Explosion und Brand in schwedischem Atomkraftwerk Ringhals

Kühlwasserpumpe versagte

Im südschwedischen Atomkraftwerk Ringhals kam es am 14. November kurz nach Mitternacht in einem Transformator außerhalb des Reaktors 3 zu einem explosionsartigen Brand. Sofort nach der weithin zu hörenden Explosion wurde Großalarm ausgelöst. Nach Beginn des Brandes stieg eine riesige Rauchwolke aus dem Atomkraftwerk auf. Die Sicherheitssysteme mussten das Atomkraftwerk herunterfahren. Nach Angaben der schwedischen Atomaufsicht SKI folgte auf die Turbinenschnellabschaltung eine Reaktorschnellabschaltung. Auch mussten zwei Notstromdiesel starten, um das Atomkraftwerk mit Strom zu versorgen. Laut SKI ist eine für die Kühlung wichtige Pumpe des Meerwasserkühlsystems nicht angesprungen. Weiterhin gab es laut SKI Probleme mit der digitalen Kontrollanzeige der für die Reaktorschnellabschaltung wichtigen Steuerstabposition. Das Feuer konnte offenbar erst nach rund 2 Stunden unter Hinzuziehung der öffentlichen Feuerwehr gelöscht werden. Betreiber des Atomkraftwerks sind die Energiekonzerne Vattenfall und E.On. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW wies unterdessen auf Brand- und Explosionsereignisse in deutschen Atomkraftwerken hin.

Radioaktivität soll nach Angaben des Kraftwerks bei dem Vorfall in Ringhals nicht ausgetreten sein. Die gesamte Kernkraftwerksanlage bleibe allerdings "für mindestens zwei Wochen" abgeschaltet. Die Brandursache wird nach Angaben des Sprechers gegenwärtig noch untersucht. Der durch das Feuer zerstörte Transformator befinde sich außerhalb des Reaktorgebäudes. Er ist einer von vier Transformatoren, die das gesamte Areal mit Strom versorgen.

Das Atomkraftwerk Ringhals ist nach Angaben von Vattenfall der größte Reaktor in Skandinavien. Die Anlage befindet sich an der Südwestküste Schwedens 60 Kilometer südlich von Göteborg, nahe der Grenze zu Dänemark.

Nach Darstellung der Ärzteorganisation IPPNW gehören "Brände und Explosionen zu den gefährlichsten möglichen Auslösern einer Atomkatastrophe". Im März 1994 brannte laut IPPNW im deutschen Atomkraftwerk Biblis A der Motor einer Hauptkühlmittelpumpe in unmittelbarer Nähe des Hauptkühlkreislaufes, weil es aufgrund eines bei Wartungsarbeiten in dem Motor vergessenen Stahlmeißels zu einem Kurzschluss gekommen war. Im deutschen Atomkraftwerk Brunsbüttel sei es am 14. Dezember 2001 sogar zu einer Wasserstoffexplosion gekommen. Dabei wurde eine Rohrleitung auf einer Länge von etwa drei Metern in unmittelbarer Nähe zum Reaktorkern zerfetzt.

Gerade in alten deutschen Atomkraftwerken sei der Brandschutz zum Teil "katastrophal", kritisiert ein Sprecher der Organisation. "Die Sicherheitssysteme sind häufig nur unzulänglich räumlich getrennt, so dass sie bei einem Brand vollständig ausfallen können. Es gibt zum Teil Ölbehälter im Sicherheitsbehälter, so dass es zu großen und schwer löschbaren Bränden kommen kann. Auch sind in Altanlagen noch immer zahlreiche PVC-Kabel verlegt, die leicht entflammbar sind. In den Sicherheitsbehältern aller deutscher Atomkraftwerke gibt es keine automatisierte Brandbekämpfung."

Die Vorkommnisse zeigten, dass es auch in westlichen Ländern jederzeit zum Super-GAU kommen könne. "Diese Technik ist nicht beherrschbar", so die IPPNW. "Wir müssen jetzt in Deutschland zügig die Atomkraftwerke abschalten und aus diesem gefährlichen Abenteuer endlich aussteigen. Schon morgen kann es in Europa zu einem zweiten Tschernobyl kommen."

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte von der Bundesregierung Konsequenzen. Die alten deutschen Atomkraftwerke müssten sofort vom Netz genommen und alle weiteren so schnell wie technisch möglich abgeschaltet werden.

Störfall im Atomkraftwerk Forsmark

Erst am 25. Juli kam es im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 beinahe zu einem Unfall gekommen. Ein Lichtbogen und ein Kurzschluss außerhalb des Vattenfall-Atomkraftwerks hatte dazu geführt, dass es zu einer Trennung des Kraftwerks vom Stromnetz kam. Danach kam es zum Versagen der Stromversorgung des Atomkraftwerks durch den kraftwerks-eigenen Generator.

Damit war "der gefürchtete Notstromfall" eingetreten, so dass die Stromversorgung der wichtigsten Sicherheitssysteme durch die Notstromdiesel-Aggregate hätten gewährleistet werden müssen. Zwei Dieselaggregate waren allerdings nicht automatisch angesprungen, da es in der Kraftwerkssteuerung zu so genannten Überspannungen gekommen war. Lars-Olov Höglund, der als langjähriger Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall-Konzerns für deren Atomkraftwerk in Forsmark zuständig war und den Reaktor gut kennt, kommentierte: "Es war ein reiner Zufall, dass es zu keiner Kernschmelze kam." Wäre der Reaktor nur sieben Minuten länger nicht unter Kontrolle gewesen, wäre die Katastrophe laut Höglund nicht mehr aufzuhalten gewesen.