Buch über Zwangsarbeit in der katholischen Kirche erschienen

6000 Zwangsarbeiter

Die Geschichte der Zwangsarbeit in der katholischen Kirche während der NS-Zeit ist nun in Buchform dokumentiert. Der 703 Seiten dicke Band mit dem Titel "Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939-1945" wurde am 8. April in Mainz vorgestellt und fasst die Ergebnisse einer sieben Jahre währenden Recherche kirchlicher Stellen zusammen. Der Band dürfe aber nicht "im Sinne einer Schlussbilanz" verstanden werden, sagte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann bei der Vorstellung. Vielmehr sei die Dokumentation "ein weiterer wichtiger Baustein" auf dem Weg der Versöhnung.

Die Tatsache der Zwangsarbeit bleibe "eine historische Last, die unsere Kirche auch für die Zukunft herausfordert", sagte Lehmann. Zugleich räumte der Kardinal ein, die Erinnerung der Kirche sei "allzu lange blind" für das Schicksal dieser Menschen gewesen.

Dass die katholische Kirche während der NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigt hatte, war erst im Jahr 2000 ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Im August 2000 beschloss die Bischofskonferenz, sich nicht am Entschädigungsfonds der Bundesregierung zu beteiligen, sondern zwei eigene Fonds für Entschädigung und Versöhnungsarbeit in Höhe von damals je fünf Millionen D-Mark einzurichten. Im November 2000 wurden die ersten Entschädigungen ausgezahlt.

Zwischen 1939 und 1945 arbeiteten offenbar nachweislich fast 6000 Zwangsarbeiter, 4829 zivile Zivilarbeiter und 1075 Kriegsgefangene, in Einrichtungen der katholischen Kirche. Insgesamt wurden 587 Fremdarbeiter mit 1,5 Millionen Euro entschädigt. Aus dem Versöhnungsfonds wurden 206 Projekte mit 2,71 Millionen Euro gefördert.