Ärzte ohne Grenzen - Spenden und Einsatz für medizinische Nothilfe

Hilfsgüter für Afghanistan und seine Nachbarländer

In dieser Woche schickt die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen 115 Tonnen Hilfsgüter nach Afghanistan und in die angrenzenden Länder. Mit dem Material versorgt die Organisation die laufenden Projekte in der Region und bereitet sich gleichzeitig auf neue Fluchtbewegungen vor. Am Dienstag kam ein Flugzeug mit 37,5 Tonnen Hilfsgütern in der kirgisischen Stadt Osh an. Sie sind für die laufenden Projekte in Faizabad und Ishkashim in der von der Nordallianz kontrollierten Region bestimmt. Es handelt sich hierbei um proteinreiche Nahrung, medizinisches Material sowie Ausrüstung zur Wasserversorgung und fünf Zelte für mobile Kliniken.

Ein zweites Flugzeug landet ebenfalls am Dienstag in Ashgabat in Turkmenistan. An Bord befinden sich 40 Tonnen Medikamente und medizinisches Material, Wasser- und Sanitär-Ausrüstung sowie Zelte und Fahrzeuge. Ende der Woche werden zusätzliche 38 Tonnen Hilfsgüter dort ankommen.

Diese Hilfsgüter unterstützen die Projekte im Gebiet der Nordallianz und können auch für Projekte in den von den Taliban kontrollierten Regionen eingesetzt werden, sobald der Zugang möglich ist. Die internationalen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen waren von dort nach den Anschlägen in den USA evakuiert worden. Im Gebiet der Nordallianz sind jedoch weiterhin

internationale Mitarbeiter tätig. Sollte es zu Flüchtlingsströmen in die Nachbarländer kommen, kann das Material auch hierfür verwendet werden.

Ärzte ohne Grenzen hat Teams im Iran, in Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. In den von den Taliban kontrollierten Gebieten wurden vor der Evakuierung der internationalen Mitarbeiter Hilfsgüter zurückgelassen, damit die Projekte weiterlaufen können. In die Region von

Mazar-e-Sharif, im Norden Afghanistans, konnte Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen zwei Wochen sogar zusätzliches Material bringen. Außerdem leistet die Organisation Unterstützung für die Flüchtlinge in den seit Jahren bestehenden Camps bei Peshawar in Pakistan und Mashad im Iran.

Die Hilfsorganisation befürchtet, dass es mit dem bevorstehenden Winter zunehmend schwierig wird, Hilfe für die afghanische Bevölkerung zu leisten. Schon vor den jüngsten politischen Ereignissen war die Situation besorgniserregend. Krieg, Dürre sowie eine schlechte Gesundheitsversorgung forderten täglich Menschenleben.

Ärzte ohne Grenzen bittet um Spenden zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung in Afghanistan und den Nachbarländern.

Sparkasse Berlin, BLZ 100 500 00, Kto: 97 0 97, Stichwort: Afghanistan

Am 03-10-2001

Mediziner gesucht

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" benötigt mehr qualifizierte Mitarbeiter. Zwar gebe es zahlreiche Interessierte, viele brächten aber nicht die nötigen Voraussetzungen mit, sagte Vorstandsmitglied Christine Schmitz am Mittwoch. Insgesamt habe aber auch die Bereitschaft zum aktiven Helfen in Projekten nachgelassen. Die Hilfsorganisation feiert am Donnerstag ihr 30-jähriges Bestehen.

Vor allem beim langfristigen Engagement in der Not- und Entwicklungshilfe sinke das Interesse, sagte Schmitz. Der Organisation fehle es deshalb an erfahrenen Mitarbeitern, die neue einweisen können. Die Gründe für die schwindende Bereitschaft seien vielfältig. So wollten viele "zurück ins Privatleben" oder Karriere machen.

Ein wesentlicher Faktor liege außerdem in der angespannten Arbeitssituation im Gesundheitswesen: Die Helfer müssten für einen sechs- bis neunmonatigen Einsatz zur Verfügung stehen, sagte Schmitz. Oft könnten die Interessenten nicht so lange von ihrem Arbeitsplatz fern bleiben, ohne ihn zu verlieren. "Hier wünsche ich mir mehr Bereitschaft von Chefärzten und Klinikverwaltung, die Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum für die humanitäre Hilfe frei zu stellen."

Abgesehen vom richtigen Beruf - außer Ärzten und Krankenpflegepersonal sind vor allem Logistiker und Finanzexperten zur Organisation und Buchhaltung gefragt - müssen Bewerber nach Angaben von Schmitz mindestens eine Fremdsprache fließend sprechen. Zudem sollten sie schon einmal in einem Entwicklungsland gewesen sein und "mit beiden Beinen im Leben stehen".

Am 19-12-2001

Inguschetien

Die internationale Organisation „Ärzte ohne Grenzen#8220; ruft den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Ruud Lubbers, anlässlich seines heutigen Inguschetien-Besuchs auf, sich für eine bessere Versorgung der Tschetschenen in Inguschetien einzusetzen. Unbeachtet von der internationalen Gemeinschaft leben Hunderttausende tschetschenische Vertriebene dort unter inakzeptablen Bedingungen. Da die Gewalt in Tschetschenien weiterhin anhält, nimmt die Zahl der Vertriebenen täglich zu.

„ÄRZTE OHNE GRENZEN“ ist sehr besorgt über die humanitäre Situation von schätzungsweise 180.000 Tschetschenen, die aus ihren Heimatorten vertrieben wurden und bereits den dritten Winter in Inguschetien verbringen. Ihre Lage verschlechtert sich zunehmend. Die meisten haben bei Familien Zuflucht gefunden.

Mehr als 60.000 Menschen leben in Zelten, leeren Schul- oder Fabrikgebäuden. Am nötigsten werden Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen gebraucht. Die Zelte sind abgenutzt und undicht, sie müssen dringend ersetzt werden. Auch die sanitäre Versorgung ist völlig unzureichend: 100 Menschen müssen sich jeweils eine Latrine teilen.

„ÄRZTE OHNE GRENZEN“ fordert den UNHCR auf sicherzustellen,dass die offizielle Registrierung der tschetschenischen Vertriebenen wieder aufgenommen wird. Unterdessen hält die Gewalt in Tschetschenien an. Die Bevölkerung lebt unter ständiger Bedrohung, und viele Familien haben ihr Zuhause verloren. „ÄRZTE OHNE GRENZEN“ leistet medizinische Hilfe in Inguschetien, Dagestan und Tschetschenien.

