20 Jahre IPPNW

Rau würdigt Verdienste der Ärzte gegen Atomkrieg

Mit einem Festakt haben die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) am Donnerstag in Berlin den 20. Jahrestag ihrer Gründung begangen. Bundespräsident Johannes Rau würdigte in seiner Festrede im Konzerthaus am Gendarmenmarkt die Verdienste der Organisation bei der Unterstützung von Menschen, die unter Krieg, Diktatur und Folter leiden. IPPNW stehe auch für "Ärzte in sozialer Verantwortung". Organisationen wie die IPPNW würden gerade dort gebraucht, wo die Politik an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gerate. Sie führten den Dialog mit allen Seiten - neutral, aber nicht unpolitisch. "Ihre Vereinigung erinnert die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft daran, dass es nicht reicht, den Frieden zu fordern", sagte Rau.

Moderne Sicherheitspolitik müsse auch präventive Strategien entwickeln, betonte Rau weiter. Er warnte dabei vor neuen Sicherheitsrisiken. Werde ihnen nicht vorgebeugt, bauten sich immer wieder Spannungen auf, die sich schließlich mit Waffengewalt entladen. Krisen vorzubeugen und Konflikte zu dämpfen, müsse im Zentrum aller politischen Anstrengungen stehen, mahnte das Staatsoberhaupt.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Rau zufolge die Koordinaten der Sicherheitspolitik grundlegend geändert. "Wir müssen Sicherheit heute umfassender begreifen und gestalten, als wir das früher getan haben", sagte er. Dazu müssten frühzeitig Entwicklungen erkannt werden, die destabilisierend wirken können. Dazu gehörten das Bevölkerungswachstum in den Ländern des Südens und die Flucht vor Armut, Elend, Umweltkatastrophen und politischer Verfolgung, aber auch religiöser Fundamentalismus. "All das sind Risiken, die nicht an nationalen Grenzen halt machen", warnte Rau.

Ein Jahrzehnt nach Ende der Blockkonfrontation ist es nach Ansicht Raus schlecht bestellt um Rüstungskontrolle und Abrüstung. "Wir müssen dringend bei der Rüstungskontrolle und bei der Abrüstung von Massenvernichtungswaffen weiterkommen", mahnte er. Der Vertrag über den weltweiten Stopp von Atomtests konnte noch immer nicht in Kraft treten, weil eine Reihe von Staaten ihn noch nicht ratifiziert haben. Trotz einiger Erfolge seien weitere Abrüstungsschritte notwendig. Das große Ziel müsse eine Welt ohne Massenvernichtungswaffen sein.

Die internationale Organisation IPPNW wurde 1980 in Zeiten des Kalten Krieges von einem russischen und einem amerikanischen Kardiologen zur Verhinderung eines Atomkrieges gegründet. Im Frühjahr 1982 wurde die deutsche Sektion ins Leben gerufen. Sie hat heute 8000 Mitglieder und ist nach eigenen Angaben die größte berufsbezogene Friedensorganisation in Deutschland.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!