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Kolumbien: Paramilitärs bedrohen Friedensgemeinde

San José de Apartadó

Die Bedrohung der kolumbianischen Friedensgemeinde San José de Apartadó, das sich vor 15 Jahren für einen gewaltfreien Weg abseits von Regierungstrupen und Guerilla entschieden hatte, hat in den letzten Wochen drastisch zugenommen.

Am 4. Februar war Jesús Emilio Tuberquia, der Repräsentant der Friedensgemeinde nördlich des Dorfes von zwei Paramilitärs auf einem Motorrad beschossen worden, nur hundert Meter von einem Polizeiposten entfernt. Zwei Tage zuvor hatten Soldaten ein Getreidefeld der Friedensgemeinde im Gebiet von Mulatos zerstört. Dort hatten bereits am 28. Januar waren Angehörige der kolumbianischen Armee damit gedroht, die Gemeinde „auszurotten“. Zwischen am 24. und 27. Januar waren Paramilitärs in den kleinen Dörfern von El Porvenir und La Esperanza aufgetaucht, die den Mitgliedern der Friedensgemeinde drohten, ihr Vieh wegnehmen, sie zu töten und die Friedensgemeinde „auszurotten“. Im vergangenen Dezember hatten Paramilitärs drei Bauern der Friedensgemeinde getötet.

Wie der kolumbianische Abgeordnete Ivan Cepeda erklärte, solle die Friedensgemeinde mit Gewalt von ihrem Territorium vertrieben werden, schließlich gebe es enorme Interesse an den Ländereien auf der Suche nach Rohstoffen wie Erdöl und Kohle. Außerdem sei das Gebiet sehr wichtig für den Bau des Staudamms Urrá II, der in der Nähe geplant ist.

Schon Wochen zuvor beklagte sich die Gemeinde bei den kolumbianischen Behörden, dass 200 Paramilitärs in ihr Gebiet eingedrungen seien. Die bewaffneten Männer hätten 50 Personen für mehrere Stunden festgehalten und gedroht, sich die Ländereien der Einwohner "mit oder ohne deren Einverständnis" anzueignen, hieß es von Seiten der Gemeinde.

Ende Januar hat ein Gericht im Department Antioquia sechs ehemalige Paramilitärs der ultrarechten Vereinigten Bürgerwehren Kolumbiens AUC (Autodefensas Unidas de Colombia) wegen ihrer Beteiligung am Massaker in San José de Apartadó zu Haftstrafen von je 20 Jahren verurteilt. Das im nordwestlichen Department Antioquia gelegene Dorf San Jose de Apartadó hatte sich im Jahr 1997 zum Friedensdorf erklärt und zum Verzicht auf Gewalt und jegliche Kooperation mit bewaffneten Konfliktparteien verpflichtet. Dennoch sind seitdem mindestens 210 DorfbewohnerInnen von Rebellen, Paramilitärs oder Soldaten ermordet worden.

Ende Januar hat ein Gericht im Department Antioquia sechs ehemalige Paramilitärs der ultrarechten Vereinigten Bürgerwehren Kolumbiens AUC (Autodefensas Unidas de Colombia) wegen ihrer Beteiligung an einem Massaker in San José de Apartadó zu Haftstrafen von je 20 Jahren verurteilt. Die Friedensgemeinde San José de Apartadó erhielt 2007 den Aachener Friedenspreis. Im Anschluss an die Preisverleihung gelang es Vertretern der Friedensgemeinde in Brüssel einen direkten Kontakt zur Delegation der EU-Kommission in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Danach kehrte vorübergehend relative Ruhe ein.

Otmar Steinbicker, www.aixpaix.de