Tropenwaldzerstörung gefährdet Affen und andere Arten

Gütesiegel helfen nicht

Die Brauerei Krombacher hat zum 3.Mal ihre Werbekampagne zum Schutz des afrikanischen Regenwaldes in Dzanga-Sangha gestartet. Ein am Dienstag von PRO WILDLIFE veröffentlichter Bericht dokumentiert die verheerenden Folgen des Tropenholzhandels für Primaten. Während v.a. große Affenarten alarmierende Bestandsrückgänge erleiden, werde in der öffentlichen Wahrnehmung Tropenholz wieder enttabuisiert. In der Kritik der Studie stehen dabei auch diverse Ökosiegel, darunter das von der Bundesregierung und einigen Umweltverbänden geförderte FSC-Zertifikat. "Fazit unserer Analyse ist: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann", betont Dr. Sandra Altherr, Autorin der Studie.

Die Münchner Artenschutzorganisation fordert ein Umdenken bei Konsumenten und Regierung. Der PRO WILDLIFE Bericht "Affenschande - Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten" gibt einen Einblick in die nach wie vor zerstörerische Holzwirtschaft in Indonesien , Malaysia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Darüber hinaus werden diverse Ökosiegel und Herstellerangaben zur Herkunft von Tropenhölzern analysiert.

Wichtigste Ergebnisse der Studie sind: Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hochbedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) leiden direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags.

Holzeinschlag und Wilderei sind eng miteinander verflochten: Wilderer nutzen die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgen die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts sind Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch wird mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert.

Bei einer PRO WILDLIFE Umfrage hielten 58,64 Prozent das FSC-Zertifikat für glaubwürdig, 41,35 Prozent die Angabe "Kontrollierter Plantagenanbau". Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni wüssten die Kunden in der Regel nicht, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti würden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte daraus entsprechend unkritisch gekauft.

Plantagen seien keineswegs ökologisch unbedenklich, sondern hätten häufig dramatische Auswirkungen auf die Umwelt: Primärwälder würden eigens für Plantagenanlagen gerodet, Monokulturen laugten die nährstoffarmen Tropenböden aus. Hoher Pestizid-Einsatz belaste das Grundwasser, schnell wachsende tiefwurzelnde Kulturpflanzen (wie z.B. Eukalyptus) senkten den Grundwasserspiegel.

Das von einigen Umweltverbänden und der Bundesregierung unterstützte FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) sei Pro Wildlife zufolge kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder: Holzeinschlag dürfe sogar in Primärwäldern erfolgen, bis zu 30 Prozent des Holzes in einem FSC-Produkt könne aus nicht zertifizierten Quellen stammen, bei Produkten aus Holzfasern und -Chips sogar bis zu 82,5 Prozent. FSC stehe zudem unter Erfolgsdruck, Marktanteile zu gewinnen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Holzfirmen mit illegalen Rodungsaktivitäten das FSC-Zertifikat erhalten.

Deutschland ist mit geplanten 125 Mio. Euro pro Jahr führender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Gelder fließe bislang auch in die Weiterentwicklung des FSC-Siegels sowie in Entwicklungsprojekte in ökologisch hochsensiblen Gebieten. "Damit trägt die Bundesregierung eine ganz besondere Verantwortung, fährt dabei allerdings einen gefährlichen Kurs", so die PRO WILDLIFE-Expertin.