Verfügbare Motorräder sind für Verkehrsclub zu laut und zu dreckig

Besseres Angebot gefordert

Das derzeitige Angebot von motorisierten Zweirädern erfüllt nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) die ökologischen Mindestanforderungen nicht. Der Großteil der rund 300 auf dem Markt befindlichen Modelle sei zu laut, stoße zu viele Schadstoffe aus und verbrauche viel zu viel Sprit, so das Ergebnis einer Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU), die der VCD am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

"Motorroller und Motorräder bleiben in allen entscheidenden Kategorien weit hinter technisch machbaren und aus Umweltsicht erforderlichen Werten zurück", kritisierte Gila Altmann, VCD-Bundesvorstand und Ex-Umwelt-Staatssekretärin, die aktuelle Modellpalette. Das zeige, dass die Hersteller notwendige Innovationen auf dem Motorradmarkt verschliefen, viele Kunden die Umwelt bei der Modellwahl noch zu wenig im Blick hätten und die Politik es versäumt habe, ähnlich wirksame Grenzwerte wie für Pkw einzuführen.

Ab dem Januar 2006 ist die Schadstoffstufe Euro 3 für die Markteinführung von neuen Motorrädern vorgeschrieben, im laufenden Verkauf ist Euro 3 erst ab Anfang 2008 verbindlich. Erst dann gebe es eine einigermaßen akzeptable und einheitliche Situation beim Schadstoffausstoß neuer Modelle, die allerdings noch immer hinter dem aktuellen Standard bei Pkw zurückbleibe, so die Motorradfahrerin Altmann. Bisher tauge dieses Kriterium nicht, um eine Kaufempfehlung für KundInnen abzuleiten. Noch schwieriger gestalte sich die Situation beim Verbrauch.

"Die Datenlage ist im Vergleich zum Automarkt miserabel", berichtet Frank Dünnebeil, Experte des Instituts für Energie- und Umweltforschung. So gebe es für den Spritverbrauch bei den gegenwärtig angebotenen Modellen keine normierten Messverfahren und Angaben seitens der Hersteller. Ein schlüssiges Umwelt-Ranking, wie es die VCD Auto-Umweltliste liefere, sei daher nicht möglich. Lediglich beim Lärm gebe es vergleichbare Daten. "Den zu Grunde liegenden Messverfahren fehlt allerdings die Praxisnähe", so Dünnebeil.

Der VCD fordert, den großen Rückstand der motorisierten Zweiräder gegenüber den Autos schnell aufzuholen. "Wir brauchen für Motorräder genauso strenge Schadstoffgrenzwerte wie für Pkw", fordert Altmann. Hier müsse die Politik tätig werden. "Erst recht kann es nicht sein, dass einige Motorräder so viel Sprit verbrauchen wie viel größere und schwerere Autos", meint die Motorradfahrerin. Die Hersteller müssten in einen Qualitätswettbewerb bei Verbrauch und Abgastechnik eintreten, den umweltbewusste Käufer durch die entsprechende Nachfrage beschleunigen könnten.

Motorrad-KäuferInnen sollten aus Sicht des VCD möglichst auf Modelle mit Schadstoffklasse Euro 3 warten. Wer sich schon vorher für ein Fahrzeug entscheiden wolle, solle unbedingt eines mit geregeltem Katalysator und vergleichsweise niedrigen Lärmemissionen wählen. Die entsprechenden Daten hat das IFEU soweit verfügbar zusammengetragen und bewertet.