Karitative Verbände sollen Verwertung von Kleiderspenden offenlegen

Altkleidersammlung

Mit Frühlingsbeginn nimmt die Zahl der Altkleidersammlungen wieder deutlich zu. Für die Spenderinnen und Spender der Altkleider wird es in den meisten Fällen nicht möglich sein herauszufinden, wo ihre Altkleider eigentlich landen. Viele Sammler erweckten den Eindruck, es ginge um eine direkte Spende für Bedürftige, doch in der Regel würden die Altkleider nach rein kommerziellen Gesichtspunkten vermarktet. Das entwicklungspolitische Institut SÜDWIND fordert daher gerade von karitativen Altkleidersammlern Transparenz über die Weitervermarktung der Spenden.

Auf vielen Sammelaufrufen und Altkleidercontainern stünden entweder gar keine Adressen oder nur Mobiltelefonnummern, unter denen man die Verantwortlichen erreichen soll. Doch oftmals melde sich niemand. "Selbst wenn sich unter der Nummer jemand meldet, erhält man oft keine umfassende Auskunft. So kann es geschehen, dass ein karitativer Verband, dessen Namen auf den Sammelzettel prangt, bei Nachfragen über den Verbleib der Spenden direkt an eine kommerzielle Altkleiderverwerterfirma weiterverbindet - die die Sammlung durchführt. Dort erhält man dann nur sehr schwammige Auskünfte über den Verbleib der Altkleider", so Friedel Hütz-Adams, der bei SÜDWIND seit zehn Jahren das Thema Altkleider bearbeitet.

Dabei sollten gerade karitative Verbände, die mit ihrem guten Namen um Spenden werben, mittlerweile die Sensibilität des Themas erkannt haben. Sie verkaufen die Altkleider oftmals an den meistbietenden Händler. Nach der Sortierung wird der größte Teil der Altkleider nach rein kommerziellen Gesichtspunkten an den Meistbietenden verkauft. Rund 30 Prozent der deutschen Altkleider landen auf afrikanischen Märkte - und dort wiederum zum größten Teil nicht bei den Bedürftigen, sondern bei den Meistbietenden. Viele karitative Organisationen machen ihren Altkleideraufkäufern keine Auflagen, diese Vermarktung zu ändern. "Dabei", so Hütz-Adams, "belegen viele Studien, dass die momentane Vermarktung die lokale Textil- und Bekleidungsproduktion in vielen afrikanischen Importländern schädigt."

Zudem geschehe der Export der Altkleider zum Teil über undurchsichtige Wege. Nach Aussage von Marktbeteiligten werden deutsche Gesetze (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz) und europäische Gesetze (Bestimmungen des Abfallrechtes) bei einem Teil des Handels ebenso umgangen wie Gesetze in einigen Importländern (Importverbote, Importbeschränkungen, Steuerabgaben, Zölle).

Erst wenige karitative Verbände haben ihre Vermarktungswege transparent gemacht. Bei den kommerziellen Altkleiderhändlern ist in vielen Fällen noch weniger über den Verbleib der Spenden zu erfahren. Um dies zu ändern sollten die Spender die Altkleider nur Organisationen weitergeben, die Auskunft über den Verbleib der Spende geben. Zudem müssten die nach deutschem Recht für die Kontrolle bestehender Abfallgesetze zuständigen Kommunen endlich bestehende Bestimmungen durchsetzen und so Transparenz schaffen.