Deutsche Banken wollen offenbar bulgarisches Atomkraftwerk finanzieren

"Bevölkerungsmehrheit dagegen"

Nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald wollen deutsche Banken "knapp 20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl" den Bau eines neuen "Risiko-Reaktors" im Norden Bulgariens finanzieren. Das Atomkraftwerk Belene sei in den 1980er Jahren an der Donau geplant worden. Der Bau sei zwar 1987 begonnen, dann aber "wegen Umweltprotesten, mangelnder Wirtschaftlichkeit und Sicherheitsbedenken" 1992 gestoppt worden, so Urgewald. Nun habe die bulgarische Regierung das Projekt reanimiert, sagte Heffa Schücking von der Organisation. "Grundlegende Probleme wie der Standort von Belene in einer Erdbebenregion und die Entsorgung des Atommülls sind jedoch nach wie vor nicht gelöst. Zudem will die bulgarische Regierung Geld sparen und verlangt, dass neue Angebote die vorhandenen, mindestens 14 Jahre alten Baureste mit einbeziehen." Dieser Ansatz in Kombination mit den grundsätzlichen Sicherheitsproblemen russischer Druckwasserreaktoren macht Belene in den Augen der Umweltorganisation zu einem gefährlichen Risiko.

Um den Bau des AKW bewerben sich laut Urgewald zwei Konsortien: Der russische Kraftwerksbauer Atomstroyeksport biete gemeinsam mit dem französisch-deutschen Atomkonzern Framatome, an dem die deutsche Siemens AG beteiligt ist. Ebenso habe die tschechische Skoda Allianz ein Angebot eingereicht.

Bei der Finanzierung sollen deutsche Banken helfen. "Laut internationaler Presse bieten die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank Kredite für Belene an," so Regine Richter von Urgewald. Zudem wolle sich der Mutterkonzern der Hypovereinsbank, die italienische Unicredit-Gruppe an der Finanzierung der Skoda Allianz beteiligen.

In Bulgarien kämpft den Angaben zufolge "eine breite Koalition von Nichtregierungsorganisationen" unter dem Motto "BeleNE!" - was "Nein zu Belene" bedeute - gegen die Neuauflage des Projekts.

In nur 12 Kilometer Entfernung zum geplanten Standort des Atomkraftwerks starben nach Angaben der Umweltschützer 1977 bei einem Erdbeben etwa 200 Menschen. Die Umweltverträglichkeitsprüfung sei mangelhaft.

"Es ist ein Hohn, wenn nur 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ein solch gefährlicher Atomreaktor gebaut werden soll," meint Richter. Es sei empörend, "dass sich deutsche Banken an dieser Finanzierung beteiligen wollen, während in Deutschland eine klare Bevölkerungsmehrheit gegen die Nutzung von Atomkraft ist."