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Marschieren gegen das Militär

Tausende Teilnehmer der Ostermärsche wollen die NATO "abwracken"

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Auch eine Woche nach dem NATO-Gipfel wollen Friedensaktivisten ihren Protest gegen das Militärbündnis aufrecht erhalten. Bei den Ostermärschen in mehr als 70 deutschen Städten rechnen die Organisatoren bundesweit mit mehreren tausend Teilnehmern. Allein im brandenburgischen Fretzdorf werden am Ostersonntag rund 5000 Menschen erwartet, um gegen die geplante Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide als Bombenabwurfplatz der Bundeswehr ("Bombodrom") zu demonstrieren. Eine Friedens-Mahnwache in Erfurt sollte am Gründonnerstag den Auftakt zu den Ostermärschen an den Feiertagen bilden.


Ein vorverlegter Ostermarsch hatte bereits zum NATO-Gipfel Anfang April mit rund 7000 Teilnehmern in Kehl (Baden-Württemberg) stattgefunden. Die Ablehnung des transatlantischen Militärbündnisses bleibt auch bei den regulären Ostermärschen das beherrschende Thema. Der Sprecher der Informationsstelle Ostermarsch und Fraktionschef der Linken im hessischen Landtag, Willi van Ooyen, sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp, die NATO sei ein globales "Interventions- und Kriegsbündnis", das abgeschafft werden müsse.

Ein weiteres, jahrzehntealtes Anliegen der Friedensbewegung sieht van Ooyen durch die jüngste Rede des US-Präsidenten Barack Obama in Prag bestärkt: das Ziel einer atomwaffenfreien Welt. Diese "Vision solle als positives Signal genutzt werden, betonte van Ooyen. Starke Kritik gebe es trotz Obamas Worten jedoch an der Militärpolitik der USA, sagte der Friedensaktivist.

So ist die Lage in Afghanistan ebenfalls ein zentrales Anliegen vieler Ostermärsche. Der dreitägige Ostermarsch im Ruhrgebiet, der unter anderem Fahrradtouren und Motorrad-Friedensfahrten umfasst, steht beispielsweise unter dem Motto "Nein zum Krieg - Nein zur NATO! Atomwaffen abschaffen, Afghanistankrieg beenden!".

An einigen Orten richten sich die Proteste der Ostermarsch-Teilnehmer besonders gegen regionale Anliegen. Die Pläne der Bundeswehr für Bombenabwürfe auf dem "Bombodrom" genannten Truppenübungsplatz in der nördlichen Brandenburger Heide bringen nach Erfahrungen der Organisatoren jedes Jahr rund 5000 Menschen zu Demonstrationen auf die Straße. Auch in Sachsen-Anhalt steht am Ostermontag die zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide im Fokus der Demonstranten. Das Motto ihres Protestes lautet: "Prämien für den Frieden - NATO abwracken!"

Von Ooyen betonte, dass in diesem Jahr viele Gewerkschafter bei den Kundgebungen auftreten wollen. Durch die gegenwärtige Krise erlebe die Losung der Friedensbewegung "Abrüstung statt Sozialabbau" eine neue Aktualität. "Es ist einfacher, die Rüstungspolitik zu verändern, als Opel zu verkaufen", sagte van Ooyen. Die Produktion von Waffen solle umgestellt werden, um statt Kriegsgerät etwas "Sinnvolles" herzustellen, forderte er.

Zeitlicher Schwerpunkt der Ostermärsche ist der Ostermontag. Im ganzen Bundesgebiet finden von Donnerstag an Kundgebungen, Demonstrationen und weitere Aktionen wie Fahrradtouren statt. Die Tradition der Ostermärsche entstand in den 50er Jahren in Großbritannien, der erste Ostermarsch in Deutschland fand 1960 statt.

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