In Inguschetien werden die Vertriebenen seit 1999 versorgt. In Tschetschenien kann „ÄRZTE OHNE GRENZEN“ aus Sicherheitsgründen nur begrenzt arbeiten. Die Organisation unterstützt dort medizinische Einrichtungen, verteilt Medikamente und medizinisches Material.

Am 16-01-2002

Ärzte ohne Grenzen warnen

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist in der südangolanischen Provinz Huila auf etwa 10.000 Menschen in katastrophalem gesundheitlichen Zustand gestoßen. Ehemalige UNITA-Soldaten haben sich mit ihren Familien in den vergangenen Wochen in der Stadt Galangue eingefunden, um dort ihre Waffen abzugeben. Ärzte ohne Grenzen hat wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass in den Gebieten, die seit dem Waffenstillstandsabkommen wieder für humanitäre Organisationen zugänglich sind, Zehntausende Menschen schwer unterernährt und krank sind.

"Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Mutter über den Tod ihres Kindes weint", berichtet eine 20-jährige Frau, die gerade in Galangue angekommen ist. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben in der Stadt 31 Gräber vorgefunden, die in den letzten zwei Wochen neu aufgeworfen wurden. Die Teams schätzen, dass die Sterblichkeitsrate bei 5 Toten pro 10.000 Menschen jeden Tag liegt. Dieser Wert ist fünfmal höher als der Schwellenwert für eine akute Krise. Haupttodesursache sei Unterernährung. Einer schnellen Untersuchung von 538 Kindern unter fünf Jahren zufolge sind 25 Prozent schwer unterernährt und 18 Prozent mäßig unterernährt. Die schlimmsten Fälle wurden sofort in das etwa 200 Kilometer entfernte Ernährungszentrum nach Caala gebracht, in dem bereits 850 schwer unterernährte Kinder versorgt werden.

Ein mobiles Team von Ärzte ohne Grenzen soll in den nächsten Tagen akute medizinische Notfälle versorgen und versuchen, die Patienten so zu stabilisieren, dass sie nach Caala transportiert werden können. Für Familien mit Kindern unter zehn Jahren wollen die Mitarbeiter zudem Nahrungsmittel verteilen.

In den vergangenen Wochen ist Ärzte ohne Grenzen in allen neu zugänglichen Gebieten auf Tausende von Menschen in katastrophalem Gesundheitszustand gestoßen und hat akute Nothilfeprogramme gestartet: in Bunjei und Chipindo (Provinz Huila), Chilembo (Provinz Huambo), Damba (Provinz Malanje), Menongue (Provinz Cuando Cubango), Chitembo, Camacupa und Kuito (Provinz Bié). Seit 1998 hatten diese Menschen keinen Zugang mehr zu humanitärer Hilfe. Sie wurden von den Kriegsparteien mehrfach zwangsvertrieben und als Geiseln gehalten. Ihre Dörfer und Häuser wurden niedergebrannt, ihre Besitztümer und Felder geplündert und zerstört.

Ärzte ohne Grenzen fordert die angolanische Regierung auf, umgehend auf die Bedürfnisse in den ehemaligen UNITA-Gebieten zu reagieren. Dringend erforderlich seien Nahrungsmittellieferungen, Impfkampagnen sowie Transportmöglichkeiten für die Kranken und Schwachen. Die Organisation hat auch an die Vereinten Nationen appelliert, Nahrungsmittel in die neu zugänglichen Gebiete zu bringen, doch bislang ohne Erfolg.

Am 16-05-2002

Ärzte ohne Grenzen kritisiert angolanische Regierung und UN

Nach Angaben der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen sind Hunderttausende Angolaner vom Hungertod bedroht, wenn die angolanische Regierung und die Vereinten Nationen nicht unverzüglich massive Anstrengungen dagegen unternehmen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Luanda warf die Organisation der angolanischen Regierung, dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und dem UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) vor, bislang viel zu langsam und unangemessen auf die humanitäre Notlage von mindestens 500.000 Angolanern reagiert zu haben. Seit dem Waffenstillstandsabkommen vom 4. April 2002 hat Ärzte ohne Grenzen Zugang zu Gebieten, die jahrelang von jeglicher Hilfe abgeschnitten waren. Tausende sind dort bereits an Hunger gestorben.

"Jeden Tag kommen unsere Teams in neue, bisher unzugängliche Gebiete und finden dort alarmierende Unterernährungs- und Sterblichkeitsraten vor", sagte Morten Rostrup, Präsident des internationalen Rates von Ärzte ohne Grenzen. "Seit Anfang April teilen wir unsere Informationen den Vereinten Nationen, der angolanischen Regierung sowie anderen Hilfsorganisationen mit, doch die Reaktionen darauf waren bisher völlig unzureichend. Die Welt lässt es wissentlich zu, dass die angolanische Bevölkerung an Hunger stirbt."

Laut Ärzte ohne Grenzen haben die UN-Organisationen die Dringlichkeit der Situation bislang nicht erkannt und an vielen Orten, an denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, immer noch keine allgemeine Nahrungsmittelverteilung gestartet. Darüber hinaus habe das WFP die Nahrungsmittelrationen für Vertriebene, denen bereits vor dem 4. April geholfen wurde, dramatisch gekürzt und so 335.000 Menschen ohne Hilfe sich selbst überlassen. Obwohl das Ausmaß der Katastrophe schon seit über einem Monat bekannt sei, habe das WFP in den neu zugänglichen Gebieten und den Demobilisierungslagern erst jetzt mit der Nahrungsmittelhilfe begonnen. Zudem hätten die Vereinten Nationen die Geberländer nicht um mehr Geld für Angola gebeten, sondern zugelassen, dass die Situation in Angola als Teil der Hungersnot im südlichen Afrika behandelt wird - einer Situation, der völlig andere Ursachen zugrunde lägen und die andere Reaktionen verlange.

In hohem Maße verantwortlich für die katastrophale Situation ist laut Ärzte ohne Grenzen die angolanische Regierung. Beide Kriegsparteien setzten während des Bürgerkriegs die Vertreibung von Tausenden von Menschen gezielt als Kriegsstrategie ein. Drei Jahre lang mussten die Menschen in vielen Gebieten ohne jegliche Hilfe von außen überleben. Während die Regierung gemäß dem Friedensabkommen inzwischen einige Nahrungsmittel für die ehemaligen UNITA-Rebellen und ihre Familien in den Demobilisierungslagern zur Verfügung stellt, gibt es nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen praktisch keine Unterstützung seitens der Regierung für die Zivilbevölkerung in den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten. Die Arbeit der Hilfsorganisationen werde zudem durch schwierige Visa- und Zollprozeduren erschwert.

