Wissenschaftler verlassen Leukämie-Kommission wegen "Verschleierungspolitik"

Kinder-Leukämie in AKW-Nähe

Über die Ursachen der Leukämieerkrankungen von Kindern in der Umgebung von Nuklearanlagen in Schleswig-Holstein gibt es neuen Streit. Mehrere Wissenschaftler der mit der Untersuchung beauftragten Fachkommission des Bundeslandes kündigten am Montag in Berlin ihren Rückzug aus dem Gremium an. Sie protestierten damit, wie es hieß, "gegen die Verschleierungspolitik der schleswig-holsteinischen Aufsichtsbehörde". Die Wissenschaftler argumentierten, dass "seit dem sprunghaften Anstieg der Erkrankungsfälle im Jahr 1990" in der betroffenen Region um das Atomkraftwerk Krümmel sowie weiterer Nuklearanlagen bei Geesthacht "die Zahl der Leukämieerkrankungen bis heute dreifach überhöht geblieben" sei. In ihrem Abschlussbericht, der der Nachrichtenagentur ddp vorliegt, sehen die Wissenschaftler "den Verdacht einer unzulässigen radioaktiven Kontamination der Umgebung bestätigt".

Über die Ursachen für die Häufung der beobachteten Leukämieerkrankungen gibt es seit längerem widersprüchliche Untersuchungen. Nach Ansicht des Bundesamtes für Strahlenschutz besteht "bislang kein nachweisbarer Zusammenhang" zwischen den Erkrankungen und den atomaren Anlagen in der Region Geesthacht und der Elbmarsch, sagte Behördensprecher Dirk Daiber. Zu diesem Schluss war auch die Leukämiestudie gekommen, die der Direktor des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), Eberhard Greiser, im April 2003 vorgestellt hatte.

Daiber verwies auf noch ausstehende Untersuchungsergebnisse der 2003 begonnenen Studie zu "Kindlichen Tumoren in der Umgebung westdeutscher Leistungsreaktoren". Das Bundesamt werde nach Abschluss der ersten Teilstudie voraussichtlich Ende 2004 und nach Abschluss der Gesamtstudie voraussichtlich Anfang 2006 berichten.