Drei Jahre nach Massaker an Moslems sind Tausende Täter weiter frei

Indien

Fast drei Jahre nach den blutigen Ausschreitungen im westindischen Gujarat sind die Verantwortlichen noch immer auf freiem Fuß. Mehr als 2000 Menschen fielen der Gewalt am 27. Februar 2002 und an den folgenden Tagen zum Opfer. Insbesondere muslimische Frauen waren Ziel der Übergriffe. Mehrere hundert Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, schwer verstümmelt und, teilweise lebend, verbrannt. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht wirft Amnesty International (ai) der von der Hindu-nationalistischen BJP-Partei geführten Regierung von Gujarat und der damaligen indischen Bundesregierung vor, die Ausschreitungen zum Teil bewusst provoziert zu haben.

Beide Regierungen hätten kaum etwas getan, um die Massaker zu verhindern, und später zu wenig, um die Mörder und Vergewaltiger zur Rechenschaft zu ziehen. "Jetzt müssen beide Regierungen endlich dafür sorgen, dass die Verbrechen aufgeklärt und die Opfer entschädigt werden", sagte Dr. Renate Müller-Wollermann, Asien-Expertin von amnesty international.

Schilderungen Betroffener zeugen von der fast unvorstellbaren Gewalt der Ereignisse: "Sie rissen unseren Mädchen die Kleider vom Leib und vergewaltigten sie vor den Augen der Angehörigen. Sie töteten Shamins zwei Tage altes Baby. Sie töteten meinen Onkel mütterlicherseits, die Schwester meines Vaters und ihren Mann. Nachdem sie die Frauen vergewaltigt hatten, töteten sie sie alle ... Sie haben auch mein Baby getötet. Sie haben es in die Luft geworfen, und es schlug auf einem Stein auf. Nachdem sie mich vergewaltigt hatten, hielt einer der Männer seinen Fuß in meinen Nacken und trat mich." Bilqis Yakoop Rasool verlor an diesem Tag 14 Familienmitglieder.

Während der Angriffe tat die Polizei nichts oder nahm sogar an ihnen teil. Wenn Opfer versuchten, ihre Beschwerden anzubringen, nahm die Polizei sie oft nicht angemessen auf und stellte keine weiteren Ermittlungen an. Bilqis Yakoob Rasool konnte der Polizei die Namen der Vergewaltiger und Mörder ihrer Familie nennen. Dennoch stellte die Polizei die Ermittlungen mit der Begründung ein, dass die Schuldigen nicht gefunden werden könnten. "Die Gefahr neuer Gewaltausbrüche ist groß, und die Regierung von Gujarat hat seitdem wenig getan, um solche Gewalt zukünftig zu verhindern", sagte Müller-Wollermann. "Sie muss etwa dringend dafür sorgen, dass Polizisten, Richter und Staatsanwälte für Geschlechterfragen sensibilisiert werden. Jene, die bewusst Ermittlungen behinderten, müssen zur Rechenschaft gezogen werden."