"Ein Masern- oder Ruhr-Ausbruch würde für viele der bereits geschwächten und unterernährten Menschen den Tod bedeuten", sagte Rostrup. Wenn die angolanischen Behörden, die UN-Institutionen, besonders das WFP, sowie die internationale Gemeinschaft der Geberländer nicht unverzüglich ihre Programme ausweiteten, könne es sein, dass Hunderttausende an Hunger und Krankheiten stürben. "Wir haben die angolanische Bevölkerung in der Vergangenheit nicht angemessen unterstützt, wir dürfen sie nicht nochmals im Stich lassen, wenn der Frieden uns jetzt die Möglichkeit gibt zu helfen."

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1983 in Angola. Die Teams betreuen derzeit rund 14.000 Menschen in 44 Ernährungszentren in 11 von 18 Provinzen des Landes. Derzeit sind rund 160 internationale und mehr als 2.000 nationale Mitarbeiter in Angola in tätig - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Am 11-06-2002

Ärzte ohne Grenzen

Die deutsche Sektion von ÄRZTE OHNE GRENZEN hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit Einnahmen von 33,9 Millionen Mark ein gutes Ergebnis erzielt. Dies teilte die Organisation anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts 2001 mit. 114 in Deutschland lebende Mitarbeiter haben letztes Jahr in Projekten des internationalen Netzwerks gearbeitet. Die Anzahl der Projektmitarbeiter soll künftig gesteigert werden. Größte Sorge sei derzeit die dramatische Ernährungslage in Angola, die in den Medien kaum Beachtung findet.

ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge hat das internationale Netzwerk im vergangenen Jahr immer wieder Engpässe bei der Personalgewinnung für Auslandseinsätze festgestellt. "Wir würden diese Engpässe auf internationaler Ebene gern ausgleichen, indem wir in Deutschland mehr qualifiziertes Personal für die Auslandsprojekte gewinnen", sagte die Vorstandsvorsitzende und Ärztin Gundula Epp-Graack. Besonderen Bedarf hat die Organisation derzeit an Ärzten, Hebammen und medizinisch-technischen Assistenten.

Die meisten Mitarbeiter sind für ÄRZTE OHNE GRENZEN derzeit in Angola tätig. 160 internationale und 2.000 angolanische Mitarbeiter arbeiten dort, um die Folgen der katastrophalen Ernährungssituation zu bekämpfen. Seit dem Waffenstillstand Anfang April hat die Organisation Zugang zu Gebieten, die drei Jahre lang von jeder humanitären Hilfe abgeschnitten waren. Etwa eine halbe Million Menschen sind infolge des jahrelangen Bürgerkrieges von Hunger und Tod bedroht.

"Es ist beschämend, wie schleppend die internationale Hilfe anläuft", sagte die Geschäftsführerin der deutschen Sektion Ulrike von Pilar. "Seit Wochen berichten unsere Teams von dramatischen Sterberaten und weit verbreiteter Unterernährung, doch weder die Medien noch die internationale Gemeinschaft reagieren entsprechend", so von Pilar. Erst letzte Woche hatte ÄRZTE OHNE GRENZEN die angolanische Regierung und die Vereinten Nationen für die völlig unzureichenden Hilfsaktionen scharf kritisiert.

Die Gesamteinnahmen von ÄRZTE OHNE GRENZEN im Jahr 2001 in Höhe von 33,9 Mio DM blieben mit 13,3 Mio DM hinter dem Ergebnis des Vorjahres (2000: 47,2 Mio DM) zurück. Grund hierfür ist, dass die deutsche Sektion im Jahr 2000 allein für die Flutkatastrophe in Mosambik 13,9 Mio DM erhalten hat. Von den 33,9 Mio DM Gesamteinnahmen entfielen 30,6 Mio DM auf private Einzelspenden. Die deutsche Sektion finanzierte im Jahr 2001 Projekte in 32 Ländern, mit Schwerpunkt Afrika.

Am 21-06-2002

Ärzte ohne Grenzen:

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Entführung ihres Mitarbeiters Arjan Erkel (32), Landeskoordinator in Dagestan, auf Schärfste. Der Niederländer war am Abend des 12. August gegen 22 Uhr in der Hauptstadt Makhachkala von drei zum Teil bewaffneten Männern auf dem Heimweg angehalten und entführt worden. Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über das Schicksal von Arjan Erkel und appelliert an die bisher unbekannten Täter, ihn unverzüglich und unversehrt freizulassen.

Aufgrund dieses Vorfalls hat Ärzte ohne Grenzen alle Projekte in Dagestan und Inguschetien bis auf Weiteres geschlossen. Die Programme in Tschetschenien wurden bereits am 29. Juli unterbrochen, als Nina Davidovich, Mitarbeiterin der russischen NRO Druzhba, entführt worden war.

Die Entführungen verdeutlichen die Gefahren, denen die Zivilbevölkerung sowie die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in diesem Konfliktgebiet ausgesetzt sind. Da die Menschen, insbesondere die Tschetschenen, jedoch dringend medizinische Hilfe benötigen, wird Ärzte ohne Grenzen die Situation kontinuierlich beobachten, um zu entscheiden, ob die Projekte wieder geöffnet werden können.

Ärzte ohne Grenzen betreibt mobile Kliniken in der gesamten Region und unterstützt Krankenhäuser und Apotheken mit Medikamenten und medizinischem Material. Außerdem werden chirurgische Einrichtungen, Entbindungsstationen und Gesundheitszentren wieder aufgebaut.

Zurzeit sind keine weiteren Informationen zur Entführung von Arjan Erkel verfügbar.

Am 14-08-2002

Hungerkatastrophe in Angola

"Ärzte ohne Grenzen" stellte am Donnerstag in Luanda eine Dokumentation der Kriegsgreuel vor. Die aktuelle Hungersnot resultiere einerseits daraus, dass viele Gebiete aufgrund von Minen und mangelnder Infrastruktur schwer zugänglich sind. Andererseits reagierten nach Auffassung von Ärzte ohne Grenzen die meisten internationalen Organisationen zu langsam. Der Hunger in Friedenszeiten ist nach Meinung der Helfer Folge des Krieges.

