GEW fordert bessere Bezahlung von Erzieherinnen

"Schlecht bezahlte Berufsgruppe"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine "deutlich bessere Bezahlung" von Erzieherinnen hat. In der anstehenden Tarifrunde müssten die Erzieherinnen höher eingruppiert werden als geplant. "Bei kaum einer anderen Berufsgruppe klaffen gesellschaftliche Erwartungen an das Arbeitsergebnis und Bezahlung so weit auseinander wie bei den Erzieherinnen", meint GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke. "Der gesellschaftliche Anspruch an die Arbeit, die Erzieherinnen und Erzieher leisten sollen, ist in den vergangenen Jahren etwa bei der individuellen Sprachförderung gewaltig gewachsen." Der Verdienst der Erzieherinnen habe mit den "steigenden Berufsanforderungen" aber nicht Schritt gehalten. Im Gegenteil: Die ohnehin schlecht bezahlte Berufsgruppe sei mit der Umstellung auf das neue Tarifvertragssystem noch weiter abgehängt worden.

Schon jetzt hätten viele Städte gerade in Ballungsgebieten Probleme, ausreichend Fachkräfte zu finden. "Allein die Mieten fressen einen Großteil des Gehalts auf", so Hocke.

Nach Auffassung von Hocke "platzt" das "Krippenprojekt" von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), wenn Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Erzieherinnen nicht zügig verbessert werden würden. "Es fehlen künftig gut ausgebildete Fachkräfte, die ein qualitativ hochwertiges Angebot gewährleisten können", so Hocke.

Allein für den geplanten Ausbau der Krippenplätze würden rund 100.000 neue Erzieherinnen gebraucht. Mit deren Ausbildung hätte man besser gestern als heute begonnen, meint der GEW-Funktionär. "Wir brauchen attraktive Rahmenbedingungen, damit sich mehr junge Menschen für den Erzieher-Beruf entscheiden." Dazu gehöre auch eine Ausbildung auf Hochschulniveau.

1.764 Euro brutto - ein paar hundert Euro bei Teilzeit

Es werde Zeit, "dass Erzieherinnen endlich Anschluss an die allgemeine Gehaltsentwicklung finden", fordert die Gewerkschaft. Nach Angaben von GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad erhalten Erzieherinnen nach der Ausbildung an der Fachschule ein Einstiegsgehalt von 1.764 Euro brutto im Monat. In der "Endstufe" erhielten sie im Kita-Regeldienst 2.285 Euro.

Im Vergleich zum bisher geltenden Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) bedeute die Umstellung auf den Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) und den Tarifvertrag der Länder (TV-L) eine Einkommenseinbuße von mehreren 100 Euro im Monat. "Das Gehaltsminus kann auf das Berufsleben hochgerechnet mehr als 100.000 Euro betragen", so Schaad.

Offenbar glaubten die Arbeitgeber, sie könnten Frauen schlechter bezahlen als Männer, die überwiegend das Personal in vergleichbaren Berufen stellen. "Diese Diskriminierung muss in der Tarifrunde beendet werden: Erziehrinnen müssen zwei Entgeltgruppen höher als bisher einsortiert werden. Sie könnten damit rund 200 Euro mehr verdienen", so Schaad. Erzieherin sei immer noch ein "Frauenberuf", fast 97 Prozent der Beschäftigten in Kitas seien Frauen.

Schaad wies zudem darauf hin, dass in Kitas in hohem Maße Teilzeitbeschäftigte arbeiteten. Die Quote liege im Bundesschnitt bei fast zwei Dritteln. "Von den paar hundert Euro, die eine Erzieherin in Teilzeit erhält, kann kein Mensch leben." Dabei sei die Teilzeitbeschäftigung nicht frei gewählt. Nach einer aktuellen GEW-Studie würden fast 40 Prozent der Erzieherinnen gerne Vollzeit arbeiten, fänden aber keine Stelle, so Schaad.