4.500 Klinikärzte im Arbeitskampf

"Rücksichtslose Sparpolitik"

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat die seit Montag stattfindenden Protest- und Streikmaßnahmen in den hessischen, baden-württembergischen und bayerischen Universitätskliniken als Erfolg gewertet. Bisher hätten sich an den bis Freitag andauernden Aktionen rund 4.500 Klinikärzte beteiligt. "Mit den Streiks haben wir den Arbeitgebern und Politikern für Ihre rücksichtslose Sparpolitik zwei blaue Augen verpasst. Bleibt es weiterhin beim tarifpolitischen Raubbau, werden wir die Schlagzahl deutlich erhöhen", erklärte Verbandschef Frank Ulrich Montgomery. Die Streik- und Protestmaßnahmen richten sich gegen die von den Landesregierungen durchgesetzte Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 42 Stunden, gegen die Kürzung des Weihnachtsgeldes und die komplette Streichung des Urlaubsgeldes.

"Mit einem Federstrich stehlen die Politiker uns 15 bis 20 Prozent unseres Einkommens", kritisierte Montgomery. Dies habe das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, da ohnehin die Vergütung deutscher Klinikärzte im internationalen Vergleich schlecht sei. So verdienen nach Angaben des Marburger Bundes französische, englische oder niederländische Kliniker das zwei- bis dreifache.

Montgomery warnte die Arbeitgeber und Politiker vor einem "Ausbluten der Universitätsmedizin" und vor den fatalen Folgen für die Patienten. "Die zunehmende Ärzteflucht aus den Kliniken hat zu einem gefährlichen Ärztemangel geführt", meint die Organisation. Über 5.000 offene Arztstellen könnten aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen mittlerweile nicht mehr besetzt werden. Gleichzeitig arbeiteten rund 6.300 deutsche Krankenhausärzte bereits im Ausland, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ihren Höhepunkt sollen die Streik- und Protestmaßnahmen am Freitag bei einer Großkundgebung des Marburger Bundes in der Bundeshauptstadt Berlin haben.