Die Kriegsparteien in Angola haben die angolanische Zivilbevölkerung seit 1998 systematischer Gewalt ausgesetzt. Dies belegen Berichte mit Zeugenaussagen, die die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Donnerstag in Luanda veröffentlicht hat. Die Zeugenaussagen wurden direkt nach dem Waffenstillstandsabkommen im April 2002 gesammelt.

Sie zeigten exemplarisch, wie in den Jahren 1998 - 2002 beide Kriegsparteien - die Truppen der Rebellenbewegung UNITA und die Regierungstruppen - Gewalt gegen die Zivilbevölkerung als militärische Strategie einsetzten. Zwangsvertreibungen, Vergewaltigungen, Zwangsrekrutierungen sowie Massenhinrichtungen waren an der Tagesordnung. Gleichzeitig wurden Dörfer geplündert und niedergebrannt und die Ernte vernichtet. "Sie drangen nachts in unsere Häuser und stahlen alles, was wir hatten. Sie ermordeten diejenigen, die ihren Befehlen nicht folgten", erzählt eine 24-jährige Frau aus Chilembo.

Das Leid der Angolaner ist nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen eine direkte Folge des Krieges, in dem das humanitäre Völkerrecht massiv verletzt wurde. Auch das Waffenstillstandsabkommen vom 4. April 2002 setzte der Not der Menschen kein Ende, da die Hilfe viel zu spät anlief. Für Zehntausende von Zivilisten, die während des Krieges zwangsvertrieben wurden, sowie für ehemalige UNITA-Soldaten und ihre Familien in den Demobilisierungslagern wurden zunächst nicht genügend Nahrungsmittel bereitgestellt.

Am 11-10-2002

WTO-Tagung in Sydney

Anlässlich des Delegiertentreffens der Welthandelsorganisation (WTO) in Sydney ruft die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Wirtschaftsminister auf, den Schutz der Gesundheit in ärmeren Ländern nicht zu Gunsten der Interessen der Industrienationen einzuschränken. Ärzte ohne Grenzen fordert die WTO-Mitglieder insbesondere dazu auf, die Exportbeschränkungen für generisch produzierte Medikamente (Nachahmerprodukte) aufzuheben.

Genau vor einem Jahr, am 14. November 2001, erklärten die Mitgliedsstaaten auf der WTO-Ministerkonferenz in Doha, dass der Patentschutz von Medikamenten Regierungen ärmerer Länder nicht an der Behandlung ihrer Bevölkerung hindern darf. "Am Jahrestag der Erklärung von Doha sehen wir diese Zusagen auf das Äußerste gefährdet", so Ellen 't Hoen von Ärzte ohne Grenzen. "Wir befürchten, dass in Sydney Beschlüsse gefasst werden, die den Zugang zu Nachahmerprodukten für ärmere Länder zusätzlich erschweren werden."

Jedes Jahr sterben rund 14 Millionen Menschen weltweit an Infektionskrankheiten. Mehr als 36 Millionen HIV-Infizierte haben keinen Zugang zu lebensnotwendigen Arzneimitteln. Hauptursache hierfür ist der unerschwinglich hohe Preis der HIV/Aids-Medikamente in diesen Ländern. Generisch hergestellte Nachahmerprodukte kosten meist deutlich weniger als die patentierten Markenprodukte. Damit können erheblich mehr Patienten zu denselben Kosten behandelt werden. Gemäß des Abkommens zum Schutz geistigen Eigentums der WTO (TRIPS-Abkommen) dürfen Länder ohne eigene Produktionskapazitäten, Nachahmerprodukte aus anderen Ländern importieren. Völlig paradox ist jedoch, dass die betreffenden Generika-Produzenten ihre kostengünstigen Arzneimittel nicht exportieren dürfen.

Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und einigen Regierungen ärmerer Länder fordert Ärzte ohne Grenzen deshalb die Aufhebung dieser Exportbeschränkungen. Nur so kann der Zugang zu kostengünstigen Medikamenten für die Menschen in ärmeren Ländern im Sinne der Erklärung von Doha gewährleistet werden. "In Sydney muss dauerhaften Lösungen des Exportproblems der Vorrang gegenüber halbherzigen, vorschnellen Absprachen gegeben werden, die das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel setzen", erklärt Ellen 't Hoen.

Am 14-11-2002

Ärzte ohne Grenzen

Trotz der Bemühungen russischer und dagestanischer Behörden, während der vergangenen sechs Monate den Fall zu klären, bleibt der entführte Arjan Erkel vermisst. Bis heute hat Ärzte ohne Grenzen nicht einmal ein Lebenszeichen von ihm. Daher hat Ärzte ohne Grenzen eine weltweite Online-Unterschriftenkampagne gestartet, die sich an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Staatsratsvorsitzenden der Republik Dagestan, Magomedali Magomedov, richtet.

Bisher haben bereits über 40.000 Menschen unterzeichnet. Es sollen aber noch viel mehr werden, bis die Aktion am 9. März 2003, am Tag von Arjans Geburtstag beendet wird. Peter-Arjan Erkel ist 32 Jahre alt und gebürtiger Holländer. Sein erster Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen führte ihn 1994 nach Uganda. Seither war er als logistischer Koordinator und Projektkoordinator in vielen Ländern tätig, unter anderem in Tadschikistan, Usbekistan, Russland und Sierra Leone. Seit April 2002 war er als Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Makhachkala, der Hauptstadt der russischen Republik Dagestan tätig, bis er verschwand.

In Inguschetien hat Ärzte ohne Grenzen die Projektarbeit inzwischen wieder aufgenommen, die Aktivitäten in Dagestan und Tschetschenien sind weiterhin ausgesetzt. In akuten Notfällen wird die Organisation in Tschetschenien allerdings tätig werden. Die Büros in Makhachkala, Chasawjurt und Grosny bleiben daher geöffnet, um die Lage beobachten zu können.

Am 21-02-2003

Entführt im Kaukasus

Neun Monate nach der Entführung von Arjan Erkel, Projektleiter der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Nordkaukasus, haben russische Ermittler der Organisation versichert, dass er am Leben ist. Weiterhin bleibe jedoch ungeklärt, wo der Mitarbeiter sich befindet, wer ihn entführt hat und was die Motive für die Entführung sind, berichtet die Organisation. Der 33-jährige Niederländer Erkel wurde am 12. August 2002 in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala von drei bewaffneten Unbekannten entführt. Die Menschenrechtsorganisation geht davon aus, dass seine Freilassung nur erreicht werden kann, wenn es dafür einen starken politischen Willen seitens der russischen Behörden gibt.

