Delfine im Nordostatlantik vor dem Aussterben

Fischerei

Zerstörerische Fischereipraktiken bringen Delfine im Nordostatlantik an den Rand des Aussterbens. Dies geht aus dem Bericht "The Net Effect" hervor, der von der WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS), für Greenpeace verfasst und am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Mehr als zehntausend Kleinwale verenden nach Angaben der Umweltschutzorganisation jährlich in Fischernetzen in europäischen Gewässern. Besonders betroffen seien der Gemeine Delfin und der Schweinswal aber auch Atlantische Weißseitendelfine, Große Tümmler und Grindwale.

Jeden Winter würden Hunderte toter Delfine und Schweinswale an europäische Strände gespült. Die Fischer, die Speisefische wie Seebarsch, Makrele oder Thunfisch fangen, würden die Säugetier-Kadaver meist verstümmelt zurück ins Meer werfen. Wissenschaftler der Internationalen Walfangkommission schätzten, dass weltweit jährlich 300.000 Wale und Delfine in Fischernetzen sterben.

"Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dürfen nicht länger tatenlos zusehen, sondern müssen umgehend aktiv werden, um das Kleinwalsterben zu beenden.", fordert Ali Ross, Fischereiexpertin der WDCS.

Die EU habe das Problem erkannt, seit Jahren aber keine effektiven Maßnahmen eingeleitet. Eine Initiative der EU-Kommission liege seit Juli 2003 vor. Der darin geplante Einsatz von akustischen Scheuchvorrichtungen (Pingern) müsse überwacht werden. Nur so liessen sich die Wirksamkeit dieser Geräte sowie mögliche schädliche Auswirkungen auf die Tiere feststellen. Auch der von der EU vorgeschlagene Einsatz von Beobachtern an Bord der Fangflotten greife zu kurz, so die Kritik. Die Anzahl der Beobachter, die den Beifang von Walen und Delfinen erfassen sollen, sei zu gering.

Auch die nächste UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) müsse ihren Beitrag leisten, den Beifang zu verringern und Meerestiere zu schützen. Greenpeace fordert die Vertreter der CBD auf, Meeresschutzgebiete einzurichten, in denen sich die Tiere erholen und ungestört vermehren können. Die CBD tagt vom 9.-20. Februar 2004 in Malaysia.