Ex-Umweltminister Klaus Töpfer mal für und mal gegen Atomkraftwerke

Für Klimaschutz und neue Kohlekraftwerke

Der frühere Chef des UN-Klimareferats, Klaus Töpfer, hat die Bundesregierung zu stärkeren Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen. "Künftig muss sicher noch nachgelegt werden", sagte Töpfer der "Rheinischen Post". "Das gilt für Mobilität, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die Bundesregierung hat die Aufgabe, sicherzustellen, dass Deutschland Technologieführer bleibt." Der CDU-Politiker und einstige "Atomminister" sprach sich für neue Kohle- und Atomkraftwerke aus. Im März 2007 hatte sich Töpfer noch gegen zahlreiche neue Atomkraftwerke ausgesprochen. Töpfer hatte damals auf einer Veranstaltung des Siemens-Konzerns der Atomenergie als Lösung für die Klimaprobleme eine klare Absage erteilt.

Der CDU-Politiker war am 21. März in München Hauptredner des SiemensForums mit dem Titel "Nachhaltiges Wirtschaften im Zeichen des Klimawandels". Laut Töpfer bräuchte man weltweit rund 3000 neue Atomkraftwerke und wegen der Uranknappheit zudem noch einen Einstieg in die Brütertechnologie, um die Klimaprobleme mit Atomenergie wirksam zu bekämpfen. So stelle er sich die Zukunft für seine Enkelkinder nicht vor, sagte der CDU-Politiker 2007, der Jahre zuvor als Umweltminister noch Stilllegungs-Forderungen für Atomkraftwerke zurückgewiesen hatte. Die auf der Veranstaltung anwesenden Siemensianer waren sprachlos. Die Siemens-Beteiligungsgesellschaft AREVA ist der weltweit führende Anbieter von Atomkraftwerken.

Gegenüber der "Rheinischen Post" riet Töpfer nun um Juni 2008 deutschen Unternehmen und Wissenschaftlern dazu, beim Bau von Atomkraftwerken aktiv zu bleiben: "Wir sollten uns Gedanken machen, ob wir als technologisch führendes Land bei der Weiterentwicklung der Kernenergie, in der Forschung und beim Bau von Reaktoren und deren Sicherheit nicht dabei bleiben sollten". Je nach Kontext plädiert Töpfer also mal für und mal gegen die Atomenergie.

Auch neue Kohle-Großkraftwerke sind für den ehemaligen Umweltminiister eine Klimaschutzmaßnahme. Töpfer nannte es "beunruhigend", dass aufgrund von Bürgerprotesten der Bau von neuen Kohlekraftwerken in Deutschland gebremst werde. "Hier wird gegen neue, effiziente Kohlekraftwerke protestiert. Solche Kraftwerke sollten gebaut werden, wenn sie auf Kraft-Wärme-Kopplung setzen, wenn sie den CO2-Ausstoß mindern und wenn sie alte Dreckschleudern ersetzen."