"Wir haben uns in letzter Zeit mehrmals mit russischen und dagestanischen Verantwortlichen getroffen, die mit diesem Fall betraut sind. Sie haben uns gegenüber bestätigt, dass Arjan Erkel ihren Ermittlungen zufolge am Leben ist. Doch weil sie nicht wissen, wo er sich befindet, können sie seine sichere Freilassung nicht garantieren", sagte Dr. Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen.

Obwohl sie mehrfach um ein Gespräch mit Vertretern des Büros von Präsident Putin gebeten habe, sei der Organisation dieses Treffen bislang verweigert worden.

"Bis Arjan Erkel frei ist, fällt es schwer zu glauben, dass es seitens des Kremls ein wirkliches Interesse an humanitärer Hilfe im Nordkaukasus gibt", sagte Rostrup. Arjan Erkel sei der einzige ausländische Mitarbeiter einer humanitären Organisation, der zurzeit im Kaukasus entführt ist. Jedoch erhielten humanitäre Organisationen seit Monaten Drohungen. Darüber hinaus sei es wiederholt zu Entführungen gekommen. Allein im Jahr 2002 seien mindestens vier Helfer entführt worden.

"Entführungen von Zivilisten, einschließlich humanitärer Helfer, sind furchtbare Verbrechen", sagte Rostrup. Sie gefährdeten nicht nur das Leben und die psychische Gesundheit der Helfer, die Opfern von bewaffneten Konflikten zur Seite stehen wollten. Die Angst vor weiteren Übergriffen beeinträchtige außerdem die Aktivitäten von Hilfsorganisationen in einem beträchtlichen Maße.

Am 12-05-2003

EU-Russland-Gipfel

Anlässlich des EU-Russland-Gipfels in Rom fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen den EU-Präsidenten Berlusconi auf, sich beim russischen Präsidenten Putin für die Freilassung ihres Mitarbeiters Arjan Erkel einzusetzen. Der Niederländer wurde am 12. August 2002 in der russischen Republik Dagestan entführt. Es sei unerträglich, dass Arjan Erkel als Bürger der Europäischen Union seit 14 Monaten in Gefangenschaft ist. Seit der Entführung habe das Europäische Parlament Russland zweimal dazu aufgefordert, sich stärker für die Suche und Freilassung von Arjan Erkel zu engagieren. Nach einer ersten Resolution im Januar 2003 habe das Europäische Parlament den Fall Erkel in einer Plenarversammlung am 3. Juli dieses Jahres erneut aufgegriffen.

"Wir fordern alle EU-Mitglieder und insbesondere den EU-Präsidenten Silvio Berlusconi dringend auf, den russischen Präsidenten Vladimir Putin an seine Verantwortung für die Freilassung Arjan Erkels zu erinnern", sagte Morten Rostrup, internationaler Präsident der Menschenrechtsorganisation.

Ende Juli 2003 hatte die Organisation nach eigenen Angaben ein Lebenszeichen von Arjan Erkel erhalten. Dies bestätigte auch der russische Außenminister Igor Ivanov anlässlich eines offiziellen Besuchs am 13. Oktober in der Schweiz. Ivanov habe betont, Russland würde alles in seiner Macht stehende unternehmen, um die Freilassung von Arjan Erkel zu erwirken. Trotz dieser Zusage bleibe der Fall nach wie vor ungelöst.

Im August 2003 wurde im UN-Sicherheitsrat die Resolution 1502 über die Sicherheit von Mitarbeitern humanitärer Organisationen einstimmig verabschiedet. Darin wird an die Verantwortung der Gastländer erinnert.

Arjan Erkel sei heute der einzige ausländische Mitarbeiter einer humanitären Organisation, der im Kaukasus gefangen ist. Seit über zehn Jahren ist die Region Schauplatz ständiger Konflikte. Doch die unsichere Lage erlaube es humanitären Organisationen nicht mehr, wirkungsvolle Hilfe für Tausende von Not leidenden Menschen zu leisten.

Am 05-11-2003

Afrika

Während des laufenden Friedensprozesses im Ostkongo erhalten rückkehrende Flüchtlinge von der Deutschen Welthungerhilfe Unterstützung beim Wiederaufbau der Infrastruktur und bei der Wiederbelebung der landwirtschaftlichen Produktion. Im vergangenen Jahr war vor allem die Provinz Ituri infolge blutiger Massaker in die Schlagzeilen geraten. "Jetzt muss die Interimsregierung unter Präsident Kabila ihre Friedensbemühungen massiv verstärken und für diese Region tragfähige politische Lösungen finden ", betont Marcus Sack, Projektleiter der Welthungerhilfe in Bunia. Kabila trifft heute im Rahmen seiner ersten Europareise in Berlin ein. Bei der deutschen Regierung ersucht er vor allem um Hilfe für die Ausbildung von Polizei und Militär sowie Experten für die im nächsten Jahr vorgesehenen Wahlen.

Trotz des anhaltenden Friedensprozesses in der Demokratischen Republik Kongo (DRC), den WORLD VISION begrüßt, steuert das Land auf eine humanitäre Katastrophe zu. "Schätzungsweise vier Millionen Binnenflüchtlinge sind derzeit unterwegs. Von Seiten der Regierung gibt es kaum sichtbare Bemühungen, die Menschen wieder an ihren Heimatorten anzusiedeln", sagt WORLD VISION-Pressereferent Sönke C. Weiss, der gerade aus dem Kongo zurückgekehrt ist.

In den Grenzregionen zu Angola, im Westen des Landes, und nahe Sambia, im Südosten, sei die Lage besonders gravierend. "Tausende von Menschen, vor allem Kinder, leiden unter Mangelernährung, Malaria, Durchfallerkrankungen und Blutarmut, hervorgerufen durch Vitamin- und Mineralmangel. Es gibt kaum Medikamente; fast alle Hilfswerke haben die Regionen verlassen", sagt Weiss. Kein Tag sei vergangen, an dem er nicht Zeuge von Kindstod und Beerdigungen geworden sei.

Gemeinsam mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und dem Welternährungsprogramm (WFP) versucht WORLD VISION die Situation unter Kontrolle zu halten, was zunehmend schwieriger wird, da mehr und mehr Flüchtlinge aus Angola und Sambia zurückkehren. Durch die Verteilung von Saatgut und Werkzeugen will WORLD VISION den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geben. "Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und andauernder Regenfälle gestaltet sich dies aber als schwierig", sagt Weiss.

