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"Grünes Band" entlang deutsch-deutscher Grenze droht zu scheitern

Für Naturschutz extrem wertvoll

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht das "Grüne Band" entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenzlinie in Gefahr. Obwohl die Bundesregierung bereits vor einem Jahr die kostenlose Übergabe von rund 10.000 Hektar Fläche an die Länder zugesagt habe, sei bislang nichts geschehen, beklagte Thüringens BUND-Chef Burkhard Vogel am Donnerstag in Erfurt. Bundesregierung und Ländern warf Vogel eine "andauernde Blockade" vor. Bis auf Thüringen und Niedersachsen seien die neun betroffenen Länder bislang nicht auf das Angebot eingegangen. Das Bundesfinanzministerium wiederum erwäge inzwischen einen Verkauf der Flächen für acht Millionen Euro, räume so neue Steine in den Weg.

"Das ist eine historische Chance für den Naturschutz", hatte Vogel im Sommer 2003 erklärt. Damals verkündete die Bundesregierung großzügig, ihre Flächen komplett und unentgeltlich abzutreten. Einzige Bedingung war die Beteiligung aller betroffenen Länder und die Ausweisung der Areale als Naturschutzgebiet. Inzwischen ist die Euphorie der Erkenntnis gewichen, dass es einfache Lösungen im bundesdeutschen Föderalismus nicht gibt. Die Finanzbeamten der Länder witterten Folgekosten, ihre Kollegen im Bund hatten plötzlich rechtliche Bedenken.

"Purer Bürokratismus", schimpft der BUND-Chef und warnt: "Der einzige nationale Biotopverbund der Bundesrepublik, das größte Mahnmal der deutschen Teilung droht im Apparat zu versanden." Und das sei um so schmerzhafter, da die Idee des "Grünen Bandes" längst auf ganz Europa ausstrahle. Entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs solle vom Eismeer im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden ein 8500 Kilometer langer Biotopverbund durch 22 Länder führen. Deutschland habe bislang als Vorreiter gegolten, seine Bedenkenträger könnten nun zu den Totengräbern des Projektes werden. "Das 'Grüne Band' droht zu zerreißen, wenn die Flächen doch nicht unter Naturschutz gestellt, sondern privatisiert werden. Das wäre ein Skandal", warnte Vogel.

Unabsehbare Folgen hätte ein Scheitern der Idee vor allem für die Natur. Der 1393 Kilometer lange, quer durch Deutschland verlaufende Streifen biete über 600 gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Schutz, sagte der nationale Projektleiter "Grünes Band", Kai Frobel. Es gebe 109 verschiedene Biotoptypen, von Heideflächen über Flussauen und naturbelassene Altwälder bis hin zu Wiesen und Mooren. Allen Flächen sei gemein, dass sie sich in den Jahrzehnten des Kalten Krieges nahezu ungestört entwickelten. 85 Prozent des "Grünen Bandes" seien noch völlig unberührt.

Knapp drei Viertel des insgesamt 17.700 Hektar großen "Grünen Bandes" gehören laut Frobel dem Bund. 20 Prozent seien in Privatbesitz, 13 Prozent gehörten Ländern, Kommunen oder Kirchen. Zwei Prozent besäßen Naturschutzverbände. Etwa ein Drittel der gesamten Fläche sei bislang unter Naturschutz gestellt. Mit 737 Kilometern verlaufe die Hälfte des Streifens auf Thüringer Gebiet. Drohten tatsächlich Folgekosten durch die Flächenübergabe, kämen sie also vor allem auf Thüringen zu. Doch gerade der Freistaat, seit 1990 CDU-regiert und nicht eben eine Hochburg der Grünen, habe sich im Kampf um das "Grüne Band" immer wieder als treibende Kraft erwiesen.

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