Gipfelkritiker wollen Infrastruktur des G8-Treffens blockieren

"Interessen von Großkonzernen"

Gipfelkritiker wollen während des G8-Treffens im Juni in Heiligendamm sämtliche Zufahrtsstraßen zum Veranstaltungsort blockieren. "Wir schneiden den Gipfel von seiner Infrastruktur ab", kündigte Christoph Kleine vom Aktionsbündnis "Block G8" am Freitag in Rostock an. Rund 10.000 Teilnehmer würden erwartet, die mit Mitteln des zivilen Ungehorsams den Durchgangsverkehr aufhalten wollten.

Auf eine Konfrontation mit der Polizei sei man eingestellt, jedoch werde von den Demonstranten keine Gewalt ausgehen, sagte Kleine. Die Polizei will keine Blockaden rund um den Veranstaltungsort dulden.

Der Weltwirtschaftsgipfel findet vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm statt. Neben mehreren tausend Teilnehmern werden auch rund 100.000 Kritiker erwartet.

Nach Auffassung von "Block G8" steht die Politik der G8 "für den neoliberal globalisierten Kapitalismus, der weltweit die Schere zwischen Arm und Reich dramatisch vergrößert". Dazu sage man "Nein" und man spreche der G8 "jede Legitimität ab".

Die G8-Gipfel seien "ein Symbol". Sie dienten den Regierenden "zur Demonstration ihrer Macht". Ihre Nachricht laute, es gebe keine Alternative zur gegenwärtigen Weltordnung. "Mit unseren Aktionen wollen wir mit aller Deutlichkeit diesen Anschein der Alternativlosigkeit durchkreuzen", schreiben die Kritiker auf ihrer Website.

Auf den G8-Gipfeln werde zudem "konkrete Politik gemacht und koordiniert. Eine Politik, bei der die Interessen von Großkonzernen und Finanzanlegern im Mittelpunkt stehen." Rund um den Globus verschärfe sich dadurch die dramatische Spaltung in Arm und Reich, die von einem massiven Abbau sozialer und demokratischer Rechte begleitet werde. "Wenn die G8 von Schuldenerlass und Hilfsprogrammen für die Armen reden, dann wird verschwiegen, dass Hunger, Armut und Schuldenfalle Resultate des neoliberal globalisierten Kapitalismus sind", meint das Aktionsbündnis.

Die Politik der G8 trage "unvermindert zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bei", sichere einigen wenigen Staaten den Zugang zu einem Großteil der Ressourcen und werde "letztendlich auch durch Kriege durchgesetzt".

"Institution ohne Legitimation"

Nach Auffassung der Kritiker ist die G8 "eine Institution ohne Legitimation. Sie ist ein Club der Regierungen von gerade einmal acht Staaten, die sich anmaßen, Entscheidungen über die Lebensrealität der Menschen des ganzen Erdballs zu treffen." Deshalb gehe es auch "nicht darum, dass auf den G8-Gipfeln andere Beschlüsse gefasst werden. Vielmehr stellen wir die G8 und ihre Politik insgesamt in Frage und sprechen ihnen jede Legitimation ab."

Hinter dem Konzept der Massenblockaden stehen Gruppen, Organisationen und Personen aus der Umweltbewegung und der Anti-Atom-Bewegung, aus globalisierungskritischen Netzwerken und aus der radikalen Linken, aus gewaltfreien Aktionsgruppen, aus der autonomen Antifa, aus Partei- und Gewerkschaftsjugenden sowie aus kirchlichen Gruppen. "Wir bringen vielfältige Blockadeerfahrungen mit", so das Aktionsbündnis. "Von den Castor-Transporten ins Wendland, von den erfolgreichen Blockaden von Naziaufmärschen in Berlin, Kiel oder Leipzig, aus der resist-Kampagne gegen den Irak-Krieg und den Protesten gegen andere G8-Gipfel."