Bundesverband kämpft für Gleichberechtigung des ältesten Gewerbes

Sex als normale Dienstleistung

Der erste öffentliche Auftritt des "Bundesverbandes Sexuelle Dienstleistungen" sollte eigentlich in einem Berliner Hotel stattfinden. Als man dort allerdings erfuhr, dass es bei dem Termin um die - natürlich medienwirksame - Vorstellung des neu gegründeten Berufsverbandes von Prostituierten und Bordellinhabern gehen sollte, standen die Räume kurzerhand doch nicht mehr zur Verfügung. Das sei nur ein kleines Beispiel der alltäglichen Diskriminierungen, mit denen ihr Gewerbe noch immer zu kämpfen habe, betont Stephanie Klee, die 1. Vorsitzende des Verbandes am Mittwoch in Berlin.

Umgeben von fünf weiteren Gründungsmitgliedern des Verbandes sitzt sie nun in dem eher alternativen Veranstaltungsforum "BKA Luftschloss" in Berlin. Klee ist Inhaberin der Berliner Agentur "highLights" für Begleitung und Service, und sie geht auch selber anschaffen. Das seit Januar geltende Prostitutionsgesetz sei zwar ein "großer Schritt hin zur Gleichberechtigung". In der Praxis sei man aber "noch lange davon entfernt", dass Bordelle wie andere Gewerbetreibende auch behandelt würden. Das Gesetz sei bei Huren, Callboys und Bordellbetreibern ebenso wenig bekannt wie in der Verwaltung oder bei der Polizei. Außerdem fehlten die erforderlichen Durchführungsverordnungen.

Bei den Banken etwa stehe Prostitution auf einer "Schwarzen Liste", berichtet Klee - mit der Folge, dass für die Eröffnung von bordellartigen Betrieben keine Kredite gewährt würden. Regelmäßige Polizei- und Alkoholkontrollen grenzten an reine Schikane. Im Gewerberecht werde den Inhabern bordellartiger Betriebe von vornherein "persönliche Unzuverlässigkeit" unterstellt. Die Anmeldung beim Gewerbeamt erfolge deshalb oft unter Pseudonym. Bestes Beispiel: Carolina Leppert meldete ihr Domina-Studio in Berlin als "Praxis für Atemtherapie" an. Sie mahnt: "Viele Prostituierte müssen ein Doppelleben führen, jetzt ist es Zeit, dagegen anzugehen."

Der am 25. März gegründete Prostituiertenverband hat sich viel vorgenommen: Auf der politischen Ebene steht zunächst die Akkreditierung beim Bundestag als Berufsverband an, um dann auf die Änderung weiterer Gesetze hinzuwirken. Neben Verbesserungen am Gewerbe- und Steuerrecht strebt der Verband auch Änderungen im Ausländerrecht an: So wird an eine Green Card für Prostituierte gedacht. Ausländische Prostituierte sollen so aus der Illegalität geholt werden.

Auf der gesellschaftlichen Ebene soll - auch durch eine gute Zusammenarbeit mit den Medien - endlich ein "realistisches Bild von Prostitution" geschaffen werden. Der Geschäftsführer des Hamburger Laufhauses "Paradise", Stefan Lindner, erläutert: "Jeder geht in ein Bordell, aber keiner will etwas damit zu tun haben, das stinkt mir." Die Leute aus dem Milieu dürften nicht weiter so schlecht behandelt werden.

Und auch ans Geschäft wird natürlich gedacht: In einem gemeinsamen Internetauftritt soll international Werbung für alle Verbandsmitglieder gemacht werden. Da man laut Klee zudem ständig auf der Suche nach "qualifizierten Mitarbeitern" ist, ist auch ein Infozentrum mit Arbeitsplatzangeboten geplant. Und langfristig will der Verband vielleicht sogar ein Gütesiegel für Bordelle schaffen.