach dem Unfall entdeckte ich eine Spur zu der möglichen Verursachung meiner Erkrankung. Ich schaltete die Berufsgenossenschaft ein und meldete ihr, was ich in der Uranfabrik erlebt habe", so Weber.

Die Spurensucher der Berufsgenossenschaft wurden fündig. Sie fanden noch "angereichertes Uran an meiner Schuhputzbürste von damals und auch die Strahlenmessplakette zeigte eine eindeutige Verstrahlung an. Sie wies auch auf die Uranverstaubung hin und der Film in der Messplakette war auch noch verkehrt herum eingelegt, so dass er normalerweise eine noch höhere Verstrahlung angezeigt hätte. Auch ein Protokoll der Raumluftmessung von meinem Arbeitsplatz zeigte einen meldepflichtigen Atomunfall an. Letztlich bewies das ärztliche Gutachten auch noch eindeutig, dass meine Erkrankung auch durch den Uranunfall von 1971 ausgelöst wurde. Die Berufsgenossenschaft erkannte danach sofort alle meine Leiden als Berufskrankheit an und bewilligte mir eine 100 prozentige Unfallrente."

Obwohl solche Fälle staatlicher Anerkennung äußerst selten sind, leugnet Siemens offenbar bis heute diesen Unfall. Der Weltkonzern "behauptet, dass sich die Berufsgenossenschaft und Gutachter geirrt haben", so Weber.