Ein ebenfalls immer größer werdendes Problem sei die Zahl der Aidskranken. "Nach Schätzungen der Vereinten Nationen ist die Infektionsrate in den zurückliegenden drei Jahren von 5 auf 10 Prozent gestiegen", berichtet Weiss. Ursache sei die Völkerwanderung innerhalb der DRC sowie die Rückkehr von Flüchtlingen aus Ländern mit einer bereits hohen Infektionsrate wie Sambia (30 Prozent). Weiss: "In den kommenden Monaten und Jahren wird sich HIV/Aids, wenn wir nicht gemeinsam handeln, wie ein Lauffeuer ausbreiten."

WORLD VISION arbeitet seit 1984 in der DRC. Die Projektgebiete liegen im Nord- und Südosten wie im Westen des Landes und nahe der Hauptstadt Kinshasa. Das Hilfswerk kooperiert mit den Kirchen des Landes sowie örtlichen Verbänden. Gelder für humanitäre Hilfsprogramme und langfristige Entwicklungsprogramme kommen von UN-Organisationen wie UNHCR, UNICEF, WFP und FAO sowie der Europäischen Union (ECHO) und der deutschen, holländischen wie irischen Regierung.

Die Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Volksgruppen haben allein in der rohstoffreichen Provinz Ituri seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1997 rund 50.000 Opfer gefordert. Im vergangenen Jahr unterstützte die Welthungerhilfe dort 100.000 Familien auf der Flucht mit Nahrungsmitteln. Inzwischen erhalten Rückkehrer in Krisengebiete, die mit Hilfe der UN-Blauhelme vorläufig befriedet werden konnten, landwirtschaftliche Beratung und Saatgut.

Für den Wiederaufbau wichtiger lokaler Infrastruktur wie Straßen, Brunnen oder Schulen werden Teams gebildet, die aus Mitgliedern ehemals verfeindeter Ethnien zusammengesetzt sind. Wie bisherige Erfahrungen zeigen, werden Versöhnungsinitiativen lokaler Friedensgruppen dadurch verstärkt. Seit 1997 arbeitet die Deutsche Welthungerhilfe in der Demokratischen Republik Kongo. In den beiden Krisenregionen Nord-Kivu und Ituri führte sie bisher Projekte im Umfang von rund 20 Millionen Euro mit finanzieller Unterstützung von EU, ECHO und USAID durch.

Am 06-02-2004

Afrika

Die Deutsche Welthungerhilfe hat vor einem Wiederausbruch des Bürgerkriegs im Ostkongo gewarnt. In der rohstoffreichen ostkongolesischen Provinz Ituri sei die Situation extrem gespannt, so Marcus Sack, Projektleiter der Welthungerhilfe in der Provinzhauptstadt Bunia. Während es in der Provinz zu gelegentlichen Kämpfen zwischen verfeindeten Gruppen komme, seien in Bunia bereits Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung an der Tagesordnung, so Sack. Für viele Menschen bedeute das Betreten des Marktes schon Lebensgefahr. Sollte es zu einem erneuten Ausbruch des Bürgerkrieges kommen, so könne dies die Spaltung der Provinz Ituri bedeuten.

Die 10.000 Mann starke UN-Eingreiftruppe MONUC sei zwar mit einem robusten Mandat ausgestattet, so die Welthungerhilfe. Doch leide sie bei der Bevölkerung unter mangelnder Glaubwürdigkeit, weil sie in Bunia das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit nicht unterbinde und Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung nicht verhindere. Ohnehin leben 90 Prozent der Bevölkerung der Provinz Ituri in Gebieten, die nicht von MONUC kontrolliert werden; viele von ihnen sind dringend auf Hilfe von außen angewiesen.

Als größte private internationale Hilfsorganisation in der Region wird die Deutsche Welthungerhilfe auch weiterhin die Flüchtlinge in der Provinz unterstützen, unabhängig davon, ob sie in Gebieten leben, die von MONUC kontrolliert werden. Humanitäre Hilfe muss prinzipiell unparteiisch sein; deshalb wird die Welthungerhilfe daran festhalten, Abkommen mit lokalen Führern zu schließen, um so die Bedürftigen auch zu erreichen.

Die Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Volksgruppen haben allein in der Provinz Ituri seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1997 rund 50.000 Opfer gefordert. In den beiden Krisenregionen Nord-Kivu und Ituri führte die Deutsche Welthungerhilfe seit 1997 Projekte, vor allem für Flüchtlinge, im Umfang von rund 20 Millionen Euro mit finanzieller Unterstützung von EU, ECHO und USAID durch.

Am 26-02-2004

Afrika

Die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN ist sehr besorgt über die anhaltende sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo. In einem neuen Bericht dokumentiert die Organisation, welche Folgen Vergewaltigung haben und wie den Frauen geholfen werden kann. Straffreiheit und die schlechte Sicherheitslage führen auch noch ein Jahr nach dem Friedensabkommen dazu, dass sexuelle Gewalt in der D. R. Kongo an der Tagesordnung ist.

In dem Bericht mit dem Titel "I have no joy, no peace of mind" beschreibt ÄRZTE OHNE GRENZEN die medizinischen, psychosozialen und sozioökonomischen Auswirkungen sexueller Gewalt in der D.R. Kongo und zeigt auf, wie Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt werden. Der Bericht basiert auf medizinischen Fakten und Beispielen von Vergewaltigungsopfern, die in einem Gesundheitszentrum in Baraka in der Provinz Süd-Kivu von der Organisation behandelt wurden. Auch in anderen Teilen der D.R. Kongo ist Vergewaltigung ein weit verbreitetes Verbrechen.

Seit August 2003 haben die Teams von ÄRZTE OHNE GRENZEN in der Stadt Baraka mehr als 600 Betroffene sexueller Gewalt behandelt. "Die Straffreiheit der Täter ist inakzeptabel und ein Hauptgrund dafür, dass es so häufig zu sexueller Gewalt kommt", sagte Maria José Mora von ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Die politischen Akteure haben Vergewaltigung zwar öffentlich verurteilt und sich verpflichtet, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Bisher ist es jedoch bei schönen Worten geblieben."

