Bundesregierung missachtet Siegel bei Tropenholz-Beschaffung

Weltkonferenz über biologische Vielfalt

Die Umweltorganisation Robin Wood fordert anlässlich der siebten Weltkonferenz über biologische Vielfalt in Malaysia eine konsequente Umstellung der Beschaffungspolitik des Bundes. Die Regierung solle die im Koalitionsvertrag vereinbarten Schritte zum Schutz der Wälder nun in die Tat umsetzen. Die Vereinbarung zwischen SPD und Grünen sieht unter anderem vor, dass die Bundesregierung bei ihrer eigenen Beschaffung Tropenholz nur dann berücksichtigt, wenn es das FSC-Siegel trägt. Die Realisierung dieses überschaubaren Vorhabens stehe immer noch aus, so die Kritik.

"Eine Beschaffungspolitik, die Raubau-Tropenholz ausschließt, ist ein erster, schnell umzusetzender Beitrag der Regierung zum Erhalt der Artenvielfalt auf dieser Welt. Außerdem wäre dies richtungsweisend für Länder, Kommunen und Privatwirtschaft hierzulande sowie für andere EU-Staaten", sagt Robin Wood-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt.

Im vergangenen Jahr hätten sowohl Umweltminister Trittin als auch Verbraucherschutzminsterin Künast die deutsche Bevölkerung in Pressemitteilungen und offenen Briefen aufgefordert, beim Einkauf auf das FSC-Siegel zu achten. "Es ist scheinheilig", so Gerhardt, "wenn die Bundesregierung den VerbraucherInnen Ökokriterien ans Herz legt, die sie selbst bei ihrer eigenen Beschaffung nicht berücksichtigt."

Ein Grund für die Inkonsequenz: Die Bundesregierung sei vor der Lobby der malaysischen Tropenholzindustrie eingeknickt. Die bewerbe in Europa gerade ihr eigenes Siegel MTCC (Malaysian Timber Certification Council). Alle VertreterInnen der indigenden Bevölkerung seien aber schon längst aus dem MTCC-Prozess ausgestiegen und lehnen dieses Zertifikat ab, weil ihre Landrechte bei der Vergabe nicht berücksichtigt worden seien, so die Umweltschützer. Von der Industrie vergebene Siegel lieferten keine Gewähr für eine sozial und ökologisch akzeptable Waldwirtschaft.