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Neuer Fleischskandal von unbekanntem Unfang

Würzburger Betrieb spricht von "Versehen"

Der Umfang des jüngsten Lebensmittelskandals in Bayern ist noch völlig offen. Andreas Rossa von der zuständigen Staatsanwaltschaft Memmingen wollte sich am 17. April in Würzburg nicht zu der Frage äußern, wie lange die Fälle zurückreichen. Auch zum Umfang des illegalen Handels mit Tierhäuten wollte er keine Angaben machen. Die Würzburger Metzgergenossenschaft Evgedem, die nicht zum Verzehr geeignete Rinderhäute als lebensmittelfähiges Material verkauft hatte, begründete den Fleischskandal mit einem Versehen.

Rossa sagte, bei dem Betrieb habe man Unterlagen bis zum Jahr 2006 sichergestellt. Gerüchte, dass etwa 180 Häute als lebensmittelfähiges Material geliefert wurden, bestätigte er nicht. "Wir sind momentan dabei, die Wege der einzelnen Häute zu rekonstruieren." Es werde auch geprüft, ob und falls ja in welche weiteren Betriebe das Material vom ursprünglichen Abnehmer in Baden-Württemberg aus verkauft wurde.

Die Ermittlungen richten sich laut Rossa nicht nur gegen Evgedem, sondern auch den Abnehmer. Dorthin waren im Gegensatz zu früheren Lieferungen mit nicht zum Verzehr zugelassenem, sogenannten K3-Material erstmals lebensmittelfähige Häute geliefert worden. "Das fällt natürlich auf", kommentierte Rossa.

Evgedem-Aufsichtsratschef Horst Schömig gab zu, dass Rinderhäute von einem Mitarbeiter zur Herstellung von Speisegelatine verkauft wurden, jedoch "nicht mit Schädigungsabsicht oder mit dem Vorsatz der Bereicherung". Der Mann habe lediglich "aus Unkenntnis" einen Fehler gemacht. "Wir sind seit über 110 Jahren am Markt und haben immer ordentlich gearbeitet. Durch so einen Fehler in Verruf zu geraten, ist ein Super-Gau", sagte Schömig. Er sei sicher, dass durch das falsche Deklarieren niemand geschädigt worden sei.

Evgedem hatte erst zu Jahresbeginn seine Deklarationsbestimmungen geändert. Nur deswegen hatten die Lebensmittelüberwacher der Stadt Würzburg den Fall bei einer Routinekontrolle entdeckt.

Auch der Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, betonte, eine Gefährdung der Öffentlichkeit sei "nahezu sicher" auszuschließen. Die Produktion von Gelatine unterliege strengen Sicherheitsvorkehrungen. Zudem sei nicht klar, ob die Häute tatsächlich in die Gelatine-Produktion gelangt sind. Laut dem Leiter des Würzburger Veterinäramtes, Winfried Ückert, gab es bisher bei der Firma nur "marginale Beanstandungen".

Von dem Vorgang ist nach Angaben von Horst Schömig ausschließlich die Verwertungsabteilung der Genossenschaft betroffen und nicht der Handel, bei dem über 500 unterfränkische Metzger Fleisch- und Wurstwaren beziehen. Die Sparte mache einen Umsatzanteil von höchstens zehn Prozent aus. Die Verwertungsabteilung darf bis auf weiteres keine Fleischabfälle entgegennehmen, lagern oder handeln. Gegen diese Entscheidung des Veterinäramtes Würzburg will der Betrieb nun klagen. "Wir glauben, dass es etliche Verfahrensfehler gab", sagte Schömig.