Lage der Flüchtlinge im Tschad verschlechtert sich

Afrika

Seit Anfang Dezember sind mehr als 26.000 Flüchtlinge im Osten des Tschad angekommen. Die Menschen fliehen aus der nordsudanesischen Provinz Darfur, wo Regierungstruppen und Rebellen in immer heftigere Auseinandersetzungen verstrickt sind. Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichten, dass die humanitäre Lage der Flüchtlinge verzweifelt ist. "Die Lebensbedingungen sind unglaublich hart für die Neuankömmlinge", erklärt Sonia Peyrassol, Koordinatorin von ÄRZTE OHNE GRENZEN. Viele Flüchtlinge in seien in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, vor allem die Kinder.

Die Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN berichten, dass die Flüchtlinge vor der Gewalt in ihrer Heimat geflohen sind und einen dreitätigen Fußmarsch hinter sich haben, bevor sie in dieser wüstenähnlichen Gegend im Tschad ankommen. Hier fänden sie nur völlig unzureichende Unterkünfte vor, keinen Schutz und zu wenig Nahrungsmittel. Die Temperaturen schwanken zwischen null Grad in der Nacht und 30 Grad am Tag.

Es sei bereits absehbar, dass es bald schwierig werde, sauberes Trinkwasser für die Flüchtlinge bereitzustellen. Viele Menschen haben nach eigenen Angaben bei den Angriffen auf ihre Dörfer Angehörige verloren. Zudem gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Frauen Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Allerdings trauen sie sich aus Scham oft nicht, medizinische oder psychologische Hilfe zu erbitten.

"Wir haben in den vergangenen Wochen sechs Städte entlang der Grenze besucht", berichtet Sonia Peyrassol. "Überall wird dringend Hilfe benötigt, doch selbst das UN-Flüchtlingshilfswerk hat bisher kaum reagiert. Tausende von Familien sind in den letzten zwei Wochen hier angekommen, doch sie haben bislang keine Hilfe erhalten."

Die ersten Flüchtlinge aus Darfur haben im Juli 2003 Zuflucht im Tschad gesucht. Bereits kurz danach hat ÄRZTE OHNE GRENZEN in den Grenzstädten Tiné und Birak Gesundheitsposten errichtet. Die schätzungsweise 60.000 Menschen, die bisher in den Tschad geflohen sind, haben sich in die örtlichen Gemeinschaften integriert. Mit den Neuankömmlingen im Dezember sind die Aufnahme- und Versorgungskapazitäten der Region jedoch völlig erschöpft.

ÄRZTE OHNE GRENZEN versorgt täglich etwa 150 Patienten. Die häufigsten Krankheiten sind Malaria und Atemwegsinfektionen. Darüber hinaus besteht das Risiko einer Meningitisepidemie. Aufgrund der vielen neuen Flüchtlinge ruft Ärzte ohne Grenzen andere Hilfsorganisationen dringend auf, im Tschad aktiv zu werden, bevor sich die Lage weiter verschlechtert.