Flüchtlingsschiff darf weiterhin nicht in italienischen Hafen

Festung Europa

Die italienischen Behörden verweigern dem deutschen Hilfs- und Rettungsschiff "Cap Anamur", das 37 afrikanische Schiffbrüchige an Bord hat, weiterhin die Einfahrt in den sizilianischen Hafen Empedocle. Obwohl die "Cap Anamur" auf Anordnung des italienischen Marine-Hauptquartiers nach eigenen Angaben zwei Meilen außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer blieb, berichtet die Organisation von andauernden militärischen Drohgebärden.

Innerhalb von zwölf Stunden seien drei Schiffe der Küstenwache, ein Polizei-Kreuzer, ein Schnellboot und ein Hubschrauber der "Guardia Finanza" und zwei Fregatten der Marine an Operationen unmittelbar um das deutsche Schiff beteiligt gewesen. Die Bitte, den üblichen Sicherheits-Abstand von mindestens einer Meile einzuhalten, sei ignoriert worden.

"Die verschiedenen militärischen und paramilitärischen Einheiten haben offenbar die Absicht uns einzuschüchtern - und den Menschen, die wir aus Lebensgefahr gerettet haben, zusätzliche Angst einzujagen", sagte der Vorsitzende der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, an Bord der "Cap Anamur". "Es ist beschämend anzusehen, mit welchen Mitteln Europa auf die Not von Schiffbrüchigen an seiner Seegrenze reagiert."

Die Organisation hat über das Auswärtige Amt in Berlin offiziell Protest bei der Regierung in Rom eingelegt, weil die italienischen Behörden bisher keine Begründung gegeben hätten, warum sie die Einfahrt in den Hafen Empedocle verweigern. Am Freitagnachmittag wurde eine Delegation mit Abgeordneten des italienischen Parlaments und Vertretern verschiedener Flüchtlingshilfeorganisationen auf der "Cap Anamur" erwartet.