Energieriese E.On setzt auf Offshore-Windparks

Produktionsmittel nicht mehr in Bürgerhand?

Seit 1990 fördert der Bund verstärkt den Ausbau erneuerbarer Energien. Auf der Basis des Stromeinspeisegesetzes, das später durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgelöst wurde, werden über ganz Deutschland verteilt in großer Zahl Windräder, Solaranlagen und Biomasse-Kraftwerke gebaut. Diese Energieanlagen befinden sich zum Teil im Eigentum von Hausbesitzern, Landwirten und kleineren Betreibergemeinschaften. Es entstand dafür auch der Begriff der "Bürgerkraftwerke", weil sich die Produktionsmittel dezentral in der Hand breiterer Bevölkerungsschichten befinden. Den großen Energiekonzernen ist diese Entwicklung schon lange ein Dorn im Auge.

Der Energie- und Atomkonzern E.On versucht nun mit großen Offshore-Windparks in der Nordsee das Geschäft mit der Windenergie verstärkt in der eigenen Hand zu konzentrieren.

Umweltminister Sigmar Gabriel hatte unlängst angekündigt, künftig die Zahl der Windkraftanlagen an Land dafür wieder reduzieren zu wollen. Die langjährige Tendenz, wonach die Produktionsmittel eines wachsenden Sektors der Energiewirtschaft schrittweise an die breite Bevölkerung übergehen, könnte im Zuge des Offshore-Ausbaus zum Erliegen kommen. Die fossile und und nukleare Stromerzeugung ist hochkonzentriert in der Hand von nur 4 Konzernen, die damit erhebliche Gewinne machen. Einen ähnlichen Konzentrationsprozess könnte es jetzt im Bereich der erneuerbaren Energien geben.

Vor wenigen Tagen hatte E.On auf der 5. Maritimen Konferenz des Bundesumweltministeriums in Hamburg den Bau eines großen Offshore-Windparks in der Nordsee angekündigt. Der Park solle rund 40 Kilometer nord-westlich der ostfriesischen Insel Juist entstehen. Dazu habe E.On jetzt das Projekt "Offshore-Windpark Delta Nordsee" von der Enova Gruppe übernommen. Das vorgesehene Seegebiet sei bereits vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als besonders geeignet ausgewiesen worden.

In der ersten Phase sollen den Angaben zufolge 80 Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils mehr als 3,5 Megawatt errichtet werden. Für 48 Anlagen sei bereits die Bau- und Betriebsgenehmigung erteilt worden, weitere 32 Anlagen seien beantragt.

"Mit diesem Projekt setzt E.On die konzernweite Technologie-Initiative fort, die einen Schwerpunkt in der Weiterentwicklung der Regenerativen Energien hat", teilte das Unternehmen mit. "Dazu gehören mehrere Offshore-Wind-Projekte in Großbritannien, Skandinavien und Deutschland." Vor den deutschen Küsten will E.On bis 2011 Anlagen mit insgesamt 500 Megawatt Leistung installieren und "damit die führende Rolle in der Windenergienutzung übernehmen".

E.On errichtet den größten Offshore-Windpark Großbritanniens

Anfang nächsten Jahres will E.On UK mit dem Bau von "Robin Rigg", dem größten Offshore-Windpark Großbritanniens mit einer Gesamtleistung von 180 Megawatt Leistung, beginnen. Der Windpark vor der schottischen Küste im Meer soll aus 60 Windkraftanlagen mit je 3 Megawatt Leistung bestehen.

Nach der für Frühjahr 2009 vorgesehenen Inbetriebnahme soll "Robin Rigg" jährlich rund 550 Mio Kilowattstunden Strom produzieren. Diese Menge deckt laut E.On den durchschnittlichen Jahresbedarf von rund 150.000 Haushalten. Im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung würden jährlich rund 230.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart. Die Gesamtinvestitionen für den Windpark werden mit 500 Millionen Euro angegeben.

Bereits seit 2004 betreibt E.On in Großbritannien den Offshore-Windpark "Scroby Sands" mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt.

In Deutschland und Dänemark ist das Unternehmen an mehreren Pilotprojekten für Offshore-Windparks beteiligt. Der Energiekonzern räumt die noch bestehenden technischen Schwierigkeiten ein. So seien "noch umfangreichere Entwicklungsarbeiten erforderlich, da die Anlagen in größeren Wassertiefen und in größerer Entfernung zum Festland errichtet werden müssen".