Ein vierjähriges Mädchen ist die jüngste Patientin, die ÄRZTE OHNE GRENZEN nach einer Vergewaltigung behandelt hat. Die älteste Patientin ist eine 70jährige Frau, die vor den Augen ihrer Kinder von drei Männern vergewaltigt wurde. Zu den medizinischen Folgen sexueller Gewalt gehören ein erhöhtes Risiko von HIV/Aids, körperliche Verletzungen und schwerwiegende gynäkologische Komplikationen. Die Frauen leiden unter Ängsten und Albträumen, werden von ihrer Dorfgemeinschaft häufig ausgegrenzt und von ihren Ehemännern verstoßen.

Die zahllosen Betroffenen brauchen nach Ansicht von ÄRZTE OHNE GRENZEN dringend mehr Hilfe. Ebenso wichtig sei ein nationales Protokoll zur angemessenen Behandlung der Opfer sexueller Gewalt. Ihre medizinische Behandlung müsse zudem in den Wiederaufbau der Gesundheitsstrukturen integriert werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Zurzeit laufen medizinische Projekte in acht der zehn Provinzen des Landes und in der Hauptstadt Kinshasa. Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Basisgesundheitsversorgung und Bekämpfung von Epidemien.

Am 05-04-2004

Gewalt gegen Helfer

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat die Beendigung aller Projekte in Afghanistan angekündigt. Mit dieser Entscheidung zieht die Organisation die Konsequenzen aus dem Mord an fünf ihrer Mitarbeiter. Am 2. Juni 2004 wurde ein Fahrzeug der Organisation in einem Hinterhalt in der nordwestlichen Provinz Badghis gezielt angegriffen. Die fünf Mitarbeiter wurden erschossen. Dieser gezielte Mordanschlag sei beispiellos in der Geschichte der Organisation, die seit mehr als 30 Jahren in vielen der gewalttätigsten Konflikte weltweit tätig ist. Obwohl Ärzte ohne Grenzen von Regierungsvertretern glaubwürdige Beweismittel erhalten habe, dass lokale Kommandeure den Angriff ausgeführt haben, seien diese weder verhaftet noch ihre Festnahme öffentlich verlangt worden.

Dies zeige, dass die afghanische Regierung ihrer Verantwortung nicht nachkomme, die Sicherheit von humanitären Helfern im Land zu gewährleisten, so die Kritik. Nach dem Anschlag habe zudem ein Sprecher der Taliban die Verantwortung für die Tat übernommen. Er habe erklärt, dass Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen für amerikanische Interesse arbeiteten und deshalb mit weiteren Angriffen rechnen müssten. Diese Anschuldigung ist nach Angaben der Organisation zufolge falsch und ungerechtfertigt, da die klare Trennung der humanitären Hilfe von politischen Interessen eines der wichtigsten Prinzipien der Organisation sei.

In den vergangenen 24 Jahren habe die Hilfsorganisation in Afghanistan medizinische Hilfe geleistet, unabhängig davon, welche politische Partei oder militärische Gruppierung gerade an der Macht gewesen sei. "Es macht uns wütend und traurig, dass wir die afghanische Bevölkerung nach so vielen Jahren in ihrer Not allein lassen müssen", erklärte Marine Buissonnière, Generalsekretärin von Ärzte ohne Grenzen. "Doch wir können die Sicherheit unserer Kollegen nicht auf's Spiel setzen, wenn Kriegsparteien humanitäre Helfer zur Zielscheibe erklären."

Die Gewalt gegen humanitäre Helfer spiele sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden Instrumentalisierung der Hilfe durch die US-geführte Koalition in Afghanistan ab. So würden die Koalitionsstreitkräfte die Hilfe beständig für ihre militärischen und politischen Ziele missbrauchen und versuchten damit, die "hearts and minds" der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. Dadurch werde humanitäre Hilfe nicht mehr als unparteilich und neutral angesehen. Dies wiederum gefährde die Helfer und die Hilfe selbst.

Am 28-07-2004

Bewaffneter Konflikt

Nach Angaben der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" haben Kämpfe in der Region Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo tausende Menschen in die Flucht getrieben. Dies würde die eigene Arbeit beeinträchtigen. Ein Team der Organisation habe die medizinische Hilfe für Vertriebene aus Sicherheitsgründen einstellen und die Stadt Kayna verlassen müssen. Mitarbeiter der Organisation seien mehrfach gezwungen worden, ihre Fahrzeuge den kämpfenden Truppen zu überlassen, was die Sicherheit der Helfer massiv gefährde. Es sei dringend nötig, dass die humanitäre Hilfe aus dem Konflikt herausgehalten werde, damit sie sich möglichst rasch wieder um Vertriebene und Verletzte kümmern könne.

"Ärzte ohne Grenzen" arbeitet nach eigenen Angaben seit Januar 2004 in der Stadt Kayna und unterstützt die Menschen dort mit medizinischer Hilfe und einem Ernährungsprogramm. Zusätzlich leisteten die Mitarbeiter dort seit vergangenem Sonntag Nothilfe für Vertriebene, die vor Kämpfen aus dem rund 17 Kilometer entfernten Ort Kanyabayonga geflohen waren. Fast die gesamte, 35.000 Menschen zählende Bevölkerung sei in die Flucht getrieben.

Vor dem Rückzug am Mittwoch seien die Mitarbeiter der Organisation mehrfach gezwungen worden, ihre Fahrzeuge kämpfenden Truppen zu überlassen. Die Nutzung der Fahrzeuge der humanitären Organisation durch Kämpfer gefährde allerdings die Unabhängigkeit und Neutralität von "Ärzte ohne Grenzen". Das Vorgehen der Truppen bedrohe massiv die Sicherheit der Helfer und erschwere die Weiterführung der Programme.

Man wolle die Hilfe für die Vertriebenen und Verletzten möglichst schnell und ohne weitere Behinderung wieder aufnehmen, heißt es. Dazu sei es notwendig, dass die verschiedenen bewaffneten Gruppen die Neutralität humanitärer Hilfe respektieren. Die Menschen brauchten medizinische Hilfe, lebenswichtige Güter und Unterkünfte.

Am 17-12-2004

Demokratische Republik Kongo

Seit dem Nachmittag des 2. Juni 2005 hat die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen den Kontakt zu zwei ihrer Mitarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo verloren. Der Franzose und der Kongolese waren mit einem deutlich als Fahrzeug von Ärzte ohne Grenzen gekennzeichneten Auto in der umkämpften Provinz Ituri unterwegs. Zeugen berichten, dass eine Gruppe bewaffneter, bislang unbekannter Männer die beiden Helfer angehalten und anschließend zu Fuß an einen unbekannten Ort gebracht hat.

