Ärzte wollen kranke Politiker angeblich zwei Stunden warten lassen

Im Flur warten

Aus Protest gegen die Gesundheitspolitik sollen Haus- und Fachärzte bundesweit Politiker aller Parteien im Krankheitsfall erst mit Verzögerung behandeln. Bundes- und Landespolitiker sowie Kreistagsabgeordnete sollten von der nächsten Woche an im Wartezimmer zunächst zwei Stunden und länger die Gelegenheit erhalten, mit den Patienten ins Gespräch zu kommen, berichtete das Bielefelder "Westfalen-Blatt". Ausgenommen seien akute Notfälle.

Am Samstag solle die außerordentliche Hauptversammlung des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschland (NAV Virchow-Bund) in Köln auf Antrag des Landesverbandes Westfalen-Lippe dazu eine Empfehlung an Haus- und Fachärzte beschließen, schrieb das Blatt weiter. Das Bonus-Malus-Gesetz, das zum 1. April in Kraft trete, sei nur einer der Tropfen, die das Fass zum Überlaufen gebracht hätten, sagte der stellvertretende NAV-Landesvorsitzende in Westfalen-Lippe, Ernst-Rüdiger Osterhoff, der Zeitung. Mehr als 90 Prozent der Bürger lehnten das neue Gesetz ab. Darüber sollte in den Wartezimmern mit den Politikern diskutiert werden. Nach dem Arzneimittelspargesetz drohe Ärzten ein Honorarabschlag, wenn sie zu teure Medikamente verordneten. Auf der anderen Seite gebe es für Ärzte, die am Patienten sparten, einen Bonus.

Außerdem solle eine Empfehlung an die Chefärzte der Krankenhäuser beschlossen werden, Politiker künftig nicht mehr bevorzugt zu behandeln, schrieb die Zeitung weiter. Genauso wie AOK-Patienten sollten Politiker in überfüllten Krankenhäusern zum Beispiel auf dem Flur auf ihre Behandlung warten, sagte Osterhoff. Frei werdende Einzel- oder Doppelzimmer sollten den gesetzlich versicherten Kassenpatienten bevorzugt zur Verfügung gestellt werden.