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Kinderärzte fordern schnelles Handeln wegen Kinderkrebs um Atomkraftwerke

Entschädigung für Familien

Wenige Tage vor dem 22. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Ärzteorganisation IPPNW und eine Initiative von über 100 Kinderärzten in einem dringenden Appell an die Bundesregierung Sofortmaßnahmen zur Verhinderung weiterer Kinderkrebserkrankungen im Umfeld deutscher Atomkraftwerke verlangt. Die Ende letzten Jahres veröffentlichte Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz habe belegt, dass es im Umfeld deutscher Atomkraftwerke eine deutlich erhöhte Zahl von Kinderkrebserkrankungen gebe. Die Studie zeige auch, dass die Zahl der Krebserkrankungen mit der Nähe des Wohnortes von Säuglingen und Kindern zum AKW ansteigt. Eine bislang unveröffentlichte Qualitätsprüfung der Mainzer Kinderkrebs-Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) von den Professoren Karl-Heinz Jöckel, Eberhard Greiser und Wolfgang Hoffmann durchgeführt wurde, stütze inzwischen dieses Ergebnis. Das Problem sei jedoch weit dramatischer, als von den Autoren der Kinderkrebsstudie kommuniziert. Fast die Hälfte der Kinderkrebserkrankungen im Umkreis von fünf Kilometern um ein Atomkraftwerk gehe darauf zurück, dass sie in der Nähe des Atomkraftwerks aufwuchsen. Im Zeitraum von 1980 bis 2003 erkrankten in Deutschland demnach zwischen 121 und 275 Säuglinge und Kleinkinder zusätzlich an Krebs. Die Autoren der Studie hatten dagegen von höchstens 29 zusätzlichen Fällen gesprochen.

Die Qualitätsprüfung bewerte außerdem den kausalen Zusammenhang zwischen der AKW-Strahlung und den Kinderkrebsfällen neu. Ergebnis: Die radioaktiven Emissionen aus den Atomanlagen könnten keineswegs als Erklärung für das erhöhte Krebsrisiko bei Säuglingen und Kleinkindern in ihrer Nähe ausgeschlossen werden. Sie stellten im Gegenteil "die bislang plausibelste Erklärung" dar.

Nach Auffassung der Vorsitzenden der Ärztorganisation IPPNW, Angelika Claußen, darf der Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Kinderkrebsfällen nicht länger geleugnet werden. Die Kinderkrebsstudie habe die Entfernung des Wohnortes der Kinder zum Atomkraftwerk ersatzweise als Bezugsgröße für die anzunehmende radioaktive Belastung angesetzt, um einen Zusammenhang zwischen Erkrankungsrate und Radioaktivität zu überprüfen.

"Berücksichtigt man die wissenschaftlichen Hinweise über die besonders hohe Strahlenempfindlichkeit ungeborenen Lebens, von Säuglingen und Kleinkindern, dann ist dieser Zusammenhang auch strahlenbiologisch einleuchtend", so Claußen. Ernsthafte Hinweise für erhöhte Raten von Krebserkrankungen in der Nähe von Atomkraftwerken gebe es seit über zwanzig Jahren "und seit acht Jahren liegen belastbare Beweise vor", so Claußen. Die Bundesregierung müsse jetzt endlich handeln.

Der Herforder Kinder- und Jugendarzt Winfrid Eisenberg forderte im Namen von mehr als 100 Kinderärzten von der Bundesregierung "eine schnellstmögliche Risikovorsorge. Wir fordern, die bisherigen regierungsamtlichen Annahmen zum Strahlenrisiko und die daraus abgeleiteten Emissionsgrenzwerte für radioaktive Abgaben zu überprüfen", so Eisenberg. Die Emissionsgrenzwerte müssten an den internationalen Forschungsstand angepasst werden. "Ausschlaggebend dabei müssen der Gesundheitsschutz und die Risikovorsorge für jene sein, die am strahlenempfindlichsten sind, also Embryos, Feten, Säuglinge und Kleinkinder." Die heutige Praxis der Emissionsmessungen müsse "durch neutrale Gutachter" überprüft werden. In der Nähe von Atomkraftwerken müssen nach Auffassung der Atomkraftgegner zudem "lückenlose und exakte amtliche Messungen der Radioaktivität durchgeführt werden".

Für den BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger sind die neuen Erkenntnisse "dramatisch". Nicht erst von explodierenden Atomkraftwerken wie im Falle Tschernobyls gingen enorme gesundheitliche und ökologische Risiken aus. "Die Gesundheitsgefährdung im sogenannten Normalbetrieb der Reaktoren ist ein akuter Grund, alle Atomkraftwerke sofort stillzulegen", so Weiger.

Er forderte zudem eine Umkehr der Beweislast. "Solange die Betreiber der Atomkraftwerke nicht ausschließen können, dass ihre Reaktoren für die Kinderkrebsfälle verantwortlich sind, müssen die Atomkraftwerke allein schon deshalb vom Netz genommen werden", fordert der BUND-Vorsitzende. "Und die Stromkonzerne müssen jene Familien finanziell entschädigen, die mit ihren Kinder nicht mehr in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen wollen."

Die Vorsitzende der atomkritische Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen, sagte, mit der Studie des Kinderkrebsregisters habe die These, dass Atomkraftwerke auch im Normalbetrieb krank machten, "höchste wissenschaftliche epidemiologische Weihen erhalten". Sie kritisierte, dass die Autoren dieser Studie jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Kraftwerken und den vermehrten Kinderkrebserkrankungen gesehen hätten.

Der Herforder Kinderarzt Winfrid Eisenberg als Vertreter einer Initiative von mehr 100 Kinderärzten forderte eine Überprüfung und Anpassung der Emissionsgrenzwerte für radioaktive Abgaben. Dabei müsse der Gesundheitsschutz für diejenigen ausschlaggebend sein, die am strahlenempfindlichsten seien, also Embryos, Feten, Säuglinge und Kleinkinder.

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