Die beiden Mitarbeiter waren auf dem Weg zum Vertriebenenlager in Gina (Region Djugu). Gina liegt rund 35 Kilometer nördlich von Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri im Nordosten des Landes. Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Entführung und fordert die bedingungslose und rasche Freilassung der beiden Mitarbeiter. Die unabhängige humanitäre Organisation leistet seit vier Monaten medizinische Nothilfe für Vertriebene in der Region Djugu. Sie appelliert an die Entführer, die Mitarbeiter respektvoll und menschlich zu behandeln.

Die Teams der Hilfsorganisation arbeiten seit Juni 2003 in der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo . Zurzeit sind 37 internationale und mehr als 600 lokale Mitarbeiter im Krankenhaus von Bunia im Einsatz und mit mobilen Kliniken zur medizinischen Hilfe für die Bevölkerung in der Umgebung unterwegs. Sie unterstützen die in der Provinz vertriebenen Menschen, die Opfer der Kämpfe zwischen bewaffneten Milizen sind. Ärzte ohne Grenzen leistet unparteiische Hilfe für die Opfer des Konfliktes, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung.

Am 03-06-2005

Angola

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert von der angolanischen Regierung und anderen internationalen Hilfsorganisationen ein stärkeres Engagement im "Kampf" gegen die Choleraepidemie in Angola. Zehn Wochen nach Ausbruch der Epidemie in der angolanischen Hauptstadt Luanda sei die Zahl der Infizierten auf 20.000 gestiegen. Etwa 900 Menschen seien bereits an der schweren Durchfallerkrankung gestorben. Allein am 25. April habe es 929 neue Krankheitsfälle und 25 Tote gegeben. Die Cholera habe sich bereits in die meisten Landesteile ausgebreitet. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie seien bislang völlig unzureichend.

"Der Ausbruch ist völlig außer Kontrolle", sagt Luis Encinas, Koordinator des Nothilfeeinsatzes. "Die Behörden müssen dringend eine landesweite Strategie entwickeln, die die Epidemie eindämmt. Außerdem muss der Zugang zu Behandlung garantiert, kostenloses sauberes Trinkwasser bereitstellt und die sanitären Einrichtungen verbessert werden. Zudem gilt es, ein verlässliches System zur Sammlung epidemiologischer Daten zu schaffen und die gesundheitlichen Aufklärungskampagnen, insbesondere auf dem Land, stark auszuweiten."

In dieser Woche sahen die Mitarbeiter in den Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen durchschnittlich 30 Neuinfizierte und einen Sterbefall am Tag. Allein in einem der Zentren der Organisation in Luanda seien innerhalb von 24 Stunden 240 neue Patienten eingeliefert worden. Das Team habe zwei neue Zelte errichtet, um die Kapazität der bereits überfüllten Einrichtung zu erhöhen.

Der Choleraausbruch sei der größte in der Hauptstadt seit rund zehn Jahren. In anderen Landesteilen lägen größere Ausbrüche noch länger zurück. Während des Bürgerkrieges, der vor vier Jahren endete, seien die Menschen auch innerhalb des Landes kaum gereist. Deshalb hätte die Krankheit kaum Gelegenheit bekommen, sich außerhalb der Elendsviertel Luandas auszubreiten. Entsprechend gäbe es in der angolanischen Bevölkerung heute wenig Widerstandskraft gegen die Erkrankung. Auch das Wissen darüber, wie man sich vor einer Infektion schützen kann, sei sehr gering.

Am 28-04-2006

Pressemitteilung von Ärzte ohne Grenzen

Nach der Übernahme der Hauptstadt Bangui durch die Oppositionsgruppe Seleka appelliert die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen an alle Akteure des Konflikts, der Bevölkerung nicht nur in der Hauptstadt sondern auch im Rest des Landes Zugang zu medizinischen Einrichtungen zu gewähren. Die medizinische Versorgung muss ermöglicht sowie das medizinische Personal, Büros und Gesundheitseinrichtungen müssen respektiert werden und dürfen nicht Ziel von Angriffen sein.

Zentralafrikanische Republik: Ärzte ohne Grenzen fordert Zugang zu medizinischer Versorgung für Bevölkerung sowie Respekt für medizinische Hilfe

Aufgrund der hohen Gewalt und Unsicherheit in Bangui in den vergangenen 48 Stunden wurde die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen ernsthaft behindert, und Schwerverletzte konnten für Operationen nicht verlegt werden. Seit Seleka die Kontrolle über die Hauptstadt hat, ist Ärzte ohne Grenzen aufgrund der hohen Unsicherheit besorgt, dass alle medizinischen Akteure nicht in der Lage sind, die Bevölkerung in Bangui medizinisch zu versorgen. Derzeit können 23 Verwundete nicht vom Notfall-Projekt der Organisation in Sibut für eine weitere Behandlung nach Bangui verlegt werden. Während viele Menschen zu große Angst haben, in Krankenhäuser zu gehen, verhindern diese Vorfälle auch, dass Ärzte ohne Grenzen den Bedürftigen eine dringende Behandlung bereitstellen kann. Im ganzen Land und in den entscheidenden von Seleka eingenommen Städten, hatten die vom Konflikt Vertriebenen Schwierigkeiten, Gesundheitseinrichtungen zu erreichen.

Ärzte ohne Grenzen ist auch Opfer von weitverbreiteten Plünderungen und Raub in Einrichtungen der Organisation und fordert alle Konfliktparteien auf, medizinische Einrichtungen, Krankenwagen, medizinisches Personal sowie kranke und verwundete Patienten zu respektieren. "Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Plünderungen und Diebstähle, die in unseren Einrichtungen in Bangui und Batangafo stattgefunden haben, und erinnert alle Konfliktparteien, dass medizinisches Personal respektiert und geschützt werden sowie verfügbare Hilfe für die Erfüllung ihrer Aufgaben erhalten soll", sagt Serge St. Louis, Landeskoordinator in Bangui. Sobald die Sicherheitslage es erlaubt, will Ärzte ohne Grenzen die medizinischen Bedürfnisse in Bangui und anderen Städten des Landes evaluieren und auf die medizinischen Bedürfnisse reagieren.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Moment weiterhin in Carnot, Paoua, Mboki, Zemio, Boguila, Batafango, Kabo, Sibut und Ndele. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik seit dem Jahr 1996, und etwa 80 internationale Mitarbeiter arbeiten in fünf der 17 Präfekturen des Landes für die Organisation.

Am 26-03-2013