Digitale Kluft zwischen Frauen und Männern vergrößert sich

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Die Kluft zwischen Männern und Frauen bei der Nutzung des Internets vergrößert sich. Wie eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes emnid zeigt, waren im Jahr 2003 59 Prozent der deutschen Männer, aber nur 42 Prozent der Frauen online. Der Unterschied stieg im Vergleich zum Jahr 2002 von 14 auf 17 Prozentpunkte an, so das Ergebnis der Studie. Die (weibliche) deutsche Bevölkerung im Alter von 50plus findet ihre spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen im Internet bislang noch kaum erfüllt, so die Meinungsforscher. Auch arbeitslose Menschen blieben dem Internet gegenüber skeptisch: 45 Prozent der arbeitslosen Frauen und 36 Prozent der Männer ohne Job sind nicht online.

Einzig in Hessen und Schleswig-Holstein seien mit 48 bzw. 47 Prozent weiblicher Internet-User Verbesserungen im Vergleich zum Durchschnittswert zu vermerken. Im Gegensatz dazu stellten Hamburg und Berlin den höchsten Unterschied bei den Nutungsquoten: In Hamburg, wo 69 Prozent Männer und 41 Prozent Frauen im Netz sind, beträgt er etwa 28 Prozent. Die Nutzungsunterschiede des WWW sind auch generationen- und bildungsspezifisch: So gibt es bei der Generation 60plus mit Abitur bzw. Hochschulabschluss ein gravierendes Gefälle zwischen Frauen (24 Prozent online) und Männern (44 Prozent online).

Bereits 2002 stellte eine Nutzungsstudie des emnid-Institutes fest, dass die größte Gruppe der Nicht-Nutzer des Internet in Deutschland Frauen sind: 7,6 Millionen Pensionistinnen, 3,4 Millionen Hausfrauen und 3,2 Millionen weibliche Angestellte sind nicht online. Als Gründe werden mangelnde Internet-Kenntnisse, zu teurer Netzzugang und die "Alltagsuntauglichkeit" des Internet angegeben.

Auch weltweit gibt es teilweise noch massive geschlechtsspezifische Unterschiede in der Internet-Nutzung von Frauen und Männern. Erst im Januar dieses Jahres ortete eine von der kalifornischen Universität UCLA vorgestellte Studie weltweit acht Prozent mehr männliche Internet-User als Frauen. Besonders deutlich sei die digitale Kluft zwischen den Geschlechtern in den romanischen Ländern.

Der Verein "Frauen geben Technik neue Impulse" schlägt angesichts des geschlechtsspezifischen digital divide Maßahmen vor, die vermehrt Frauen ins Netz locken sollen. So sollten zunächst nach Männern und Frauen getrennte Internet-Studien erstellt und frauenspezifische Zugangsorte geschaffen werden, wo weibliche Userinnen sich treffen und austauschen können. Außerdem sollten bereits funktionierende Infrastrukturen im städtischen und ländlichen Raum für die Internetbildung genutzt und ausgestattet werden.

Die aktuelle Studie des emnid-Marktforschungsinstitutes sieht die größte Gefahr darin, dass selbst ehrgeizige Regierungsprojekte wie das E-Government Gefahr laufen, Gruppen der Gesellschaft auf dem Weg in das Informationszeitalter zurück zu lassen. Lösungsvorschläge wären hier virtuelle Angebote für den konkreten Alltag sowie eine größere Anpassungsfähigkeit der Medien an den Menschen.