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Tabakindustrie versucht Abgeordnete noch umzustimmen

Nichtraucherschutzgesetz

Die Lobby der Tabakindustrie ist nach wie vor gewaltig: Für Imagepflege, Marketing und Sponsoring geben die deutschen Zigarettenhersteller im Jahr 600 Millionen Mark aus, wie Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp sagte. Jede Bundestagspartei mit Ausnahme der PDS sei bereits in den Genuss "qualmender Sponsoren" gekommen. Selbst auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen 1998 in Leipzig sei die Presse-Lounge von Zigarettenproduzenten bestückt worden. Das I-Tüpfelchen in Sachen Marketing hat jetzt Philip Morris gesetzt. Der Tabakkonzern lädt die Bundestagstagsabgeordneten am Mittwoch - einen Tag vor der Abstimmung im Bundestag zur Regelung des Nichtraucherschutzes - in das Restaurant in der Reichstagskuppel ein, wie Pötschke-Langer sagte.

Es sei ein Skandal, wie die Zigarettenhersteller bis zur letzten Minute versuchen, die Volksvertreter zu beeinflussen.

Nach Ansicht der Medizinerin ist es ungeheuerlich, dass Nichtraucher - die mit zwei Dritteln eindeutig in der Mehrheit sind - bisher ihr Recht auf saubere Luft am Arbeitsplatz einklagen müssen. Zumal der Tabakrauch am Arbeitsplatz zur Kategorie krebserzeugender Arbeitsstoffe mit der höchsten Gefahrenstufe gehöre. In deutschen Betrieben arbeiteten rund drei Millionen Menschen in Räumen, in denen regelmäßig geraucht werde. Damit seien bei weitem mehr Arbeitnehmer dem Tabakrauch ausgesetzt als allen übrigen krebserregenden Arbeitsstoffen zusammen.

Die rechtsverbindliche Regelung zum Schutz der Nichtraucher mit der jetzt anstehenden Präzisierung der Arbeitsstättenverordnung sei längst überfällig, betonte Pötschke-Langer. Zumal Rauchverbote am Arbeitsplatz in anderen europäischen Ländern eine hohe Akzeptanz fänden und in der Regel sogar das Betriebsklima verbesserten, weil die sonst entstehenden Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern ausblieben. Gegenteilige Darstellungen seien zumeist Legenden der Tabakindustrie.

In Deutschland hat sich der Expertin zufolge gezeigt, dass strikte Rauchverbote wie in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in anderen öffentlichen Räumen etwas bringen. Dagegen seien Toleranzmodelle immer wieder gescheitert. Es sei unrealistisch anzunehmen, das sich Raucher rücksichtsvoll verhalten würden. Deutschland sei ohnehin "äußerst raucherfreundlich". Nirgendwo auf der Welt gebe es eine derartige Dichte an Zigaretten-Automaten wie in der Bundesrepublik, kritisierte Pötschke-Langer. "Kein anderes Produkt kann man Tag und Nacht an jeder Ecke kaufen." Ein Wahnsinn, wenn man bedenke, dass täglich 300 Menschen in Deutschland an den Folgen des Tabakqualms sterben. "Damit fällt jeden Tag ein Jumbo-Jet vom Himmel."

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